Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 39 (17.5.1897)
- Date
- 1897-05-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Tr’v. XXXVIII Jahrgang. SeUage M 39 -es „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correfpon-enzen Deutschland. Hamburg, 14. Mai. (M u s e u m für K:: n st und Gewerbe.) Die im Jahre 1894 begründete Sammlung jüdischer Cultgeräthe hat sich inzwischen langsam, aber stetig vermehrt. Unter dem neuesten Zuwachs verdienen zwei Stücke, die jetzt im Schrank der neuen Erwerbungen ausgestellt sind, besondere Beachtung. Das eine ist eine zinnerne Seder-Schüssel, wie solche an den ersten beiden Abenden des Passahfestes zur Aufnahme von Kuchen, Kräutern u. a. gebraucht werden. Die im Jahre 1776 gefertige Arbeit ist ausgezeichnet durch reiche gravirte Ornamentirung und Borden mit beziehungsvollen hebräischen Inschriften. Von den letzteren besagt die in der Mitte der Schüssel angebrachte Inschrift: Je mehr einer erzählt von dem Auszuge aus Aegypten, desto lobenswerther (ist er). Die Inschrift am Rande bezieht sich auf die Ceremonien am Sederabend; sie lautet in deutscher Uebersetzung: „Einschenken des Bechers, — Händewaschen des Hausherrn, — Genuß der Petersilie, — Zertheilen des mittelsten Kuchens, — Erzählung vom Auszuge aus Äegvpten, — Händewaschen der Teilnehmer, — Absingen des Lobliedes, — Gebet über die ungesäuerten Brote, — Genuß des Meerrettigs, — Zusammenthun von Kuchen und Meerrett ig, — Abendbrot, — Genuß der aufbewahrten Kuchen, — Gebet nach dem Abendbrot, — Schluß." Diese Schüssel ist bereits die zweite ihrer Art in der kleinen Sammlung jüdischer Geräthe; aber sie übertrifft die vorhandene Schüssel bei weitem durch ihre ungewöhnliche Größe, durch die kunstvolle Kalligraphie der Schriftborden und durch die gut vcrtheilten und mit sicherer Hand entworfenen Verzierungen. Während die Ornamentik der kleineren Schüssel sich in der Weise persischer Flächenverzierung bewegt, klingen in der Stilisirung der vegetabilen Motive an der größeren Schüssel noch jene maurischen Elemente durch, die in Südeuropa und auch in Deutschland im 1ö. und 16. Jahrhundert verwendet wurden, die aber hier ohne Zweifel im Hinblick auf den besonderen Zweck des Geräthes wieder ausgenommen sind. Die werthvolle Schüssel ist dem Museum als ein dankenswerthes Geschenk von Herrn Moritz Marburg gestiftet worden. Orientalisirenden Stil verräth auch das zweite Stück, eine aus Silbersiligran gearbeitete „Bessomim-Lade", das ist eine Riechbüchse, die beim Segensspruch am Ausgange des Sabbats gebraucht wurde. In ihren: Aufbau erinnert sie nämlich an die Form eines arabischen Minarets. Auf einem Fuß erhebt sich ein sechseckiger, dreigeschossiger Thurm, der im Innern mit kleinen vergoldeten Glocken und oben mit einem Zwiebeldach versehen ist. Auf einer Ballustrade, die das Untergeschoß umgiebt, stehen kleine vergoldete Musikantenfiguren, am zweiten Geschoß sind vergoldete Fähnchen angebracht. Die Bekrönung besteht aus einer Filigrankugel, die eine vergoldete Wetterfahne im Form eines Hirsches trägt und auf deren obersten: Knopf eine kleine wappenhaltende Figur steht. Eine hebräische Inschrift auf dem Wappenschild bedeutet: „Und es soll in diesem Hause gehört werden die Stimme der Freude und der Wonne." An der Wetterfahne bemerkt man den österreichischen Freiftempel vom Jahre 1809, woraus sich ergiebt, daß dies Werkstück zu jener Zeit von der Einlieferung an den Fiskus und der damit verbundenen Einschmelzung durch Leistung der gesetzlichen Abgabe befreit nwrden ist. Herr Gustav Plaut hier, ist der freundliche Geber dieses zierlichen und werthvollen Geräths. Gleiwitz. Dem fünften, sechsten und siebenten Jahresbericht über die Israelitische Kinderheilstätte in: Soolbad Königsdorff-Jastrzemb, Verwaltung zu Gleiwitz, für die Jahre 1894, 1895 und 1896 entnehmen wir: Die im Jahre 1890 im Soolbade Königsdorff-Jastrzemb gegründete israelitische Kinderheilstätte blickt auf eine siebenjährige überaus ersprießliche, segensreiche Wirksamkeit zurück. In demselben milden Geiste der Humanität und der Menschenliebe, in dessen sieghaftem Zeichen das Unternehmen in's Leben gerufen wurde, ist dasselbe bis zum heutigen Tage unentwegt fortgeführt worden. Auch die vergangenen drei Jahre waren für unsere Anstalt eine frohe Arbeitszeit, reich an Segen und Erfolgen, begleitet von der Gnade Gottes, gefördert durch den Edelsinn der Menschen und unendlich belohnt durch den Dank der Kinder, die in der Heilstätte die kostbaren Güter der Jugend, Gesundheit und Frohsinn, erlangten. Die Anstalt hat auch in diesen drei Jahren durch die Wohlthaten, die sie in opserfreudiger, selbstloser Hingebung gespendet, durch die Liebe und Anerkennung, die sie hinwiederum von Eltern und Kindern empfangen, ihre Daseinsberechtigung und Lebensfähigkeit glänzend bewiesen. Die erziehliche Aufsicht und Pflege der Kinder wurde zwei dazu geeigneten Damen, die mit leidenden Kindern umzugehen verstanden, übergeben. Küche und Wirtschaft wurde in unserem Hause selbst von einer zuverlässigen Persönlichkeit nach ärztlicher Vor-