Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1897)
- Date
- 1897-05-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Beirut 1× ep/1047833
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786 Städte Phöniciens, Sidon, Berptus ('»^'2 Beirut), Aradus (-nirr) und Biblus ihre eigenen Könige, wie überhaupt damals jede größere Stadt mit ihrer Umgebung ein besonderes Königreich bildeten. Die Israeliten halten daher bei ihrer Ankunft in Palästina stets mit einem Dutzend Königen zugleich zu thun. Die genannten fünf phönicischen Königreiche bildeten jedoch einen Staatenbund, in dem bald Sidon, bald Tyrus den Vorsitz führte u-d zugleich auch im Falle eines Krieges das Bundesheer befehligte. - Jaffa, 10. Jjar. Die fünf Häuser von Rehob „Esra", welche der Verein „Esra" von Berlin vor Rehoboth hat aufführen lassen, sind nebst fünf dazu gehörigen Ställen vollendet und von der Kommission für gut befunden worden. Die Häuser, von denen jedes 15X12 m gebaut ist, haben zwei große Zimmer, und bekommen noch einen Anbau für eine Küche. In jedem Falle ist es auch erfreulich, daß die Kosten geringer sind, als man beim Voranschlag dachte. Nunmehr wird die Kommission daran gehen, fünf Familien von den Arbeitern auszuwählen, denen diese Häuser überwiesen werden. Schon in kürzester Frist wird man die Häuser ihrer Bestimmung übergeben können. Vermischtes. Mährisch jüdischer LarrdeSmafsafond Die diesjährige Generalversammlung, die von 17 Delegierten der mährischen Gemeinden besucht war, fand unter dem Vorsitze des Obmannes, Herrenhausmitgliedes Julius Ritter o. Gomperz, statt. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete der Rechenschaftsbericht des Curatoriums pro 1896. Derselbe betont die immer größer werdende Schwierigkeit der fruchtbringenden Anlage des Fondsvermögens, wodurch ei> e stetige Verringerung des Fondserträgnisses ein treten müsse, während die Ansprüche der Gemeinden immer höher und dringlicher werden, was dem Curatorium die Erfüllung seiner Aufgabe sehr erschwere. Der gesammte Aufwand des vorigen Jahres per fl. 47.088.52 blieb hinter dem des Jahres 1895 um fl. 1638.51 zurück. An 66 Schul-Subventionen wurden verausgabt fl. 13.860, an 47 Gemeinde-Unterstützungen fl. 12.750, an Personal-Unterstützungen fl. 10.005, für Bildungs¬ und Humanitäts-Anstalten ft. 4040. Dem zu Ehren des Allerh. Regierungs-Jubiläums zu gründenden Pensionsfonde für Cuttus - Funktionäre wurden als erste Zuwendung die 3prozentrgen Abzüge von den Subventionen der Gemeinden per fl. 801.90 zugeführt. Nachdem mehrere Delegierte ihre Wünsche und Anregungen bezüglich der Verwaltung vorgebracht, wird der Bericht einstimmig genehmigt und beschlossen, den Schluß-Saldo per fl. 3950.50 auf das Jahr 1897 vorzutragen. Der Nevisionsbericht wird gleichfalls einhellig zur Kenntniß genommen und dem Euratorium die Entlastung ertheilt. Der Voranschlag für das Jahr 1897 beziffert die Einnahmen mit fl. 49.544, die Ausgaben mit fl. 49.09120. Derselbe wird in den einzelnen Posten, wie in den Gesammtsummen einstimmig genehmigt. Unter der Post: „Bilduns¬ und Humanitäts-Anstalten" wird über Ansuchen der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien beschlossen, die im vorigen Jahre auf fl. 500 herabgesetzte jährliche Subvention dieser Anstalt wieder auf fl. 1000 zu erhöhen, ebenso die des israelitischen Blinden-Jnstituts in Wien von fl. 100 auf fl. 200. Stockholm, 14. Mai. Herr Rabbiner Dr. G. Klein hat, wie der „Israelit" bereits früher berichtete, im Laufe des letzten Winters im Auftrag des Königs von Schweden vor diesem, einem Theile der Hofgesellschaft und den angesehendsten Gelehrten des Landes sechs Vorträge über Judenthum und Christenthum gehalten. Derselbe wurde vom König, der mit großem Verständniß und starker Bewegung die Reden anhörte, am Schluß der Vorlesungen durch das Geschenk seines Porträts mit eigenhändiger Widmung und einer goldenen Medaille „in oui memoriam“ geehrt. Jetzt sind ihm auf Antrag der philosophischen mit Unterstützung der theologischen Facultät der Universität Upsala, wo Dr. Klein seit einem Decennium als Dozent lehrt, Ehren, Titel und Würden eines Professors ertheilt worden. Feuilleton. Getreu bis in den Tod. M) Von Maurice Ma?ou Noch einmal schlug die Sterbende die halbgebrochenen Augen auf, und ein dankbarer Blick traf mich; dann legte sich ein mildes, friedliches Lächeln um die blassen Lippen, noch ein tiefer Alhemzug: sie hatte ausgelitten. . . . Mit einem wilden, leidenschaftlichen Schluchzen stürzte sich Nelly über die herabhängende Hand der Entseelten und bedeckte sie mit heißen, glühenden Küssen. „Todt! Todt!" rief sie mit wildem Aufschrei, der mir noch jetzt in den Ohren gellt, „Todt! Und gestorben mit einer Anklage gegen mich! . . . Nein, Mutter, Du darfst nicht sterben! . . Habe Erbarmen mit Deinem verzweifelnden Kinde. Ach, öffne nur einmal noch Dein Auge, Mutter, und sage mir, daß Du mir verziehen! . . . Mutter, ich kann nicht leben unter der fürchterlichen Qual . . . daß Du so von mir gegangen ... Hu! Wie ist Deine Hand so kalt, so eisig kalt! . . . Mutter! . . . Hörst Du Dein Kind nicht?! Ich will mit Dir sterben! Was ist mir ein Leben voll solcher Qual!" So raste das unglückliche Mädchen in allen Tonarten der Verzweiflung. Sie rauste ihr Haar, das in wirren Strähnen um ihre Schläfen hing und starrte mit stierem, glanzlosen Blick auf die Todte. Der Qnket saß wie gebrochen und geistesabwesend aus einem Sessel neden dem Todtenbette und stöhnte laut. Ich aber stand noch immer wie zum Steinbild erstarrt auf dem nämlichen Platze. Meine Augen waren thränenleer und brannten in zündender, quälender Lohe in ihren Höhlen. Dumpfe Verzweiflung lastete auf meinem Hirn, so daß ich keines Gedankens fähig war. Und doch begriff ich in jener fürchterlichen Stunde noch nicht die ganze Größe meines Unglücks! Wohl erfüllte mich der klaffende Abgrund, der sich damals vor mir aufthat, mit schauderndem Entsetzen, nicht aber mit jener herzzerwühlenden Oual, welche das Bewußtsein unseres Unglücks eingiebt.