Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 39 (17.5.1897)
- Date
- 1897-05-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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zur festlichen Gelegenheit die stylvolle und großartige Musik zu dem Psalm componirt' Der Vortrag war großartig. Aller Augen wurden feucht vor Rührung. Der Präsident der hiesigen Cultusgemeinde Sigmund Kohner hielt sodann eine wunderbare, inhaltsreiche Rede, von der Alles entzückt war. Lebyafte Eljenrufe folgten den Schlußworten dieser Rede, worauf Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn an den Reonertisch trat und mit solcher Eloquenz eine so ergreifende und erhebende Rede hielt, daß die Beifallskundgebungen kein Ende nahmen, bis Oberbürgermeister Karl Rath das Wort ergriff. Er sagte u. A. „Ich wünsche aus der Tiefe meiner Seele, daß die hochgeehrte Cultusgemeinde, deren neues Spital wir heute ein weihen, das Hauptgewicht ihres edlen und vorgestreckten Zieles stets darin suche und finde, daß sie die heiligen Jnteresien des Vaterlandes und der Menschheit mit voller Kraft fördere. Gottes Segen sei auf diesem neuen Spitale, Amen!" Nicht endenwollende Eljenrufe und Applaus folgten der mit oratorischem Elan vorgetragenen Rede. Primararzt Dr. Julius Groß las dann die Geschichte de» Spitals vor und den Text der Schlußstein-Urkunde. Ministerpräsident Baron Banffy und alle Notabilitäten unterfertigten diese Urkunde, worauf die Einmauerung des Schlußsteines vorgenommen wurde. Das Chor sang KölcseyS Hymnus und die erhebende wahrhaftig großartige Feier war zu Ende. Frankreich. Parts, 14. Mai. Wie bereits kurz berichtet, sind bei der entsetzlichen Brand-Katastrophe in Paris ums Leben gekommen Frau Theodor Porges und Frau Emma Kann. Frau Porges war eine Tochter de» verstorbenen Bankiers Baron Weißweiler und mit dem Bankier Theodor Porges verheirathet; sie war mit den Häusern Rothschild, Ephrussi und Gutmann verwandt. Frau Porges war mit ihrer Tochter Anita in den Bazar gekommen; sie kam ums Leben, ihre Tochter rettete sich. Madame Jules Porges, eine Cousine der Verunglückten, hat ihr neues, prachtvolles Hotel in ein Spital umgewandelt. Die verunglückte Frau Kann, geborene Stiebel, stammte aus Frankfurt a. M. Sie war gleichfalls mit der Familie Rothschild verwandt und die Gattin des bekannten Pariser RemissierS Louis Kann, der einer Wiener Familie entstammt. Sie stand in den vierziger Jahren und galt als eine sehr schöne, stattliche Frau, die sich in den Pariser Gesellschaftskreisen großer Beliebtheit erfreute. Zur Trauerfeier in Notredame ist auf Faure» besondere Einladung der Lord-Mayor von London in großem Staat erschienen; Frau Kann, die unter den Opfern ist, gehört zu seiner näheren Verwandtschaft. Bankier Michel Heine, auf besten Grundstück der Bazar stand, hat die Absicht, auf dem Platze ein Sühnedenkmal zu errichten. Die Regierung hat angeordnet, daß in den Synagogen eine besondere Leichenfeier veranstaltet werden solle, der oer Vertreter des Präsidenten der Republik und einige Minister beiwohnen werden. Die Sammlung des „Figaro" für die Zwecke, denen der verunglückte Bazar gewidmet war, erreichte am dritten Tage 582,039 Fr. Baronin Hirsch hatte 25,000 Fr. beigefteuert. Eine ungenannte Spende von 937,436 Fr., um den frommen Werken, die am ersten Bazartage 45,000 Fr. eingeommen hatten, den Betrag zu vervollständigen, den ihnen der vorjährige Bazar zugeführt hatte, nämlich 982,438 Fr., wurde ebenfalls Frau Baronin Hirsch zugeschrieben, rührt jedoch nicht von ihr her. Es wird allgemein bemerkt, daß ungefähr alle Spenden über 2000 Frs. von Juden herrühren, so von den verschiedenen Rothschilds allein 147 000 Fr. Dazu bemerkt die „V. Z.": „Diese lärmende Freigebigkeit für streng und ausschließlich katholische Werke wird von der öffentlichen Meinung als würdelose Aufdringlichkeit empfunden und keineswegs so beurtheilt, wie die jüdischen Geber sich anscheinend schmeichelten. Caffagnac widmet der Sache in der „Autorit6" eine blutige, doch nicht unverdiente Besprechung." Wie die Juden es machen, machen sie es ihren Gegnern nicht recht. Was hätten die Herren für einen Lärm geschlagen, wenn die Juden sich etwa gar nicht an den Sammlungen betheiligt hätten! Personalien. Aus Südderrtschlarrd Von einer recht seltenen Feier muß ich heute Ihrem zahlreichen Leserkreise berichten. Herr Lehrer E. Roos in Werneck. feierte am 3. Mai ein Doppelfest, das silberne Hochzeitsfest und das 25jährige Dienstjubiläum. Der Jubilar und feine Gattin sind rüstig und gesund. Die Zahl der Schüler, die Herr Roos ausgebildet hat, ist sehr groß. Sein segensreiches Wirken für Gemeinde, Schule und Judenthum haben dem Jubilar einen Namen verschafft; namentlich seine TllOL-Vorträge bei den Lehrerkonferenzen in Schweinfurt werden den Konferenzbesuchern einen Einblick in das große Wissen dieses seltenen Mannes gewährt haben. Für die israelitischen Kranken der Irrenanstalt in Wernbeck hat der Jubilar unendlich viel gewirkt, indem er ihnen 1L72 Kost und Erlaubniß zum Synagogenbesuch verschaffte. So hat Herr Roos unberechenbar viel Gutes gestiftet. Es war ein Beweis der großen Achtung und Ehrerbietung, die Herr Roos genießt, daß zahlreiche Gratulanten ohne Unterschied der Religion und des Standes ihre Theilnahme an dem hohen Freudenfeste persönlich oder brieflich bezeugten. Die Gemeinde Werneck überreichte dem Jubilar einen prachtvollen Regulator, die Schüler der Religionsschule ein kostbares Kaffeeservice. So möge es denn dem Jubilar beschieden sein, an der Seite seiner frommen und treuen Gattin nach 25 Jahren gesund und rüstig das Fest in goldener Auflage zu. erneuern. .psn \t p