Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1897)
- Date
- 1897-05-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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687 Absolutorium crtheilt. Der Antrag des Obmanues, anläßlich des bevorstehenden Regierungsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers aus Vereinsmitteln 200 Kr. zu einem wohlthätigen Zwecke zu widmen, über deren Verwendung der Vorstand demnächst beschließen wird, wurde einhellig angenommen. Der Gesammtvorftand, sowie die Herren Rechnungsrevisoren Leopold Schneider und Friedrich Kollin wurden einstimmig wiedergewählt. Bei der constituirenden Sitzung wurden die Herren Carl Kisch zum Obmann, Simon Kisch zum Obmannstellvertreter und Ernst Busch zum Cassier wiedergewählt. Budapest. Frau Wwe. Baronin Hirsch hat dem ungar. Landcs-Lehrer Eötvös Fond fl. 8000, für das ung. Lehrerheim fl. 1000, dem LandeS- Kindererziehungsverein fl. 1000 gespendet. — Das königl. ung. landeS-statistische Bureau veröffentlicht, daß im Monat März l. I. in Ungarn 1033 gemifdjte Ehen geschloffen worden, darunter waren 32 Ehen zwischen Juden und Christen. — Der Municipalausschuß der Stadt Kaschau beschloß auf Antrag des Stadtrepräsentanten Eup en von Deil, die großen Verdienste, welche sich Stadtphysikus Dr. Jacob Moskovics, der über 25 Jahre hindurch das öffentliche Sanitätswesen der königl. Freistadt Kaschau in hervorragender Weise gefördert hat, protokollarisch zu verewigen und Herrn Dr. Motzkovics Dank und Anerkennung zu ootiren. Dr. Moskovics ist einer der berühmtesten Aerzte von Kaschau. — König Humbert von Italien hat, auf Antrag des italienischen Botschafters Grafen Nigra in Wien, Dr. Anton Rado, einer der hervorragendsten jüdischen Schriftsteller in Ungarn, zum Ritter des Italienischen Kronen-Ordens ernannt. Dr. Rado hat sich um die italienische Literatur in Ungarn hervorragende Verdienste erworben. — Der Munizipalausschuß der Haupt- und Residenzstadt Budapest, hat der Altofner israelitischen Cultusgemeinde fl. 5000 Subvention votirt. — Im Jahre 1896 sind an Spenden für das israelit. Hospital fl. 11,184.28, für das Waisenhaus fl. 42,486 — für das Taubstummenhaus fl. 6684.50 und für das Adele Brody-Spital fl. 15,900 — bei der Pesther isr. Cultusgemeinde eingelaufen. Schweiz. Davos (Schweiz). Glücklich das Haus, dreimal glücklich die Familie, für die der Name Davos nichts als ein gleichgiltiger Laut, ein bloßer geographischer Begriff, vielleicht eine süße Erinnerung an eine heitere Ferienreise durch's Engadin oder Prättigau ist. Für Tausende aber ist dieses Bündner Hochthal ein Wallfahrtsort, zu dem sie bebenden Herzens, wenn auch mit stiller Hoffnung pilgern: „Davos, die Gesundheitsstadt auf dem Berge", ist seit Dezennien eine unübertroffene Heim- und Heilstätte für Brustkranke, und die Zahl der dauernden Heilerfolge, die hier bei allen Formen der Tuberkulose erzielt werden, ist eine gerade zu erstaunliche. — Ern deutscher Arzt, Dr. Alexander Spengler, hatte diesen Ort vor etwa vierzig Jahren „entdeckt", und während dieser kurzen Zeit ist das arme, weltvergeffene Alpen^orf zu einein Curort von europäischem Ruf emporgeblüht, wo, gleich den Perlen an der Seidenschnur, die herrlichlichsten Villen sich reihen urrd zahlreiche Palasthotels an Comfort und Bequemlichkeit einander zu überbieten suchen. Im Spätherbst, wenn der große Strom der Sommerfrischler und Touristen aus unseren Bergen sich zurück in das Tiefland verläuft, sieht man in unserem sonnigen, windgeschützten Hochthale nahezu 2500 gleichzeitig anwesende Gäste sich schaaren, die gleich dem Psalmensänger ihre Blicke hilfesuchend zu den Bergen erheben und dank dem Beistand Gottes und dem kräftigenden Einfluß des Hochgebirgsklimas auch Hilfe und Heilung finden. Dann entwickelt sich auf unseren Promenaden und Spaziergängen ein buntes, bewegtes Leben eigener Art: Vertreter aller Stände, Trachten aller Länder und Angehörige aller Nationen sieht man hier wie zu einer einzigen großen Familie friedlich vereinigt, und im Theater und Concertsaal, sowie auf den zahlreichen Sportplätzen hört man die Laute aller civilisirten Sprachen an das Ohr schlagen, daß man sich mitten in das große, von unseren Propheten verheißene Fest der Völkerverbrüderung versetzt glaubt. Nur eine einzige große Gritppe, aus deren Reihen die Tuberkulose, diese Geißel der Menschheit, so zahlreiche Opfer fordert, ist zum großen Schmerz eines jederl treuen Israeliten von den Segnungen des Hochgebirges, von dem Gebrauch einer Cur in Davos ausgeschloffen; wir meinen diejenigen religiösen jüdischen Kreise, die streng auf eine rituelle Küche halten und daher unfern Curort bisher nicht aufsuchen konnten, weil sie hier keine rituelle Verpflegung fanden. Diesem schmerzlich empfundenen Mangel abzuhelfen, hat sich nun ein energischer Glaubensgenosse an unserem Orte zur Lebensaufgabe gemacht,' Herr A. Hirsch beschäftigt sich seit einer Reihe von Jahren in anerkennenswerther Weise mit der Verwirklichung des Planes, ein israelitisches Sanatorium in Davos zu erbauen, das streng religiös geleitet werden und unter der Aufsicht eines bedeutenden jüdischen Arztes stehen soll. Der Bau hat bereits vor neun Monaten begonnen. An einem klaren Herbsttage des verflossenen Jahres sahen das Tinzen- und das Schiahorn nicht ohne Verwunderung auf das Beginnen eines kleinen Häufleins hier weilender Israeliten herab. Am Eingang ins stille Dischmathal,^wo dem. Auge sich ein wunderbarer