Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 41 (24.5.1897)
- Date
- 1897-05-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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760 zuzuschreiben, daß die verschiedenen Zwistigkeiten in mehreren orth. Gemeinden bereits veraltete Uebel, in dem kurzen Zeitraum von einem Jahre fast gänzlich behoben, uno daß neu aufqetauchle Differenzen im Keime erstickt wurden, in b-2 irmtr un' xb nnp Nicht werden fürderhin offene und geheime Angriffe aus die Rechte deS althergebrachten CultuS inszenirt; 'n neny mn bri er beglückt in Allem, was er unternimmt. Wer Augen hat zu sehen und sie nicht absichtlich verschließt, muß eingestehen, daß das orthod. Judenthum in Ungarn, das bekanntlich, wie in keinem andern Lande, die weitgehendsten, konfessionellen Rechte im Rahmen der staatlichen Gesetzgebung genießt, nein nws nicht so segensreich gewirkt hat, als heute. Freilich ist diese 7,2^2 nur die Frucht der Thränen und des Schweißes so vieler apn», die schon längst owp*i weilen, aber diesem Manne blieb es mit Gottes Hilfe Vorbehalten, auf Basis und wnv'vn jvot in voller Uebereinftimmung mit allen 2^21 un? rrbrtpn w, zur vollständigen Zufriedenheit aller glaubenstreuen Brüder, die heilige Sache der v'x-" mit sicherer Hand weiter zu leiten: 12 rmtrh rorcj» :rr:n wpo. — Ich betone nachdrücklichst die ungetheilte Zufriedenheit aller Glaubenstreuen, weil ein obskures jüd. Blättchen, das gewiß seine klingenden Gründe hat im Finstern zu schleichen, es wagt nxi'n mat» den a^n: auch bbz wnz sogenannte Winke und Belehrungen zu ertheilen, die ihren einmüthig ausgesprochenen Beschlüssen ganz heterogen zuwiverlaufen. Hierzulande weiß es jeder, daß dieses famose Blättchen seit Jahr und Tag rv'Mivb pia cpo ist, indem es der heiligen Sache nie genützt, soweit seine Ohnmacht reicht, stets nur geschadet und mit seltener Verwegenheit schon vielen rra in der rauhesten Weise pr, nyjt verursacht hat — Die orch. Centralleitung ihm gut daran, dieses zudringliche Treiben auch weiter stillschweigend zu verachten, und wenn dieser große Berg auch weiter kreisen sollte, so bewahrheitet sich nur immer das Wort des weisen Königs: Sp. 26 11. Afrika. ** Algier. In Mostaganem ist es zu sehr gefährlichen antisemitischen Ausschreitungen gekommen, die allerdings, wie der „Franks. Ztg." berichtet wird, durch einen noch nicht recht aufgeklärten Ueberfall seitens jüdischer Individuen selbst hervorgerufen worden sind. Am 16. Mai nämlich überfiel eine Bande mit Knütteln bewaffneter Israeliten einen Zug aus Oran zu den Rennen nach Mostaganem gekommener Radfahrer, wobei mehrere derselben erheblich verwundet wurden. Daraufhin fanden bereits den folgenden Abend ernste Ausschreitungen gegen die Juden statt, die noch immer fortdauern. Die Straßen füllten sich mit drohenden, knüttelschwingenden Massen, gegen die alle von der Polizei getroffenen Vorsichtsmaßregeln sich als wirkungslos erwiesen. Bald brachen die Aufgeregten in die Wohnungen und Läden der Israeliten, sowie in die Synagoge ein, vernichteten Alles, was ihnen in die Hände fiel, und mißhandelten die erschreckten Israeliten. Die Läden derselben wurden geschlossen und, da sich Keiner von ihnen am Abende auf den Straßen zeigte, schien sich die Aufregung allmählich zu legen. Plötzlich aber schlug dieselbe wieder in hellen Flammen empor, als auf den Marktplatz ein mit oranischen Radfahrern angefüllter Wagen einlenkte. Wilde Rufe: „Tod den Juden!" erschallten; die Exaltirten wurden aber durch die alle Straßen besetzt haltenden und die Häuser der Juden scharf überwachenden Militärposten in Respekt erhalten. Die Aufregung dauerte aber die ganze Nacht fort und scheint noch immer weiter um sich zu greifen. Verschiedene Läden wurden geplündert und viele Israeliten schwer mißhandelt. Die zahlreich vorgenommenen Verhaftungen scheinen ebenso wenig, wie der an allen Ecken angeschlagene Aufruf der jüdischen Gemeinde, in der der Angriff gegen die Radfahrer streng verurtheilt, die Individuen, die sich dessen schuldig gemacht, als der Justiz verfallen bezeichnet und die Einwohner um Aufrechterhaltung der alle Bürger Mostaganems verknüpfenden Eintracht gebeten werden, die aufgeregten Leidenschaften zu besänftigen. Die Maueranschläge der Kultusgemeinde waren wenige Stunden später, trotz der strengen Ueberwachung, herabgeriffen. Man fürchtet den Angriff des Räuberstanlmes der Hachem, der auf die Stadt losmarschirt. Die Araber sind überhaupt bei diesem Treiben womöglich noch fanatischer, als die französischen Antisemiten. Die Hausthüren werden in den verschiedenen Vierteln verschlossen gehalten und militärisch scharf überwacht. — 20. Mai. Am gestrigen Abend dauerten die Ausschreitungen in Mostaganem in noch ärgerem Maßstabe, als die vorhergegangenen Tage, bis tief in die Nacht hinein fort. Die gesammte Garnison war alarmirt; die Polizei, die Gerichts- und Stadtbehörden waren nicht im Stande, die Ruhe herzustellen. Der Polizeikommiffär wurde durch einen Knüppelschlag schwer über dem rechten Knie verwundet. Gestern Morgen begann das Plündern auf's Neue; bei einem Eingeborenen wurden vier Hektogramm Pulver gefunden. Geschosse aller Art wurden gegen die Wohnungen der Israeliten geschleudert. Die Truppen marschirten gegen die Menge und trieben sie auseinander. Es ist ernstlich die Rede davon, die Stadt in Belagerungszustand zu versetzen; die Zahl der verhafteten Manifestanten ist bisher sehr unbedeutend. Obgleich umfassende Vorbeugungsmaßregeln getroffen worden sind, fürchtet man dennoch eine Wiederholung und weitere Ausdehnung der Ausschreitungen.