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Der Israelit · 1897-05-20 · Heft 40 (20.5.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 40 (20.5.1897)
Date
1897-05-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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783 Gouverneur entsandte Kosakenabtheilung kam auch hier zu spät: das Zerstörungswerk war vollendet, die Beute in Sicherheit gebracht. Aehnliche, weniger ernste Vorkommnisse haben sich, wie gesagt, in anderen Orten zugetragen. Dieselben offenbaren mit erschreckender Klarheit die schweren Gefahren, welche seit den Greuelscenen von Spola unsere südrussischen Glaubensgenoffen, zumal die auf dem flachen Lande, bedrohen; die Bestie hat Blut geleckt und ist so schnell nicht zu bändigen. Wie z. Zt. mitgetheilt wurde, hat unmittelbar nach den Excessen in Spola der General-Gouverneur von Kiew die angesehensten dortigen Glaubensgenoffen zu sich entbieten lassen, um dieselben zu versichern, daß jene Exceffe den Behörden selbst völlig überraschend gekommen seien und daß jeder Wiederholung mit nachdrücklichster Entschiedenheit vorgebeugt werden würde. Sind die erforderlichen Maßnahmen wirklich ergriffen worden, so haben sich dieselben, wie die trotzdem erfolgten Ausschreitungen offenbaren, als wirkungslos erwiesen, und kein Wunder, daß sich unserer Glaubensgenossen in den bedrohten Strichen eine tiefgehende Beunruhigung bemächtigt hat. Vestigia terrent! Noch leben die Schreckensjahre 1881/2 und 1892/3 in trauriger Erinnerung, und in das Gedenken jener grausigen Geschehnisse mischt sich die bange Sorge, daß dieselben genau so mit zunächst vereinzelten Ausbrüchen lokaler Verfolgungswuth und in genau denselben Gouvernements ihren Anfang nahmen. Mit den Geängstigten vereinigt sich die gesammte Judenheil in dem heißen Flehen, daß das Gefürchtete, die Erneuerung des unermeßlichen Jammers abgewehrt werden möge; aber darum vermindert sich nicht die ernste Pflicht, die erschreckenden Erfahrungen der Vergangenheit zu beherzigen, damit das Hereinbrechen der in bedrohliche Nähe gerückten Kalamität uns nicht wiederum unvorbereitet trifft. Allenthalben regt sich die Bruderliebe in edlem Wetteifer, das harte Loos der Opfer der Verfolgungen in Spola zu lindern. Die Bejammernswerthen haben Unglücksgefährtengefunden, die nicht minderdringend schleuniger, ausgiebiger Hilfe bedürfen. Kann es eine ernstere Mahnung geben, um alle diejenigen, die dem Rettungswerke bisher ihre Mitwirkung versagt haben, zu gabenfreudiger Mildthätigkeit anzuspornen, um vor Allem die Hilfsaction, welche bisher auf einen relativ engen Kreis beschränkt blieb, auf breitere Basis zu stellen und dadurch gesteigerteren Anforderungen gewachsen zu machen? Man vergegenwärtige sich immer wieder, daß es gilt, einer — wir übertreiben nicht — geradezu fürchterlichen Gefahr vorzubeugen, der Gefahr, daß die Obdach-, Brod- und Erwerblosen sich in ihrer Verzweiflung zur Auswanderung entschließen könnten, was, „von den namhaften materiellen Opfern abgesehen, an sich eine ernste Gefahr wäre, ^aber ^deshalb geradezu eine Katastrophe herbeiführen müßte, weil dadurch die Zehntausende von Familien im Ansiedelungsrayon, welche, aus dem Inneren Rußlands dahin verwiesen, nur des äußeren Anstoßes, der Möglichkeit harren, um auszuwandern, verleitet werden könnten, dem Beispiele jener Flüchtlinge zu folgen". Ist dies der Fall (und wie jeder Kenner der Verhältnisse beipflichten muß, wird es mit elementarer Nothwendigkeit der Fall sein), dann ergießt sich, ganz wie 1881,2 und 1892/3, unaufhaltsam eine Auswandererfluth über die Grenzen, der gegenüber auch die leistungsfreudigfte Opferwilligkeit machtlos ist, und der um so nachdrücklicher vorgebeugt werden muß, weil ja leider kein Fleckchen Erde zu erspähen ist auf dem die Unglücklichen ein Heim finden könnten. Dieser Gefahr, welche nur die Kurzsichtigkeit, die die Erfahrungen der früheren Maffen-Auswanderungen vergessen hat, wird unterschätzen können, gilt es entgegenzuarbeiten; heute ist das mit relativ geringen Mitteln möglich, während ihre optimistische Mißachtung mit ebensovielen Millionen, wie gegenwärtig Tausenden nicht wett zu machen sein wird. Aber abgesehen von diesen Erwägungen für die Zukunft, so ernst sie auch sind, fordert der unermeßliche Jammer der traurigen Gegenwart schnelle, reichliche Hilfe, und es darf um so zuversichtlicher gehofft werden, daß der bewährte Opfersinn unserer gesammten Glaubensgemeinschaft nicht versagen wird, da derselbe bereits in weiten Kreisen so hilfseifrig sich bethätigt. E. R. Berlin, 16. Mai. Die heutige Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde wurde mit der Annahme der Schenkung Ihrer Majestät der Kaiserin im Betrage von 10,000 M. für das Hospital eröffnet. Für die zweite Religionsschule der Gemeinde hat deren Director Dr. Apolant einen Bericht abgefaßt, welcher facsimilirt den einzelnen Mitgliedern der Versammlung zugehen soll. Dem Religionsverein Westen wird eine Subvention von 4000 M. ertheilt, die Petition des Religionsvereins Oranienburger Vorstadt geht an die Subventionscommission zurück, die Satzungen für das Erziehungs- und Waisenhaus in Pankow werden einer gemischten Commission überwiesen, deßgleichen die Satzungen der Commission für Friedhofsangelegenheiten. Für die Pflasterung auf dem Friedhofe in Weißensee werden 11,350 M. bewilligt, die Einrichtungskosten für das Hospital werden unter der Bedingung genehmigt, daß sie aus dem vorhandenen Fonds zu entnehmen seien, für den Neubau des Curhospitals in Kolberg wird die Summe von 2000 M. ausgeworfen, für Reparaturkosten an den Gemeindegrundstücken die Summe von 23,880 M. Bei diesem Punkte beantragt Herr Professor Baginsky die Einsetzung einer Commission, die sich mit den baulichen Verhältnissen det

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