Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1897)
- Date
- 1897-05-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448740--43857-2492925- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
688 Ausblick über das herrliche Thal und den weiten Kranz der weift schillernden Berge bietet, hatten sie sich in weihevoller Andacht zusammengefunden, um den ersten Spatenstich für das israelitische Krankenheim des Herrn Hirsch zu führen. Gegenwärtig wird am Bau bereits wacker gearbeitet. Die Kosten sind auf 250.000 Frs. veranschlagt, zu deren Deckung, nach Abzug der 1. Hypothek von 80.000 Frs., Obligationen k 500 Frs. zu 41/o°/o emittiert worden sind. Dieselben werden durch eine jährlich stattsindende Amortisation von mindestens 10 'Nummern bei einer Amtsstelle in Davos ausgeloft und zurückgezahlt. In Paris und London hat das Unternehmen des Herrn Hirsch, das einem wirklichen und dringenden Bedürfniß entspringt, mannigfache Theilnahme geweckt, und in Berlin haben die Herren Ginsberg, Louis Sachs, Prof. Senator, Prof. Fränkel, Sanit.- Rath Dr. Lazarus, Jul. Bodenstein, Dr. G. Karpeles, Dr. Hirsch Hildesheimer, Rabbiner Dr. Weiße durch einen warmen Ausruf, der guten Sache sich angenommen. Leider ist das nöthige Kapital noch nicht ganz beisammen, was alle diejenigen, die dem Zustandekommen des Sanatoriums ein inniges Jnteresie entgegenbringeu, mit großer Sorge erfüllt. Obwohl die ersten Stützen jüdischer Mildthätigkeit sich mit Obligationen betheiligt haben, — es haben gezeichnet: Frau Baronin Willy von Rothschild in Frankfurt a. M. 10.000 Frs., die Herren Gebrüder von Rothschild in Paris 5000 Frs., Se. Ercellenz Lazare v. Polliakoff in Moskau 2000 Frs., — so fehlen noch immerhin 30.000 Frs., um das Unternehmen zu Ende zu führen. Herr Hirsch begiebt sich nun nach Süddeutschland, um daselbst die letzten Bausteine zu seinem menschenfreundlichen Werke zusammenzutragen. Möge man ihn dort ein offenes Herz und eine offene Hand finden lassen, damit das im Dienste jüdischer Nächstenliebe begonnene Werk zum Segen zahlreicher lungenkranker Glaubensgenoffen einen ungehemmten Fortgang und gedeihlichen Abschluß nehme. Literarisches. Di« zehn Märtyrer (ms1?» uvm mw) populär-wiffenschaftlicheCharakterskizzenvon Anton Eisler, Galgüc 1895, Verlag von Isidor Eisler, XIII und 230 S. Der Verfaffer hat Gutes gewollt, dieses jedoch nur in sehr beschränktem Maße erreicht. Durch eine lebendige Darstellung des Lebenslaufes dieser großen Meister, deren Opfermuth in Israel stets unvergeffen bleiben wird, will er die Herzen, besonders der Jugend, für unsere heilige Religion erwärmen und begeistern. Der Verfaffer, der selbst ein warmes Herz für das Judenthum hat, könnte sein Ziel erreichen, wenn es ihm vergönnt wäre, einerseits die deutsche Sprache zu beherrschen, andrerseits die von ihm als Quellen benutzten Geschichtsbücher mit kritischem Blick zu lesen. Der erste Fehler bringt ihn dazu, unglaublich triviale Ausdrücke zu gebrauchen und ganz verzeichnete Bilder uns vorzuführen, die oft komisch wirken. Sein zweiter Fehler läßt ihn gedankenlos sich der Führung von Grätz bei der Schilderung der Tanaim anvertrauen und dadurch mithelfen die irrigen Anschaunngen über die mündliche Lehre und ihre Träger, die sich bei seinem Gewährsmanne finden, zu verbreiten. Wir möchten an dieser Stelle einen langgehegten sehnlichen Wunsch aussprechen. Rabbiner Hirsch b r ist vor ungefähr 40 Jahren den Irrlehren des Grätz in klassischen Aufsätzen siegreich entgegengetreten; warum wird das jetzige Geschlecht, von dem nur Einzelne die ersten Jahrgänge des Jeschurun keinen, nicht durch eine Sammlung und einen Abdruck jener herrlichen Kritiken vor den falschen Ansichten bewahrt, die dem Ungelehrten durch die Lektüre der Grätz'schen historischen Tendenzromans fast aufgezwungen werden? Auch unser Autor hätte wohl Vieles anders und bester geschildert, wenn er sich von Rabb. Hirsch Vt hätte belehren lasten können. Das Werk ist übrigens vorzüglich ausgestatett und wird durch die Bewunderung unserer Unsterblichen, die darin lebt. Manchem Freude bereiten. Personalien. AitS dem Grotzherzogthum Hefte«. Es dürfte vielleicht weitere Kreise und besonders die Orte seiner früheren Wirksamkeit interessiren, daß der Elementarlehrer und Kantor Jakob Stern in Storndorf, Oberhessen, am 15. Mai d. I. sein öOjähriges Dienstjubiläum begehen wird. Geboren zu Heppenheim a. d. B., absolvirte derselbe bereits mit seinem 18. Jahre das Großh. Schullehrerseminar in Bensheim mit ausgezeichnetem Erfolge. Von seiner langen Dienstzeit entfallen auf die Stätte seines^ jetzigenfWirkens, die Communalschule in Storndorf, allein 32 Jahre. Geachtet und geehrt von allen seinen Mitbürgern ohne Unterschied der Konfession, gewürdigt von seiner Vorgesetzten Behörde, geliebt und geschätzt von der großen Zahl der aus seiner Schule hervorqegangenen Schüler ist es dem allezeit auf einer höheren Warte stehenden Lehrer nun von Gott beschieden, in seltener Geistesfrische und körperlicher Rüstigkeit sein Jubelfest zu feiern. Möge dem Jubilar noch ein langer, freundlicher und glücklicher Lebensabend bevorstehen! A. 8. Vermischtes. Larift« Grumbkow Pascha erzählt, daß die türkische Armee den glücklichen Uebergang über zwei fünfzig Meter lange Brücken bei Larissa einem Juden namens Raum zu verdanken habe, derKim Augenblicke des Ueberschreitens der Brücken auf dem jenseitigen Ufer des Peneus die^Türken auf die furchtbare Gefahr (wegen der gelegten Minen? Red.) aufmerksam machte. Raum rannte hierauf nach Larissa zurück, wo er von einem Griechen auf der Straße erstochen wurde.