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Der Israelit · 1897-05-20 · Heft 40 (20.5.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 40 (20.5.1897)
Date
1897-05-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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732 Lehrhaus Rabbi Eliesers kam, küßte er den Stein, auf dem der Freund zu sitzen und zu lehren pflegte, und sprach: Dieser Stein gleicht dem Berge Sinai, von dem aus unserem Volke die Thora verkündet wurde. Und so suchte er nun den leidenden Freund zu trösten, indem er ihn der Sonne verglich, die da Licht und Wärme spendet. — Noch höher feiert Rabbi Elasar ben Asarjah, der Fürst Israels, die Verdienste des kranken Lehrers. Du bist, spricht er, gleichsam Vater und Mutter unserem Volke, ja Du bist uns mehr als sie, da Du uns hilfst, die ewige Seligkeit zu erringen. — All dies große Lob läßt den Kranken kalt; es tröstet ihn nicht in seinen Leiden. Erft, da Rabbi Akiba diese Leiden selbst als werthvoll bezeichnet, läßt er sich im Bette aufrichten, um den Worten seines ehemaligen Schülers zu lauschen. — Weißt Du, fragte er ihn, daß ich irgend wie gefehlt habe, um der Besserung und Sühne durch Leiden zu bedürfen? — Haben wir nicht, entgegnete Rabbi Akiba, von Dir, unser Lehrer, gelernt, daß selbst der frömmste Mensch auf Erden, der stets sich bemüht, das Gute zu thun, manchmal fehlt? Wenn Rabbi Akiba seinem großen Lehrer empfiehlt, sich der Leiden zu erfreuen und sie als Mittel zur Sühne und zur Besserung zu betrachten, wie viel mehr müssen wir gewöhnliche Menschen fürchten und sorgen ob so vieler Dinge, die wir gethan, und anderer, die wir unterlassen haben! Es ist nicht Zufall, daß bei den Bedingungen für die Erreichung des Hochziels der Thora-Kenntniß das freudige Hinnehmen der göttlichen Züchtigung, körperlicher Schmerzen direkt neben vA-n nmt steht, gibt es doch keinen vollkommeneren Beweis, daß ein Mensch sein ganzes Vertrauen auf Gott fetzt, als die Geduld und Ergebung, mit welchen er die göttlichen Schickungen hinnimmt. Allein es gibt viele Leute, welche die Leidensprüfung glänzend bestehen, die jedoch in den Tagen des Glücks und der Gesundheit Allem und Jedem mit Zweifel und Mißtrauen begegnen. Da gibt es keinen Mann so makellos er auch da stehen möge, so rein und lauter er sich ein langes Leben hindurch bewährt haben mag — eine unverständliche Thal, ein dunkler, räthselhafter Ausspruch desselben genügt, um Mißtrauen in uns wach werden zu lassen. Alles Gute und Schöne, das der bedeutende Mann geleistet hat, es ist unserem Blick entschwunden. Alles Neue, was wir von ihm hören, es trägt nur dazu bei, unseren Verdacht zu erhöhen, v'vrn ’-itbn rpr6 K*vn -pp*?x n rix Wie wir Gott ehrfürchten, so sollen wir auch Ehrfurcht zeigen vor den Gesetzesgelehrten, wo Ehrfurcht herrscht, da herrscht auch Vertrauen. In diesem Gebote liegt zugleich die ernste Mahnung den Gesetzeslehrern mit offenem Blick, mit vollem Vertrauen entgegenzukommen. Rabbon Gamliel wollte die Schüler vom Hörsaal entfernt halten, deren Aeußeres nicht mit deren Innerem übereinstimmte; dringender noch möchten wir den Schüler ermahnen, sich keinen Lehrmeister auszusuchen, dessen Worte mit seinen Thaten nicht übereinstimmen, dessen Lebenswandel so beschaffen ist, daß der Schüler Argwohn gegen den zeigen muß, der ihm die ewigen Wahrheiten übermitteln soll. Hast Du aber einen bewährten Meister, den alle Welt als treu und fest kennt, so laß Dir Dein Vertrauen nicht durch kleinliche, nichtige Dinge rauben n “jx!?o '2 irvßö 1tmini mn fns Tics? >2 .xn mxsx „Denn die Lippen des Priesters bewahren die Erkenntniß und Lehre verlangt man von seinem Munde, denn ein Engel des Ewigen Zebaoth ist er." Hierzu bemerken unsere Weisen: Wenn der Lehrer einem Engel des Ewigen Zebaoth gleicht, dann möge man Thora von feinem Munde suchen, wenn aber nicht, so möge man es unterlassen Thora bei ihm zu suchen. Ja derjenige, der uns das Gotteswort überbringen soll, in ihm müssen wir den Gottesboten sehen. Kein Zweifel darf in uns wach werden an der Wahrheit seiner Worte. Nur dann werden wir uns ungestört mit sicherem Erfolge dem Studium der Lehre hingeben können, wenn kein Zweifel an der Wahrheit seiner Worte, in die Lauterkeit seines Wollens unseren Geist gefangen nimmt und unsere Aufmerksamkeit schwächt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. Mainz, 18. Mai. Das bang Befürchtete droht Wahrheit zu werden: das Beispiel von Spola hat blutige Nachahmung gefunden. Aus mehreren Orten des südlichen Rußlands werden Ausschreitungen gegen unsere Glaubensgenossen gemeldet, welche in dem Flecken Kantasukow (Kreis Wosnoffensk, Gouvern. Chersson) die gefährlichsten Formen angenommen zu haben scheinen. Wie die russischen Blätter berichten, überfielen fanatisirte Bauernhorden das jüdische Viertel, plünderten und zerstörten die Geschäftsläden und machten sämmtliche Häuser dem Erdboden gleich. Nur die Synagoge blieb verschont. Drei Juden wurden erschlagen, zahlreiche Andere schwer verwundet. Einzig und allein diejenigen blieben unversehrt, die in eiliger Flucht sich in die Synagoge gerettet halten. Der Ortsgeistliche, welcher mit erhobenem Kreuz den Raubbanden sich entgegenstellte und ihrem Wüthcn Einhalt zu thun versuchte, mußte flüchten, da sein Leben bedroht war. Die von dem

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