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Der Israelit · 1897-05-24 · Heft 41 (24.5.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 41 (24.5.1897)
Date
1897-05-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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758 reichen Mitteln zu mehren, die Idee des reinen Menschenthums zu fördern, war ihm höchstes Bedürfnis und Glück. Zahllose Millionen hat er zu diesem Zwecke aufgcwendet. Kein Werk der Nächstenliebe, des Fortschritts und der sozialen Verbesserung ließ ihn gleichgiltig und kalt. Seine Seele stand allem Guten und Großherzigen offen. Jede Schranke schwand vor seinem Edelsinn. Die umfassendste und weiteste Theilnahme erweckte in ihm jedoch die intellektuelle und moralische Entwickelung seiner Glaubensgenossen, wo er sie ihres Glaubens wegen zurückgesetzt und unterdrückt sah. Solch geistiges Elend ging ihm am meisten nahe. Sein liebevolles Herz blutete, wenn er Menschen ihres Glaubens wegen leiden sah. In solchen Fällen half er, wo und wie er nur konnte. Was da oft das Zusammenwirken vieler opferwilliger Herzen nicht vermocht hat, hat er allein mit fürstlicher Freigebigkeit vollbracht. Dann war jcin edles Beispiel Rath und Ansporn für Viele. Wo immer darum sich eine Katastrophe für unsere armen Glaubensgenossen vorbereitete oder einstellte, blickte man vertrauend wie zu einer milden Vorsehung zu ihm empor Tausende von Menschen, welche durch grausame Verfolgung aus ihrer Heimath vertrieben worden waren, fanden in ihm den rettenden Engel, der ihnen die Bedingungen zum Weiterleben bot. Seine diesbezüglichen Hilfeleistungen erstreckten sich über fast alle Theile der Erde. Ueberall kann man Spuren seines segensvollen Wirkens sehen. Bekannt sind, neben vielen anderen, seine Colonisationsgründungen in Argentinien, seine Schulen in Galizien, seine Hilfeleistungen zur Alliance Jsraelite Universelle. Mit ungeheuren Mitteln, mit einer persönlichen Hingabe und Aufopferungsfähigkeit ohne Gleichen, hat er diese Gründungen geschaffen, unterhalten und geleitet. Sein warmes Herz ward von hoher Intelligenz unterstützt. Keine Enttäuschung, keine schlimme Erfahrung cntmuthigtc ihn in edlem Schaffen — auch schweres Leid nicht. In: Gegentheil! Eigenes Leid erhöhte in ihm das Gefhül für di Leiden anderer. Und unsagbar schweres Weh war auch über ihn gekommen Ein hoffnungsvoller Sohn — ein zärtlich geliebtes einziges Kind — war ihm in der Blüthe der Jahre entrissen worden. Solch' schwere Prüfung, solch' entsetzlichen Jammer trug er in Demuth und frommer Ergebung. Was andere zu schmerzhafter Thatenlosigkeit nicderbeugt. darin sah er einen Ansporn zu größerem Wohlthun, zu erweiterter Wirksamkeit. — Ihr könnt Euch denken, liebe Kinder, welchen Eindruck der Tod eines solchen Mannes überall erwecken mußte. Alles war besorgt und betrübt. Das gesammte Judenthum, die ganze Culturmenschheit legte Trauer an. Ueberall erhob sich schmerzliche Trauerklage Jeder betrachtete seinen Heimgang als einen ihn selbst betroffenen Verlust. Man befürchtete, daß die fruchtbringenden Folgen seines gottgesegneten Daseins mit diesem selbst verschwinden könnten. Und siehe da! In die gramgebeugten Seelen drang tröstend und beruhigend das alte Wort der Hoffnung: „Haltet zurück Eure Stimme vom Weinen und die Atigen von Thränen; denn Lohn folgt frommer That und Hoffnung bleibt für die Zukunft." Jerem. 31, 16, 17. Im Frühlinge war er gestorben Die Thränen, die um ihn sielen, hatten sich mit dem Thau des Himmels vermischt, um die Blumen zu beleben und zu erfrischen, die seine Hand so zahlreich gepflanzt hatte. Voll edler Entschlossenheit nahm die hochsinnige Frau, welche die Freundin, Gefährtin und Trösterin seines Lebens gewesen ist, die der todten Hand ihres Gatten entsunkene Fahne edlen Menschenthnms auf, und seitdem ist sie unermüdlich thätig in Schaffung unb Förderung von Werken der Liebe und des Wohlthuns. Durch ihr Wirken, das alle in Erstaunen setzt, ist das Geheimnis; seiner unerschöpflichen erfolgreichen Thätigkeit enthüllt. Dieses lag wohl in seinem gu en Herzen, seinem crbarmungSvollen Gemüthe; sicher aber auch nicht zum kleinsten Theil in der Ermunterung und thätigen Mitwirkung der Gefährtin, die sein zartes Empfinden theilte, seine edlen Grundsätze stärkte und festigte. Wir begreifen jetzt auch, wie ihn der Besitz dieser Frau über manch andere herbe Verluste zu trösten vermocht hatte. Ihr Wirken sichert ihm erst recht die Krone der Unsterblichkeit, die er sich errungen. Die Ehrenkränze mit welchen Liebe, Freundschaft, Dankbarkeit und Verehrung sein? letzte Ruhestätte geschmückt haben, sind sicher schon gefallen; der Ehrenkranz aber, den ihm diese unvergleichliche Gattin aus den Blüthen ihrer Tugenden gewunden, ist unverwelklich und ewig, wie es der Geist der Menschenliebe ist, dem er entstammt, lieber entfliehende Geschlechter, über versinkende Zeitalter bleibt sein Andenken fortbestehen. Noch in den spätesten Zeiten wird der Name des Baron Moritz v. Hirsch als Mahnung zur Uebung von Liebe und Gerechtigkeit erscheinen und für die höchsten Ideen edlen Menschthums begeistern. Glücklich, wer so gelebt! Ehre und Segen seinem Andenken! Amen " Osthofen b. Worms, 18. Mai. Unter Berufung auf § 11 des Preßgesetzes erhalten wir die folgende Zuschrift, welche wir, obschon dieselbe vieles in dem erwähnten Berichte Enthaltene nnwider sprachen läßt, und Anderes nur bestätigt, dennoch hier zum Abdruck bringen wollen: „Wir würden es unter unserer Würde halten, den Artikel „Osthofen bei Worms, 6. Mai" in der zweiten Beilage zu Nr. 38 dieses Blattes zu erwidern, wäre es nicht unsere Pflicht, keine irrigen Meinungen über die hier herrschenden Verhältnisse aufkommen zu lasten. Der Artikelschreiber schildert die hiesigen religiösen Zustände in einer Weise, die „himmelschreiend" ist. Er fühlt sich berufen, seine warnende Stimme in einer Zeitung, die über die ganze Erde verbreitet, als abschreckendes Beispiel zum Nutzen und Frommen aller Juden ertönen zu lassen, ohne es mit der Wahrheit genau zu nehmen. Was ist die Ursache? Zur Verherrlichung der Centenarfeier wurde ein Harmonium in der hiesigen Synagoge aufgestellt, auf welchem auch am Pesachfeste einige Gesänge des Synagogenchors und eine deutsche Hymne begleitet

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