Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 39 (17.5.1897)
- Date
- 1897-05-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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725 Oester r.-U ngar. Monarchie. Prag. (Ehrung.) Die bevorstehende Errichtung einer Lehrkanzel für österreichisches Privatrecht an der Wiener Universität und die dadurch gegebene Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit einer Berufung des Vertreters dieses Faches an der hiesigen deutschen tlniversität, Prof. Krasnopolski, nach Wien veranlaßte das Prosessoren-Collegium der deutschen juristischen Facultät zu dem einhellig gefaßten Beschlüsse, den Prof. Krasnopolski zu ersuchen, im dringenden Interesse der Facultät, der er seit 52 Fahren als Lehrer angehört, eine etwaige Berufung nach Wien abzulehnen und an der Prager Universität zu verbleiben. — Hochgeehrt durch diesen Beschluß, erklärte Prof. Krasnopolski bereitwillig, sein persönliches Interesse hinter das der deutschen Universität und ihrer juristischen Facultät zurücktreten zu lassen und dem an ihn gestellten Ersuchen seiner Collegen dadurch Folge zu geben, daß er an das hohe Ministerium die Bitte richten wolle — was auch inzwischen geschehen -— bei der Besetzung der Wiener Lehrkanzel von seiner Person Umgang zu nehmen und ihn in seiner Stellung an der hiesigen Universität zu belasten. Das Professoren-Collegium nahm diese Erklärung mit dem einhelligen Ausdrucke des Dankes entgegen. Frankreich. Avignon. Nach einer glänzenden Festtagsrede unseres Rabbiners Dr. Bauer wurde hier ein Verein begründet: „Gesellschaft der Juden, mit der Aufgabe die jüdische Religion zu vertreten." Die Gesellschaft theilt sich in drei Zweige, Religion, Mildthätigkeit, Geselligkeit. Alle Mitglieder verpflichten sich Sabbat und alle Festtage zn beobachten. So ist endlich auch in unsere Gemeinde wieder jüdisches Leben gekommen. M a r o c c o. Maroceo. Wiederum bringt der Thelcgraph die Nachricht, daß Hierselbst zwei Juden ermordet wurden und die Thäter spurlos verschwunden seien. Gegenüber den feindseligen Schilderungen, welche europäische Reisende so oft von diesen Unglücklichen entworfen, dürften gerade jetzt die nachfolgenden Mittheilungen des Dr. Herbert Jonsen im „Globus", der „nach eigener Anschauung" berichtet, von besonderem Interesse sein: „Will man über den Charakter der marokkanischen Juden urtheilen, so muß man sehr vorsichtig sein, um nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten. ES ist wahr, manche der dortigen, besonders der ärmeren Juden haben in Bezug auf Wahrheit und Treue dem Europäer gegenüber, sowohl im Allgemeinen als auch im Dienstverhältniß und im Handel, vom Richtigen abweichende Anschauungen: andererseits giebt es aber sehr viele (und dazu gehören unter den angeseheneren Geschäftsleuten fast alle), auf die man sich verlassen kann. Ja, man kann sagen: Die große Mehrzahl der marrokkanischen Juden ist im Handel und Wandel ebenso zuverlässig wie die christlichen Kaufleute bei uns. Und wenn die ärmeren Juden, die aus dem Ghetto stammen, sich Verstöße gegen Wahrheit und Treue erlauben, so sollte man sie deshalb am allerwenigsten schelten, vielmehr an erster Stelle ihre Unterdrücker, die habsüchtigen und lügnerischen Mauren. Seit Jahrhunderten schmachten die meisten Juden in Marokko (ausgenommen sind die unter der Protektion der Konsuln stehende Juden) unter der ungerechten maurischen Regierung; in den Städten müssen sie in einem besonderen Viertel, dem Ghetto, zusammengepfercht wohnen; in den Städten und Dörfern des Inneren ist ihnen die Kleidung vorgeschrieben, die sie außerhalb des Ghetto zu tragen haben (schwarzer Tarbusch - Fäs, statt des rothen der Mauren) damit ihre Feinde und Verächter, die Mauren, sie sofort erkennen und entsprechend behandeln können. Nicht ohne Grund singen die maghibrischen Juden in einem (von Professor Dr. A. Socin und Dr. H. Stumme neu herausgegebenen) arabischen Piüt; „Die Schmach haben wir mit unseren Augen gesehen; die Andersgläubigen verfluchen und schmähen uns, und wenn wir vorübergehen, vergewaltigen sie uns." Was Wunder, wenn unter Jahrhunderte langer Bedrückung der Charakter der Bedrückten entartete? Uebrigens liegt die Nutzanwendung auf Europa nahe genug, denn im Mittelalter, und bis in die neuere Zeit hinein, ging es hier den Juden um kein Haar besser als heute in Marokko. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, muß man gestehen, daß trotz aller dieser Bedrückungen die meisten marokkanischen Juden durchweg ehrenwerthe Menschen sind. Namentlich gilt das für die Wohlhabenderen in den Hafenstädten. Für die Europäer, namentlich für die des Arabischen unkundigen Neulinge im Lande, bilden die Juden das unschätzbare vermittelnde Element den Mauren und Arabern gegenüber. Denn die meisten wohlhabenderen Juden sprechen neben dem Arabischen auch das Spanische und eventuell das Englische; außerdem kommen sie dem Europäer stets mit großer Freundlichkeit entgegen." Vermischtes. Schrimm Bezugnehmend auf die Mittheilung in Nr. :>5 Ihres geschätzten Blattes „Die wissenschaftliche Berechnung von Q’ZDOn HN5» und "irwn "icy" betreffend, theile Ihnen ergebenst mit, daß Herr Lehrer Kuttner in Gostyn, eine solche aus erakt wissenschaftlicher Grundlage bearbeitete Tabelle, welche auch in ritueller Beziehung allen Anforderungen entspricht, in nächster Zeit veröffentlichen wird. Hamburg Der vor längerer Zeit in St. Thomas