Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1897)
- Date
- 1897-05-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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735 di Cave dieselbe Klage. Da es sich hier um eine Frage handelt, die alle jüdischen Gemeinoen des Königreiches interessirt, so ist man mit Recht auf den Ausgang dieses Prozesses gespannt. Rußland. ÄVosnessensk, Gouv. Chersson. (Judenhetze.) Am 15. April fand, wie den „Pet. Wed." aus Nikolajew berichtet wird, im Dorfe Kantakusowo eine schreckliche Juoenhetze statt, bei der fast der ganze Flecken von der in Wuth gerochenen Volksmenge zerstört wurde.*) Das Dorf Kantakusowo ist in der Nähe der Stadt Wosnessensk belegen und sind daher sämmtliche jüdischen Einwohner dieser Stadt von panischem Schrecken ergriffen. In Kantakusowo wurden sammliche jüdische Handlungen demolrrt und die Maaren auf die Straßen geworfen, von denen ein Theil von dem rasenden Haufen gestohlen wurde. Inmitten der allgemeinen Verwüstung blieb die Synagoge wie durch ein Wunder unversehrt und wurde von Niemandem berührt. Elnnso blieb der örtliche Rabbiner unbehelligt. Die Mahnungen des orthodoxen Geistlichen, welcher von der Zerstörung abrieth nnd die Bauern bewegen wollte, auseinanderzugehen, blieben nicht nur unbeachtet, sondern der Geistliche wurde von den Excedenten thätlich mißhandelt. 31 in c r i f a. New-Aork. Der verstorbene Herr Simon Goldenberg, von No. 29 West 7-2., Str., hat etwa 300,000 Doll, hinterlassen und in seinem Testament folgende Wohlthätigkeits-Anftalten mit Legaten bedacht. Es gehen 5<>0O Doll, an die Trustees des Tempel Beth El, je 3000 D. an das Taubstummen- Jnftitnt, Mount Sinai Hospital, Jüdische Waisenhaus, Montefiore Home und Jüdische Altenheim; je 5000 D. an die United Hebrew Charities und Hebrew Technical Institut; je loGO D. an das Deutsche Hospital, die Hebrew Sheltering Guardian Society, Gesellschaft für Ethische Kultur, Gerry-Gesellschaft und die Society for the Jmprovcd Condition of the Poor und 5000 D. an den Bürgermeister von Kestrich, Hessen Darmstadt, zu Gunsten der dortigen Synagoge und protestantischen Kirche, sowie weitere 1000 D. an dieselbe Adresse zu Zweck der Instandhaltung der Gräber der Ellern des Erblassers. Die Legate werden beim Tode der Wittwe fällig, welche bis dahin den Nießbrauch des Gesammtvermögens behält. Der Rest des Nachlasses soll später von sieben Trustees zur Begründung einer neuen oder zur Stärkung einer älteren nicht konfessionellen Wohlthätigkeits-Anftalt verwendet werden. Türkei. (B.) Konstemtinopel, 24. Avril. Trotz oer groben Kriegssorgen, die auf unserem erlauchten Herr- *) Vergleiche Artikel Mainz. Red. scher dem Sultan Abdul Hamid m» jetzt lasten, hat derselbe doch nicht vergeffen, zwei Tage vor dem Peßachfeste unserem Chacham Baschi Moses Levy 30,000 Piaster zu übersenden, damit man dafür für die Armen Mazzos, Fleisch und Wein ankaufe. Palästina. ($ 10. Jjar. Unter hiesiger Bevölkerung gibt es nur ca. 500 Muhamedaner und 200 Christen, die der griechisch-unirten Kirche angehören, während der Rest aus etwa 4500 Juden bestehen dürfte. Dagegen gibt es im Orte bisher kein jüdisches Krankenhaus, obwohl es für die arme Bevölkerung ein dringendes und unabweisliches Bedürfniß ist. Wohl aber haben wir hier ein griechischrussisches Hospiz und eine protestantisch-schottische Mission, die in einem prachtvollen Hause unentgeltlich ein Krankenhaus unterhält mit 20, im Bedürfnißfalle sogar mit 85 Betten. Jedoch muß jeder der Kranken die Predigt mit anhören, und wird, so er sich weigert, im Bette dazu hinuntergetragen. Jetzt wird nun auf Kosten der Frau Rosalie Poti ak off, der Gemahlin des Wirklichen StaatSrathS Poliakoff, ein kleines Krankenhaus eröffnet, das normal zehn Betten haben soll, jedoch bis zu 15 erweitert werden kann. Das Haus allein kostete 8000 Franks, während der Umbau noch 5500 Fr. erfordert. Im Verlauf eines Monats wird der Hausbau vollendet sein. Herr und Frau Poliakoff geben noch außerdem 15 Belten nebst Wäsche für die Kranken, sowie sämmtliche Möbel und für einige Hundert Mark nöthige chirurgische Instrumente. Ein aschkenasischer Meschulach, der jetzt mit seinem Bruder als Meschulach für den Jerusalemer Waad-Kol-Hakolelino in Amerika reist, schickte ferner 1200 Franks, die er für das jüdische Hospital in Tiberias gesammelt hatte. — (S.) Beirut, 6. Mai. In dem südlich von hier am Meeresgeftade liegenden Fischeroörfchen Saida (dem biblischen Sidon) wurde vor Kurzem ein unterirdisches Gewölbe blosgelegt, in dem mehrere kunstgearbeitete Sarkophage stehen. Die Außenseiten dieser Steinsärge sind mit verschiedenen Figuren en relief und auch mit Inschriften bedeckt, die phönicischen Ursprunges sein sollen. Da sich in Saida selbstverständlich kein Kenner des Phönicifchen vorfindet und da ohnedies alle auf türkischem Boden gefundenen Alterthümer an das kaiserliche Museum in Konstantinopel abgeliefert werden müssen, so hat der General-Gouverneur hier eine Commission nach Saida beordert, damit sie diese Särge genau untersuchen soll. Man glaubt nun, man habe es hier mit der Gruft der sidonifchen Könige zu thun, die noch vor Zerstörung des ersten Tempels geherrscht haben. So wie Tyrus (ist) hatten damals auch die anderen