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Der Israelit · 1897-05-24 · Heft 41 (24.5.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 41 (24.5.1897)
Date
1897-05-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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765 oder wegen der damit verbundenen Mühe nicht wollten. Gleichzeitig sollten sie dem Nichtjuden ein Bild von jüdischem Leben und Glauben geben und jene Lorurtheile und Märchen vernichtet!, die über den Talmud und unsere ganze Religion verbreitet sind. So sucht auch Kohn in seinen Werken seinen jungen Leserinnen und Lesern die erhabenen Sitten und Grundsätze des Judenthums in ein kunstvolles Gewand gekleidet, nahe zu bringen und an's Herz zu legen; so sucht er namentlich — was in unserer Zeit, der Hochfluth des Antisemitismus, unschätzbar ist — unseren nichtjüdischen Mitbürgern, denen er das Verstehen der jüdischen Ausdrücke und Gebräuche durch Uebersetzung und Erläuterung ermöglicht, ein hehres Bild des wahren Judenthums zu entwerfen. In diesem Sinne begrüßen wir die Wiederaufnahme von Kohns Werken mit Freude und wünschen auch diesem Buche die weiteste Verbreitung. St. im Jjar, Dr. K. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen Deutschland. ** Berlin, 20. Mai. Das 25jährige Jubiläum des Reiche-cheirnschen Waisenhauses vereinigte die Freunde und Förderer der segensreichen Anstalt und deren Leiter und Pfleglinge zu einer einfachen, würdigen Feier. Nachdem die Zöglinge mit Heller Stimme einen Psalm znr Eröffnung der Feier gesungen hatten, hielt Geh. San.-Rath Dr. Boas im Namen des Kuratoriums der Anstalt eine Ansprache, in welcher er der Stifter Moritz und Sara Reichenheim mit dankbaren Worten gedachte. Der Direktor des Waisenhauses, Dr. Jntrostnski, erstattete daraus einen Rechenschaftsbericht üller das zurückgelegte Vierteljahrhundert. Von den 123 bisher entlaffenen Knaben sind 59 Handwerker, 56 Kaufleute geworden, die übrigen haben studirt; von den 83 Mädchen wurden 18 Buchhalterinnen, 3 wiffenschaftliche Lehrerinnen, 4 Klavierlehrer innen, 4 Kindergärtnerinnen, die übrigen wandten sich dem Erwerb durch Handfertigkeit zu. Mit herzlicken Dankesworten und Segenswünschen für alle Förderer der humanitären Bestrebungen des Waisenhauses schloß Dr. Jntrostnski feine Rede. ** Stuttgart, 20 Mai. Die württembergische Abgeordnetenkammer wird sich in der nächsten Zeit zum erstenmal mit einer ausgesprochen antisemitischen Frage zu beschäftigen haben. Der Ausschuß der „Schwäbischen Reformpartei" hat nämlich an die Kammer eine Petition gerichtet um staatliche Uebersetzung des Schulchan Aruch. Bekanntlich ist ein ähnlicher Antrag im März 1893 im Preußischen Herrenhaus mit geringer Mehrheit der Regierung zur Prüfung und Berücksichtigung überwiesen worden, ohne daß jedoch die Regierung diesem Schritte eine Folge gegeben hätte. 1894 wurde dann eine ähnliche Petition von der Kommission des Herrenhauses als nicht geeignet zur Berathung im Plenum erachtet und das Herrenhaus stimmte im Mai diesem Anträge zu. Im April 1696 ist dann das Herrenhaus über dieselbe Petition, die jetzt in Württemberg vorliegt, mit Mehrheit zur Tagesordnung übergegangen. Auch in anderen Parlamenten, so im Reichstag, in Sachsen und Baden war der Erfolg der Petenten ein rein negativer. Denselben Standpunkt nimmt nun auch die Kommission der württembergischen Kammer ein. Der Berichterstatter Eckard (Centr.) beantragt Uebergang zur Tagesordnung, indem er u. a. betont, daß man nicht auf solche Uebersetzungen, sondern auf Gesetze den Nachdruck legen müsse, durch die im Erwerbsleben der Schwache, Ehrliche, und Kleine, nicht etwa bloß gegen den Juden, sondern überhaupt gegen den Starken, Schlauen und Geriebenen möglichst geschützt werde und durch die dem Wucher, der Spekulation, dem Schwindel, dem unlauteren Wettbewerb, bei Christen wie bei Juden, auf den Leib gerückt werde. Die Wirksamkeit solcher Gesetze müsse dann aber auch unterstützt werden, nicht durch Agitation mit Talmudstellen, sondern durch Förderung der intellektuellen und sittlichen Tüchtigkeit des Einzelnen, wie durch Organisation sozialer Selbsthilfe unter den Erwerbsständen. Eine Erörterung der Frage, ob es gut war, die bürgerliche Gleichstellung der Juden auszusprechen, lehnt die Kommission als praktisch zwecklos ab, nachdem diese Gleichberechtigung zu Recht besteht; in Württemberg bekanntlich durch Gesetz vom Jahre 1864. Es ist also sicher anzunehmen, daß die Kammer den von der Kommission eingenommenen Standpunkt theilen wird. ** Stuttgart, 21. Mai. (Zweite Kamm er.) Die Eingabe des antisemitischen RedacteurS Fritz Bösenberg um Uebersetzung des Schulchan-Aruch hat eine ausführliche Behandlung in dem Bericht des Referenten Eckard (C.) erfahren. Der Bericht geht davon aus, daß die bisherigen Feststellungen nicht ergeben haben, daß in den jüdischen Lehrbüchern unmoralische Grundsätze vertreten werden, und daß es selbstverständlich nicht Aufgabe der Kommission sei, Untersuchungen hierüber anzustellen. Die Kommission beantragt Uebergang zur Tagesoronung. Prälat v. Schwarzkopf dankt dem Berichterstatter für die sachlichen Ausführungen. In Württemberg habe man am wenigsten Veranlassung, gegen das Judenthum in solcher Weise vorzugehen, zumal die Synagoge sich trefflicher Oberhirten erfreue. Der Kultusminister v. Sarwey äußert sich in ähnlicher Weise. Der Antrag auf Tagesordnung wird angenommen.

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