Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1897)
- Date
- 1897-05-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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704 Kharaz 2c. Sie üben allerhand Handwerke aus, sie sind Weber, Schneider, Juweliere, Tischler, Maurer, Sattler, doch sind auch viele und zum Theil reiche Kaufleute darunter. Der Oberrabbiner von Savao, wo es 13 Synagogen gibt, führt den Namen Chacham Baschi und ist das Oberhaupt der Juden in ganz 'Jemen. Der jetzige Chacham Baschi, ein Greis von 94 Jahren, führt den Namen Alari Soliman el Kara. Seit die Türken in Jemen herrschen, befinden sich die Juden viel besier als früher, denn dieselben sind viel toleranter, als die ehemals herrschenden Scherife. Noch jetzt sind im Innern lebenden Juden schlechter daran, als die an der Küste; desto fanatischer sind die Muselmänner. Tripoli. Unsere Stadt zählt im Ganzen 25—30,000 Seelen, davon sind ca. 7000 Juden. Dieselben sind meistens arm, höchstens 100 Familien sind wohlhabend zu nennen. Die Gemeinde hat eine Einnahme von 50,000 Fr., aber die Ausgaben sind viel höher. Dieselben setzen sich zusammen aus der „Haradi", der für die Befreiung vom Militärdienst gezahlten Taxe, ferner aus Unterstützungen, der Unterhaltung der Talmud-Thora-Schule, Krankenhilfe, endlich Geschenke an Durchreisende. Die Einnahmen bestehen aus der Fleischtaxe auf das koschere Fleisch, einer Ausfuhrsteuer auf die von Juden exportirten Waaren, dem Ertrage der Mizwoth, endlich verschiedenerlei Geschenken. Zu wünschen wäre, daß Handwerkerschulen den Juden neue Erwerbsmöglichkeiten schafften. Literarische Notiz. Von befreundeter Seite werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß die in Nr. 32/33 von Herrn Chordirigenten Sack besprochenen Spnagogengesänge von Albert Weil! bereits in Nr. 82 des 35. Jahrgangs unserer Leitung von Herrn Leo Schleßinger, Chor-Direktor dahier, in günstigster Weise recensiert worden sind. vermischtes. Berti«, 12. Mai. Die konstituirende Tagung der „Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands", dessen provisorische Begründung am 29. Dezember v. I. erfolgte, fand am Sonntag den 9. und Montag den 10. Mai d. I. in den Biöliothcksräumen des Rabbiner- Seminars statt. Der Einladung des damals berufenen provisorischen Ausschusses waren 24 Mitglieder aus fast allen Bundesstaaten des Reiches und zwei Gäste gefolgt. Die Verhandlungen wurden von Herrn Rabbiner Dr.S. Auerbach—Halberstadt geleitet. Der Sonntag-Nachmittag war einer Vorbesprechung gewdmet, in welcher neben allgemeinen Auseinandersetzungen die Grundzüge für die Verhandlungen des folgenden Tages festgestellt wurden. Am Montag begann drese Verhandlung mit einer grobangelegten Generaldebatte, welche eine völlige Uebereinstimmung auf allen Seiten über die Nothwendigkeit der Gründung einer Vereinigung. sowie über die Ziele, die sic zu verfolgen haben würde, ergaben. Mit nur cinstündiger Unterbrechung wurden die Verhandlungen bis zum Abend fortgesetzt und sch ießlich die grundlegenden Paragraphen des Statuten-Entwurfs in endgiltiger Fassung genehmigt, die Erledigung der übrigen dem Vorstande übertragen. Im Verlaufe der Debatte, welche von einem herzerfreuenden Tone echt collegialer