Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1897)
- Date
- 1897-05-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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701 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 11. Mai. Wir waren heute so glücklich, außer unseren regelmäßigen Sendungen für die Armen des heiligen Landes einen besonderen Betrag in Höhe von M. 1800 — an da- Central-Comitö in Amsterdam abgehen lasten zu können. Es entstammt diese Summe, die uns heute durch Herrn L. H. Lippmann hier übergeben wurde, dem V rmächtniß des Herrn D. E. Levinger dahier. Der dahingeschiedene edle Spender hat auch die hiesigen Wohlthätigkeitsanstalten in reichster Weise bedacht. So spendete er u. A. M. 65,000 zur Bildung eines Grundstockes für ein hier zu errichtendes jüd. Hospital. Das Andenken an den hochherzigen Mann wird in jüdischen Kreisen unvergeffen bleiben. Köln, 7. Mai Das Isr. Gem.-Bl. Köln- Mülheim erinnert daran, daß am Montag (rvn 's i"n) das hundertste Jahr begonnen hat, seitdem Köln nach der Verbannung im Jahre 1424 den Juden wieder seine Thore öffnete. .'An dem genannten Tage zogen Josef Stern und seine Ehegattin Sara aus Mülheim am Rhein mit Erlaubniß der französischen Munizipalität hierher. In den nächsten drei Jahren folgten ihnen weitere 17 Familien, welche am 20. Vendemiaire X. (1801) sich zu einer Gemeinde vereinigten. Im Jahre 1815 wohnten in Köln 30 jüd. Familien und diese Zahl vermehrte sich in den nächsten 20 Jahren verhältnißmäßig nur wenig. Am 18. Mai 1843 zählte die Gemeinde laut einer Aufnahme 46 Familienhäupter. Einem Verwaltungsbericht vom 19. März 1851 entnehmen wir, daß die Anzahl der Mitglieder damals 135 betrug, welche durch Heranziehung der 24jährigen unverheiratheten Söhne auf 256 stieg. Nach der Volkszählung im Jahre 1881 wohnten in Köln 4379, 1885: 5300 und 1895: 7950 jüd. Seelen. Die hiesige Gemeinde ist die fünfgrößte im deutschen Reiche. Die Protestanten in Köln, welche ebenfalls im 17. und 18. Jahrhundert wiederholt aus der Stadt vertrieben wurden und zu gleicher Zeit mit den Juden gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wieder einziehen dursten, zählen jetzt 52,321 Seelen; sie haben sich in dem letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt. Thor«, 5. Mai. Bei einem Brande in Leibitfch sind, der „Thorner Ztg." zufolge drei Personen erstickt. In einer Dachstube eines Gasthauses hatten sich ein jüdisches Ehepaar Semmelmann und ein dritter jüdischer Mann aus Lipno in Russisch-Polen für die Nacht einlogirt. Der Pächter des Gasthauses hatte die Leute in der Stube eingeschloffen und den Schlüffel abgezogen. Als das Feuer ausbrach, stürzten die Insassen des Zimmers zur Thür, vermochten dieselbe jedoch nicht zu sprengen. Der Wirth hatte in der Aufregung den Schlüffel verlegt. Statt schnell den Bedrängten zur Hülfe zu eilen, wurde nach dem Schlüffel gesucht, als dieser sich dennoch nicht fand, erbrach man die Thür. In dem mit dickem Rauch angefüllten Zimmer lagen auf dem Boden die drei Menschen todt ausgestreckt. Essen, 6. Mai. Am Dienstag Abend sprach Herr Dr. Auerbach aus Köln über „Die sozialethischen Aufgaben der Juden". In feffelnder Weise wußte der Redner an der Hand eines überaus reichen Zahlenmaterials der Berufs- und Moralstatistik das Auditorium für die Bestrebungen der „Vereine zur Förderung und Verbreitung der Handwerke unter den Juden" zu begeistern. Nach den Erfahrungen des Vortragenden, der in diesen Fragen sehr kompetent ist, und in dem diese Ziele einen eifrigen Förderer besitzen, ist man auf diesem Gebiete mit den bisherigen Erfolgen sehr zufrieden. Jedoch cs kann mehr geleistet und erzielt werden, wenn weitere, insbesondere wohlhabendere Kreise, namentlich durch pekuniäre Zuwendungen, sich diesen humanen Bestrebungen anschließen. Die trefflichen Ausführungen des Herrn Dr. Auerbach über das energische Vorgehen gegen die Wanderbettelei, die nothwendige Reorganisation des Armenwesens und Handhabung des Almosenfpendens, Gründung von Lehrlingsheimen und Ausbildung von Krankenschwestern fanden allseitige Zustimmung und lebhaftesten Beifall. — Vor dem Vortrage fand die ordnungsmäßig berufene Generalversammlung statt. Der Vorsitzende gab ein übersichtliches Bild der bisherigen Leistungen des Vereins, und Herr I. Friedländer berichtete über den im Verhältniß zum Vorjahre günstigen Stano der Kaffe. Durch Zuruf wurde der bisherige Vorstand und zwar die Herren Dr. Samuel als Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. Wallach II. als deffen Stellvertreter, Js. Simon Hirschland und Herz L. Hirschland als Beisitzer. August Kohn und Kanzleirath Hirsch als Schriftführer, Siegfried Cohen als Rendant, I. Friedländer u. Siegsr. Rosenbaum als Rechnungsprüfer gewählt. Nachdem der Vorsitzende Namens des Vorstandes für das entgegengebrachte Vertrauen gedankt U"d dem Verein ein ferneres Blühen gewünscht hatte, schloß er den Abend mit einem herzlichen „Auf Wiedersehen" in der nächsten Saison. R. Worms Der Jahresbericht des hiesigen isr. Unterstützungtzvereins pro 1896/97 ist erschienen. Die Verwaltung gibt ihrer Freude Ausdruck, daß sie schon lange nicht in der angenehmen Lage gewesen wäre, über ein so günstig verlaufenes Jahr zu referiren. Vor Allem hatte Herr A. Stein dem Vereine gelegentlich der Verheirathung seiner Tochter eine hochherzige Spende von M. 300 zugemendet, die zur Deckung des vorjährigen Defizits verwandt wurde.