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Der Israelit · 1897-05-20 · Heft 40 (20.5.1897) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 40 (20.5.1897)
Date
1897-05-20
Page
– (sequence 18)
Language
German
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■' :^r J - f■?. g*j 3 «■ 748 Geschlchtk der Iildeu non Man»» uuü Von S. Rothschild — Worms. Es ist das überaus große Verdienst des Baseler Professors, Dr. Heinrich Boos, daß er das hiesige städtische Archiv, welches lange Jahre sehr im Argen gelegen, auf Veranlaffung des Freiherrn v. Hehl zu Hernsheim in vortrefflicher Weise geordnet hat. Nachdem die Ordnung des Archivs im Wesentlichen 1883 vollendet war, bearbeitete Professor Boos die Wormser Geschichtsquellen in drei Bänden. Sein neuestes Werk, das vor Kurzem erschienen ist, trägt den Titel: „Geschichte der rheinischen Städtekultur von den Anfängen bis zur Gegenwart mit besonderer Berücksichtigung von Worms." Freiherr v. Heyl hat das großartig ausgestattete Werk in einer beschränkten Anzahl von Exemplaren drucken lassen. Es ist selbstverständlich, daß ein Verfasser, welcher die Geschichte von ehemals hervorragenden Städten wissenschaftlich zu behandeln hat, nicht gleichgiltig an den alten Dokumenten der jüdischen Gemeinden Vorbeigehen kann. Ebenso selbstverständlich ist es, daß er hierbei sein Hauptaugenmerk den jüdischen Gemeinden von Worms und Speyer zuwendet. Dies hat der geniale Professor in so gründlicher und objectiver Weise gethan, daß es sicher für viele Ihrer Leser von Interesse sein dürfte, Näheres darüber zu erfahren. Nachdem B. das berühmte Privileg Heinrich des IV. (1056—1106) für Worms bespricht, sagt er: „Höchst bedeutsam ist es, daß als Nutznießer der Zollfreiheit die Juden in erster Linie von den übrigen Einwohnern von Worms genannt werden." (duäaei et coeteri Vuormatienses). Nicht ohne Grund. Denn die Juden bildeten ein wichtiges, ja unentbehrliches Element der damaligen städtischen Bevölkerung. Sie vor Allen waren Kaufleute und werden als solche ebenfalls in dem Privileg Kaiser Ottos des I. für Magdeburg vom 9. Juli 965 den christlichen Kaufleuten vorangestellt. Im zehnten Jahrhundert galten Jude und Kaufmann als synonyme Begriffe." Nachdem Boos über das Verhältniß des jüdischen und christlichen Kaufmanns, über die sociale und geschäftliche Stellung der Juden spricht, fährt er, wie folgt, fort: „In den rheinischen Städten finden wir die Juden schon sehr früh. Bereits für das Jahr 321 ist die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Köln bezeugt. Im Anfang des 11. Jahrhunderts besuchten die Juden von Mainz und Worms die Kölner Messe. Der christlichen Sage nach sollten Juden schon vor der Geburt des Stifters der christlichen Religion in Worms gewohnt und ihre Glaubensgenossen in Jerusalem von der Kreuzigung, von der sie glaubten, daß sie durch Juden stattfand, abgemahnt haben. Darum das Sprüchwort: „Wormser Juden, fromme Juden." Einzelnen Inschriften auf dem jüdischen Friedhofe vor dem St. Andreasthor in Worms wird ein hohes Alter zugeschrieben. Wie dem auch sei, jedenfalls beweist die im romanischen Styl monumental erbaute Synagoge, daß in Worms eine große Judengemeinde bestanden hat. Laut einer hebräischen Inschrift wurde dieSynagoge oder die Judenschule 1060 vollendet; unkundlich wird sie erst 1290 erwähnt, auch stammt der jetzige Bau erst aus dem 13. Jahrhundert, der Frauenbau, der 1349 verbrannt sein soll, erst aus der gothischen Bauperiode, und die Raschikapelle ist noch späteren Datums. Wie es im Mittelalter allgemein üblich war, wohnten die Juden in einem Quartier, oder einer Gaffe zusammen, und zwar in Worms in der Pfarr gemeinde St. Paul. Damit der Pfarrer in St. Ruprecht in seinen Einnahmen nicht verkürzt wurde, mußten die Juden wie die Christen die Stolgebühren bezahlen. Schon im Jahre 1080 wird die Porta Judaeorum erwähnt, also darf man das Zusammenwohnen der Juden nicht als eine Folge des Judenmordes des Jahres 1096 ansehen. Wir wissen ja, daß die Friesen, die Wälschen rc. ebenfalls abgesondert in eigenen Quartieren wohnten. Bei den Juden war das Zusammenwohnen durch ihre religiöse Stellung bedingt. Ganz besonders lehrreich ist die Urkunde, welche Bischof Rüdiger 1084 zu Gunsten der Juden ausftellte. Aus früheren Urkunden ist uns bekannt, daß außerhalb der ummauerten Altstadt Speier ein Dorf lag, das zum Gerichtsbezirk der Stadt gehörte. Hier hatten sich, wie zu Straßburg und Köln, Kaufleute, darunter auch Juden, niedergelassen. Der genannte Bischof Rüdiger, der auch den Namen Hugmann führte, erklärte nun, daß er aus diesem Dorfe eine Stadt machen wolle, und daß er die Ehre dieses Ortes tausend mal erhöhe, wenn er in dieser Vorstadt die Juden ansiedle. Damit sie aber nicht durch die Unverschämtheit des Pöbels gestört werden, will er sie mit einer Mauer umgeben! Das Land zu dieser Ansiedlung hat der Bischof theils

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