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Der Israelit · 1897-05-13 · Heft 38 (13.5.1897) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 38 (13.5.1897)
Date
1897-05-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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706 daß der Onkel sich weniger Deinen überzeugenden Gründen ergeben, als dem Eigensinn oder meinetwegen der Energie seines Kindes sich gebeugt hat. Run hoffen wir, daß das, was gegenwärtig bloß eine Gefälligkeit gegen die Seinigen ist, einstens zur Ueberzeugung reifen und gedeihen wird." „Nun das klingt schon etwas bester'; aber Du thust dem Vater Unrecht. Er bereut seinen Jähzorn auf das Innigste und bat mich, da es ihm selber an Muth fehlt, für ihn bei Dir Abbitte zu thun und in seinem Namen zu versichern, daß er die Beleidigung, die er Dir zugefügt, tief und innig bedauert." Ich erklärte nun, daß ich gegen den Oheim, dem ich ja so viel verdanke, keinen Groll im Herzen trage. „Nun, dann wirst Du unserer Bittet geneigter sein, als ich erwartete," fiel die Tante eifrig in's Gespräch, „und wirst Dich jetzt, wo die religiösen Motive fortfallen, entschließen, ganz zu uns überzusiedeln. Warum sollen Verwandte, die in derselben Stadt wohnen, getrennt von einander leben?" Diese Aufforderung kam so unerwartet, so unvermittelt, das ich zunächst kein Wort der Erwiderung finden konnte. Alles Blut drängte sich mir zum Herzen, die Schläfen hämmerten, ein Zittern durchflog meine Gestalt. Sollte es Wahrheit werden, was ich ersehnt mit jedem Pulsschtage meines Herzens, mit jedem Gedankensplitter meines Geistes?! Ich sollte wieder in der Nähe des Wesens leben, dem mein Herz in heißer Liebe entgegenschlug?! . . . Und ich zögerte noch? Ich gab nicht jubelnd meine Einwilligung? . . . Aber um welchen Preis erkaufte ich dieses wonnige Glück? Mußte nicht eine bittere Enttäuschung mein kühnes Hoffen grausam zerstören? . . . Und ich sollte zurückkehren in das Haus, in dem ich so viel Leid erfahren, zu dem Manne, der mit so brutaler Herzlosigkeit mein heiligstes Empfinden in den Schmutz gezerrt? Würde er nicht triumphiren und mich mit Recht der Ehr- und Charakterlosigkeit zeihen? ... So jagten einander in wilder Hall die Gedanken. Ich hatte die Augen zu Boden gesenkt, aber ich fühlte die fragenden Blicke Nellv's und der Tante auf mir ruhen und rang um so mehr nach Ruhe und Fassung. „Habe Dank, liebe Tante, für Deine Aufforderung," begann ich endlich, und nur mühsam rangen sich die Worte von meinen bebenden Lippen, „aber ... ich kann ... ich darf . . . derselben nicht Folge leisten." Ich schrak selbst zusammen, als mir die Worte entfahren waren. Wte es gekommen, ob die wilde Erregung, die mich beherrschte, mir die Ruhe der Ueberlegung geraubt hatte, oder ob der Zorn über die Behandlung, welche ich vom Oheim erfahren, überwog, ich wußte es selbst nicht. Aber das Wort war heraus, und mit jugendlichem Trotz hielt ich zäh daran fest. Ach ich sollte schwer genug büßen für die verblendete Hartnäckigkeit! . Nochmals bestürmte mich die Tante mit Bitten, in die sich ein tiefer Groll mischte, aber das Schweigen Nellys, die mich mit ihren großen, tiefdunklen Augen vorwurfsvoll anblickte, verwirrte mich noch mehr, und ich blieb unerbittlich. Als die Thür sich hinter den ohne Gruß Davongehenden geschloffen batte, wollte ich ihnen nachstürmen und meine Absage widerrufen, aber „zu spät, zu spät" klang es in meinem gramzerwühlten Herzen, ich sank auf einen Sessel und weinte heiße Thränen über mein gestorbenes Glück. . . . (Fortsetzung folgt.) Der -Israelit* erscheint wöchentlich zweimal, Hontu;« and DoBnentafg, jedesmal ln mindestenzwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der -uchhausel verkehrt kvrch € f. -triuacker, -ripstg, Kohplatz 1«. — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltiae Petitzelle oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., fur's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franeo einzusenden. Gtm MMftfitttttf »et» *tt die Redaktion eittgesandten Manuskripten sind et nicht statt, «tan »ittet deshalb, stch von alten Einsendungen eine Lopie zuriitkzub eh alten. Inhalt <Hauptblatt>. Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Köln. Thorn Essen. Worms. Neustadt-Ebersmalde. Oesterr-Ungar. Monarchie: Wien Prag. Budapest. Frankreich: Paris. Türkei: Konstantinopel. Tripoli. — Literarische Notiz. — Vermischtes. — Feuilleton: Getreu bis in den Tod. Von Maurice Macon. (Fortsetz.) Anhalt der ersten Beilage r Leitender Artikel: Das Schächtverbot vor dem österr. Verwaltungsgerichtshofe. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Schneidemühl. Wor.us. Aus dem Großherzogthum Hessen. Dessau. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Triest. Türkei: Salonichi. Inhalt der -weiten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Osthofen. Oesterr-Ungar. Monarchie: Wien. Rußland: Kiew. Moskau Palästina: Jericho. Verantwortlichc Redacnon: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wlrth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu zwei Beilage«

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