Gesinnung durchweht war, fand eine Resolution einstimmige Annahme, besagend: „Um mehrfach hervorgetretenen Jrrthümern zu begegnen, erklärt die constituierende Versammlung der „Vereinigung tradrtionell-gesctzestrcuer Rabbiner Deutschlands", daß sie die Frage der Zugehörigkeit ihrer Mitglieder zu dem „Allgemeinen Deutschen Rabbinerverband" dem Ermessen jedes Einzelnen überläßt und als solche keinerlei Beziehung zu jenem unterhält." § 3 des Statuts, welcher von der Mitglied schaft handelt, erhielt folgende Fassung; Mitglied der Vereinigung kann jeder an einer G rneinde oder öffentlichen Stiftung in Deutschland angestellte (emeritirte) Rabbiner u. Rabd -Assessor, welcher eine von einer als maßgebend anerkannter» Autorität erthcilte mnn besitzt, sowie jeder Docent jüdischer Wissenschaft an einem Rabbiner-Seminar werden. Voraussetzung ist, daß dieselben in Lehre und Leben auf dem Boden von arm? rrnn und ns 7P2Ü7 m»n, wie sie in O'pOM ouv niedergelegt ist, steht" Der Jahresbeitrag wurde auf mindestens 3 Mark festgesetzt. Hierauf fand die Wahl des Vorstandes für die nächsten drei Jahre statt. Es wurden einstimmig gewählt die Herren: Rabb. Dr. I. Hildesheimer zum Ehrenvorsitzenden, Rabb. Dr. Auerbach zum Vorsitzenden, Oberrabb. Dr. Feilchcnfeld (Posen), Rabb. Dr. Horovitz, Rabb. Dr. Cohn (Kattowitz), Rabb. Dr I. Bondi, Distriktsrabb. Dr. Kohn (Ansbach), Rabbinatsassessor Dr. E. Biberfeld. Ebenso wurden die verschiedenen Kommissionen beschickt. Die zweite ordentliche Tagung soll in derselben Zeit im Nächstjahre stattfinden. — Am Abend vereinigte ein von dem Vorstande der Jsr. Synag -Genr. (Ad. Jsr.) der Versammlung angebotenes Festmahl die Theilnehmer an der Versammlung nach ernstem Werke zur frohen Geselligkeit. Rabbinats-Assessor Dr. E. Biberfeld. Dessau Der Landtag des Herzogthurns Anhalt bewilligte debattelos für das Rechnungsjahr 1897/98 zum jüdischen Kultus und Unterricht: 1225 Mark Gehaltstheil sowie Reisekosten und Büreaukostenfixum des Landesrabbiners, 3090,50 Mark Zuschüsse an die Kultusgemeinden (der Gemeinde Gröbzig, deren Steuerkraft verringert wurde, ist der Zuschuß um 150 Mark erhöht' und 180 Mark zur Disposition, rn Summa 4495,50 Mark. — Die Konferenz der dem anhaltischen Landesrabbinat unterstellten Lehrer findet in der Woche nach dem Pessachfeste in Bernburg statt: auch die Serren Rabbinen von Köthen und Bernburg nehmen an der ersammlung theil. — An der Festtafel nach der Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelms I. nahm auch Herr Baron von Cohn, der langjährige Berarher rrnd Vertraute des Kaisers, Theil. Holla«-. Bei der Wahl zweier Mitglieder in das Konsistorium der holländischen Israeliten wurden in Amsterdam gewählt: Herr D. Abrahams und Herr Rechtsanwalt D. Simons. In den gesetzestreuen Kreisen herrscht über die Wahl deS Erstgenannten große Freude. AuS Rußland. Nach Londoner Berichten sind in Minsk am 28. April Ausschreitungen gegen die Juden vorgekommcn. Die Juden haben sich tapfer gewehrt. Näheres rst noch nicht bekannt. Jerusalem. Fünfzig, meist armen jüdischen^Familien, welche als griechische Untertharren ausgewiesen werden sollten, ist der Auferrthalt erlaubt worden unter der Bedingung, daß sie das türkische Bürgerrecht erwerben.