Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-05-17 · Heft 39 (17.5.1897) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 39 (17.5.1897)
Date
1897-05-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448742--43899-2492969
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

724 schrift geführt. Außerdem verfügte die Anstalt über ausreichender Wärter- und Hilfspersonal. Die Anstalt wurde immer Mitte Mai geöffnet und Mitte September geschlossen. Die Kurzeit der Pfleglinge betrug in der Regel 4 volle Wochen; bei Mehreren wurde dieselbe bis zu 6 Wochen, bei Einzelnen bis zu 8 Wochen verlängert. Jedem Kinde ist Wohnung, volle Verpflegung, erziehliche Aufsicht, ärztliche Behandlung, Bäder und andere Kurmittel bezw. Arzneien zu Theil geworden. Die Aufnahme der Kinder geschah serienweise. An einem Tage zog der eine Trupp ein und wurde nach Ablauf seiner Kurzeit zur selben Zeit entlasten. Da- Haus und sämmtliche Einrichtung wurde dann in ein bis zwei Ruhetagen von Grund aus gereinigt und in Stand gesetzt, worauf die neue Serie in die gesunden Räume ihren Einzug hielt. Von dem Vertrauen, das dieser so geleiteten Anstalt, die in unablässiger Sorgfalt bemüht, den Begriff einer Heilstätte zu verwirklichen, in weiten Kreisen entgegengebracht wurde, legt besonderder Umstand Zeugniß ab, daß auch in den vergangenen Jahren hervorragende humanitäre Vereinigungen und Schul-Verwaltungen ihre jugendlichen Schützlinge zur Stärkung und Genesung nach derselben entsandten. In der zurückgelegten Saison 1894 hat die Anstalt 74 Kinder, und zwar 35 Knaben und 39 Mädchen, beherbergt, (20 unentgeltlich); 1895 32 Knaben und 44 Mädchen (33 unentgeltlich) und 1896 35 Knaben und 48 Mädchen (33 unentgeltlich). Manches ist geschehen, aber Vieles bleibt zu thun übrig. Um auf der Höhe unserer Aufgabe zu bleiben, müsten wir darauf bedacht sein, ein eigenes Grundstück, ein Haus mit Gartenanlagen, in unseren Besitz zu bringen. Ein solches Gebäude, von Rasenplätzen umgeben, von Bäumen beschattet, von Blumenbeeten umkränzt, nach den zweckmäßigsten Entwürfen für uns bauen zu lasten, dastelbe nach den Einrichtungen und Errungenschaften der modernen Gesundheitslehre zu einem Musterhause emporzuheben und zugleich zu einem trauten, behaglichen Heim für unsere Kinder zu gestalten — ist dar Ziel, das uns jetzt vorschwebt. In diesem Jahre wird die Anstalt am 19. Mai eröffnet. Cassel, 14. Mai. Der langjährige Leiter des hiesigen israelitischen Seminars, Herr Dr. Stein, trat mit dem 1. Avril nach 40jähriger Dienstzeit in den Ruhestand. Aus diesem Anlaß erschienen in seiner Wohnung Hr. Regierungs- und Schulrath Dr. Otto, sowie Vertreter des Vorsteheramtes der Israeliten und des Lehrerkollegiums. Schulralh Dr. Otto sprach dem aus dem Amte Scheidenden in den wärmsten Ausdrücken die Anerkennung der Schulbehörden für seine reichgefegnele Thätigkeit aus und überreichte ihm den vom König verliehenen Rothen Adlerorden IV. Klaffe. Leider ist Herr Dr. Stein bereits seit längerer Zeit schwer erkrankt, so daß die Ordensverleihung an seinem Bette statlsinden mußte. Es ist bis jetzt ein Nachfolger noch nicht ernannt morden, mithin wird ein Interregnum eintreten müsten. Hoffentlich trifft man den richtigen Mann für diesen schwierigen Posten. Ahaus, 12.tzMai. Rach kaum erfolgtem Amtsantritt hat uns Seine Ehrwürden Herr Dr. Lange schon letzten mir mit seinem Besuche beehrt. Von einem Manne, der wie unser Rabbiner in der Blüthe seiner Jahre auf einen solch verantwortungsvollen Posten berufen wird, ist man berechtigt, große Erwartungen zu hegen. Unsere Erwartungen haben uns nicht getäuscht; wir haben sie weit übertroffen gefunden. Sein einnehmendes, herzgewinnendes Wesen, die Bescheidenheit seines Auftretens und die innige Ueberzeugungskraft seiner Rede sicherten ihm sofort die Liebe und Hochachtung der hiesigen Gemeindemitglieder. Anknüpfend an den zur Verlesung gebrachten Wochenabschnitt crtnp zeigte Seine Ehrwürden in der Rede, die er während des Morgengottesdienstes hielt, wie jeder Einzelne zu dem Werke der Hebung und Besserung der religiösen Zustände in unserer Provinz dadurch sein Scherflein beitragen könne, daß er an seiner eigenen Veredlung und Vervollkommnung arbeite. Es waren von Herzen kommende und 511 Herzen gehende Worte, die sich da, wo sie unser Hochziel und die Pläne zur Erreichung desselben berührten, zu tiefer Emphase steigerten. Sie erfüllten einen jeden mit froher Zuversicht und unerschtttterlichenl Vertrauen in die Wirksamkeit dieses Mannes und ließen in manchem den Gedanken aufkommen, daß mit der glücklichen Wahl, die der „Verein zur Wahrung der religiösen Jnteresten des Judenthums in der Provinz Westphalen" getroffen, ein Stück der Aufgabe, die er sich gestellt, glänzend gelöst ist. Ohne auch nur den geringsten Widerspruch fügte inan sich daher willig seinen Anordnungen in Bezug auf nen» und rrpc, und ließ sich auch gerne dazu herbei, an Stelle der verschiedenen Privat-rinplr, die infolge Mangels sachverständiger Aufsicht in Bezug auf meo manches 'zu wünschen übrig lasten, zur Erleichterung der Controlle eine offizielle Anstalt einzurichten. Mit anerkennenwerther Bereitwilligkeit hat sich der verehrte Herr Rabbiner dazu erboten, unbeiMnlage .derselben mit*Rath und That beizustehen. Von hier aus begab sich Seine EhrwürdenAnach 'unseren Nachbargemeinden Stadtlohn und Vreden. Bei seinem Abschiede beseelte uns alle der einmüthige^Wunsch, ihn nach nicht allzuferner Zeit wieder in unserer Stadt begrüßen zu dürfen. E. S.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.