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Der Israelit · 1897-05-20 · Heft 40 (20.5.1897) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 40 (20.5.1897)
Date
1897-05-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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;-"'ä i * tii. 738 zurückkehrte, fühlte ich mich elender als zuvor. Erst mehrere Tage nach meiner Rückkehr sah ich Nelly wieder. Sie hatte die Mahlzeiten auf ihrem Zimmer eingenommen; ich fragte nicht nach dem Grunde, den mir der Oheim, dessen ängstliches Wesen mir ja genug sagte, ja doch nicht angegeben hätte. Bedurfte ich erst der Bestätigung, daß sie ein Zusammentreffen mit mir vermeiden wollte? Als ich sie endlich sah — durch Zufall begegnete ich ihr im Garten — belehrte mich ein Blick, daß eine Wandlung mit ihr vorgegangen war. Die Blässe ihrer Wangen war einer leichten Röthe gewichen, ihre Augen leuchteten wieder in ihrem früheren Glanze, ihre Gestalt schien gewachsen, kurz ihr ganzes Wesen verrieth, daß sie ihre Seelenruhe wiedergefunden. Auch hatte sie wieder ein freundliches Wort für mich, sie erkundigte sich wieder nach meinem Ergehen, und — schilt mich einen Thoren — meine Hoffnungen begannen sich neu zu beleben .... Dem Traume sollte ein grauses Erwachen folgen. Mehrere Tage später, als ich durch den Corridor schritt, wurde ich plötzlich von Nepomuk, der aus dem Dienste des Onkels entlassen und jetzt Kammerdiener bei dem Grafen Leontjew war, angeredel. „Haben Ew. Gnaden schon den Hochzeitsanzug bestellt?" Ich würdigte den Verhaßten keiner Antwort und wollte weitergehen, aber wie angewurzelt blieb ich stehen, als jener in seiner höhnischen Weise fortfuhr: „Ew. Gnaden sollten auf meinen Rath doch etwas mehr Gewicht legen, denn die Hochzeit meines Herrn mit dem gnädigen Fräulein wird in wenigen Monaten stattfinden Ein Zittern durchlief meine Gestalt, und nur mit dem Aufgebot meiner ganzen Kraft gelang es mir, mich zu beherrschen. Nepomuk maß mich mit schadenfrohen Blicken. „C’est vrai, ma foi!" betheuerte er. Das war mehr als ich zu ertragen vermochte. „Schweig' Erbärmlicher!" donnerte ich ihn an und meiner nicht mächtig, holte ich mit der Hand aus, um ihn zu züchtigen; aber wie gebrochen sank die ausgestreckte Rechte nieder. In dem Rahmen der Thüre erschien die schlanke Gestalt des Grafen Leontjew. Die goldgestickte Generalsuniform und die vielen glitzernden Orden auf seiner Brust hoben noch mehr seine männliche, ritterliche Schönheit: es war eine imposante Erscheinung. Mit selbstbewußtem Lächeln schritt er über die Schwelle des Hauses, und ein prüfender Blick glitt zu Nepomuk herüber, der sich mit kriechender Unterwürfigkeit seinem Gebieter näherte. „Hast Du meinen Auftrag ausgeführt, Nepomuk?" hörte ich den Grafen fragen. „Zu Befehl, Excellenz! Der Herr Commerzienrath erwartet Eure Excellenz in seinem Arbeitscabinet, und das gnädige Fräulein wird sich an bewußter Stelle einfinden." Mir wurde schwindlig vor den Augen, Alles um mich her drehte sich im Kreise, und von rasendem Schmerze gepackt, stürzte ich hinaus in den Park — nur fort, gleichviel wohin! Stundenlang rannte ich, wie von Furien gejagt, durch den Garten, bis meine Füße den Dienst versagten und ich mich in einer abgelegenen Allee auf einer Bank niederließ. Wie lange ich in dumpfem, drüben Hinbrüten dagesessen, weiß ich nicht; ich erwachte erst, als ich in meiner unmittelbaren 'Nähe Stimmen vernahm. Bei dem ersten Tone, der an mein Ohr schlug, erkannte ich Nellv und wollte davonstürmen, aber der Schrecken lähmte meine Glieder, wie angewurzelt blieb ich stehen und lauschte mit athemloser Spannung. (Fortsetzung folgt.) Der -JSraelit" erscheint wöchentlich ivelmal« montags und Donnerstags, jede-mal tu mindestenzwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bet der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halb« jährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Per Pnchhavket verkehrt kvrch « /. -tetvacker, Leipzig, Poßplah 18. — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. «in« atft«f«n»nnt von an di- Redaktion eing-sandten Mannseripten findet nicht fiatt, «an bittet deshalb, fich von allen Einsendungen eine «opie zurUckzubehalten. Inhalt (Hauptblatt). Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Altona. Oesterr-Ungar. Monarchie: Triest. Italien: Rom. Rußland: Wosnessensk. Amerika: New-Aork. Palästina: Tiberias. Beirut. Jaffa. — Vermischtes. — Feuilleton: Getreu bis in den Tod. Von Maurice Macon. (Fortsetz.) Inhalt der ersten Bettage r Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hamburg. Straßburg i. C. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Frankreich: Paris. — Personalien. — Mittheilungen aus den jüdischen Armenvereinen und für dieselben: Fürth. Belletr. Beilage r Baronin Clara von Hirsch. — Zur Geschichte der Juden von Worms und Speyer. Von S. Rothschild—Worms. _ Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wtrth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hier»» Zwei Beilagen

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