Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 39 (17.5.1897)
- Date
- 1897-05-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448742--43893-2492963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
V^chV»^! T:: y. T,‘ySTfJ^>*'7' 718 und die breiten, jüdischen Mafien wollen auch von einem wahrhaften Fortschritte nichtwissen. Und immer drohender ballt sich am galizischen Horizonte da- Gewölke zusammen, der Boden wankt unter den Füßen, es zuckt und donnert, kein frischer Luftzug reinigt die von Elektricität geschwängerte AthmoSphäre, ängstlich, erdfahl im Gesichte, die Glieder schlotternd drückt sich die kopflose Menge, und „galizisches Israel," wo sind „Deine Führer," schallt eS durch die Lust. Und es ertönt keine Antwort, nur der Donner rollt weiter, dumpf über den gesenkten Häuptern und zusammenhanglos aller Führung baar, sucht jeder auf eigene Faust sein Heil. Und die Aermsten der Armen, von den Ihrigen verlassen und verstoßen und im Stiche gelassen, lassen ihre flehenden Blicke über die schwarz-gelben Grenzpfähle schweifen und klammern sich an einem letzten Rettungsanker, — an Bettelbriefe. — AettimgSnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Mainz, 14. Mai. Aus vielen großen und kleinen Städten des In- und Auslandes gehen uns ausführliche Berichte über die Trauerfeierlichkeiten, die anläßlich des Jahrestages des Todes des Herrn Baron von Hirsch, sowohl Samstag den 9. als dem Vorabend, wie Montag den 10. Mai als dem Jahrzeitstage, abgehalten worden sind. Besonders feierlich gestaltete sich die Begehung desselben in Paris und Wien. Es ist uns unmöglich, alle diese Berichte in ihren Einzelheiten zum Abdruck zu bringen, da dies den uns zur Verfügung stehenden Raum weit überschreiten würde. Dagegen sind wir gerne bereit, dem mehrfach an uns gestellten Ersuchen, das Bildniß der Frau Baronin Clara von Hirsch, welche die edlen Werke ihres Heimgegangenen Gatten in so hochherziger Weise fortsetzt, in einer unserer nächsten Nummern zum Abdruck zu bringen. Berlin. Ein erfreuliches Bild von dem Gedeihen des vor Jahresfrist gegründeten jüdischen Lehrling-Heim» in Pankow gibt der soeben erschienene erste Verwaltungsbericht dieser Anstalt. Das Lehrlingsheim, welches am 17. Mai 1896 seiner Bestimmung übergeben worden ist, hat im vergangenen Jahre 20 Lehrlinge beherbergt, denen es Wohnung, Kleidung und theilweise auch Beköstigung gewährt hat. Die jungen Leute, welche durchschnittlich im Alter von 15—16 Jahren standen, haben die verschiedensten Handwerke zu ihrem Berufe gewählt, sie wurden Schlosser, Klempner, Gärtner, Maler, Schneider, Tapezierer, Uhrmacher u. A. Der Art ihrer Vorbildung nach hat die überwiegende Mehrzahl die Volksschule beendet, einige sind im Besitze deeinjährig-freiwilligen Zeugnisses. Ihre Ausbildung erhalten die jungen Leute in den städtischen Fachschulen und dem Kunstgewerbe-Museum. Dem Verein, welcher die zur Förderung des Handwerks unter den Juden dienende Anstalt in's Leben gerufen hat, gehören gegenwärtig 72 immerwährende Mitglieder und 254 Mitglieder an. Die Einnahmen betrugen im abgelaufenen Verwaltungsjahre 148,665.50 Mark, die Ausgaben einschließlich der Baukosten dein der Mühlenstraße Nr. 20 in Pankow belegenen Heims 106,217.30 Mark. Der bisherige Vorsitzende des Verein», Herr Stadtrath Dr. Max Weigert, hat wegen Ueberbürdung mit anderen Geschäften diese« Amt jetzt niedergelegt, stellvertretender Vorsitzender ist zur Zeit Herr Maurermeister Joseph Fränkel. Würzburg. (Literatur» er ein.) Mit dem Schluffe de- Wintersemesterhaben auch die Vorträge in unserem Verein ihren Abschluß für diese» Jahr gefunden. Ein Rückblick auf die Thätigkeit des Vereine« während der kurzen Zeit seines Bestehens zeigt ein ganz befriedigendes Resultat. Nach den in diesem gesch. Bl. bereits besprochenen Vorträgen folgten noch weitere drei von auswärtigen Herren. Am 17. Febr. sprach Sr. Ehrwürden Herr Bezirk-rabbiner Dr. Loewenstein in Mosbach über Rabbi Joseph Loans b.Gerson aus Rosheim i. E., Jofelin oder Joselmann genannt, 1478—1556, mit dem Thema: „Ein Befehlshaber der Juden." In seiner bekannten Beredtsamkeit und Sach- und Fachkunde führte uns der ehrw. Herr Redner ein herrliches Lebens- und Charakterbild von Joselmann vor und zeigte, wie dieser verdienstvolle Mann von heiliger Begeisterung für unsere Religion, die Erhaltung und Kenntuiß der Thora erfüllt war, wie er seine reichen Güter, die geistigen, wie materiellen, ja sein ganzes Leben in den Dienst seiner leidenden, stets unschuldig verfolgten Glauben-brüder stellte, all seinen Einfluß bei Fürst und Volk, bei Kaiser und den Großen de- Reichezu Gunsten seines Volkes geltend machte und kein Opfer, keine Mühe scheute, sein Volk au- Noth und Bedrängniß, au» Verfolgung und Verdächtigung zu befreien, und wo immer her ein Nothschrei zu ihm gelangte von Norden bizum Süden, von Osten bizum Westen, er seine ganze Beredtsamkeit an maßgebender Stelle einsetzte, das Unheil abzuwenden, und wie wunderbar zumeist seine Erfolge waren. So gewann man eine Vorstellung von den Leistungen diese- Manne» und wie er es in hohem Grade verdiente, im dankbaren Gedächtnisse der Nachwelt erhalten zu werden. Versteht es Herr Dr. Loewenstein überhaupt historischen Stoff meisterhaft zu behandeln, so wußte er da- Interesse für den Gegenstand durch Anwendung seltener Quellen und Urkunden noch zu erhöhen. Mit der Aufforderung, dem edlen Beispiels Josel-