Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1897)
- Date
- 1897-05-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 m » n i.'fim w' j'-'j XXXTIII. Jahrgang. ^40. Der Israelit. Ein Aentrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLhum. Begründet von Dr fe^mantt in Utainf. Donnerstag, de« 20 Mai 5657 (1897). Kür Eine ffltavH abonnirl man bei allen Postanstalten für den Monat Juni auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter deS Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landdriefträger aufgegeben werden. Air Grpedition des „Israelil". Sprüche der Hüter. Sechstes Buch. XVI. Mainz, 14. Mai. v'-vv^n rib2^2i 2'22N 772X2. D u r ch Vertrauen zu den Weisen und durch Hinnahme von Leiden. Rabbi Elieser, dem unsere Weisen den Beinamen des Großen verliehen haben, war krank und ruhete auf seinem Schmerzenslager.*) Da kamen die größten Männer seiner Zeit, ihn zu besuchen. Rabbi Tarphon ergriff zuerst das Wort und sprach: Wohltätiger bist Du für Israel als der befruchtende Regen, denn dieser nützt nur für diese Welt, Dein Wirken aber ist wohlthätig für diese wie für die künftige Welt. — Rabbi Josua sprach: Schätzbarer bist Du für Israel als der Sonnenball, denn die Sonne leuchtet und erwärmt nur in dieser Welt, Du aber leuchtest und erwärmst für diese und die zukünftige Welt. — Und Rabbi Elasar ben Asarjah sagte: Mehr bist Du für Israel als Vater und Mutter; denn den Eltern verdankt der Mensch das *) Sanhedrin, f. 101 a. irdische Leben: Du aber führst Dein Volk in dieser Welt zur Erlangung der ewigen Seligkeit. — Darauf ergriff Rabbi Akiba das Wort und sprach: Chawiwin jiffurin, werthvoll, schätzenswerth sind die Leiden. — Rabbi Elieser, der bisher den Worten seiner Besucher wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte, sprach nunmehr zu seiner Umgebung: Richtet mich auf, damit ich höre die Worte meines Schülers Akiba, der da gesagt hat: Schätzenswerth sind die Leiden. — Und er fragte: Akiba, woher weißt Du das? — Ich folgere es, antwortete Rabbi Akiba, aus der heiligen Schrift. In ihr wird uns erzählt: Zwölf Jahre war Menascheh alt, als er König wurde und fünfzig Jahre regierte er in Jerusalem, und er that, was böse war in den Augen des Ewigen. Sollte sein Vater, der fromme König Chiskijahu, der Lehrer von ganz Israel, die Erziehung des einzigen Sohnes vernachlässigt haben d Nein, er hatte ihn mit der größten Sorgfalt erzogen; allein, alle seine Mühe war vergebens. Vergebens ermahnten den ausgearteten Jüngling, den auf unheilvollen Wegen wandelnden Mann die Propheten Gottes. Erst die Leiden waren es, die ihn zu Reue, Buße und Besserung führten. Daraus lernen wir, daß schätzbar sind die Leiden. Rabbi Elieser war, wie wir bereits oben bemerkt haben, einer der größten Männer unseres Volkes. Er gehörte zu Denjenigen, die nach der Zerstörung des heiligen Tempels und der Auflösung des jüdischen Staates, am meisten zur Erhaltung der Gotteslehre beigetragen haben. Daher vergleicht ihn Rabbi Tarphon mit dem befruchtenden Regen, ohne den nichts wachsen und gedeihen kann. Roch höher stellt ihn Rabbi Josua. Dieser, der einstige Mitschüler, der treueste Freund, der ständige Genosse und, in Bezug auf die halachische Entscheidung, der größte Gegner Rabbi Eliesers, war von unaussprechlicher Bewunderung für seinen Freund und Gegner erfüllt. Als Rabbi Josua einst nach Lydda in das