Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1897)
- Date
- 1897-05-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Herbst lang so gut wie trocken. In der Höhle der Marienquelle gab es wohl täglich soviel Wasser, daß die Frauen aus dem Dorfe Silwan ihre Krüge und Schläuche füllen konnten; aber durch den bekannten Felsenkanal bis zur Siloahquelle kam nichts hinab. Seitdem nun die starken Regen gefallen sind, fließt die Quelle wieder wie früher. Aber auch das Wasser des dir essud fließt, wie es nach so starkem Regen gewöhnlich, doch nicht gerade jedes Jahr, der Fall ist, als ein wirklicher Bach den rvnäi en-nür hinab. Man betrachtet diese Erscheinung als Anzeichen eines fruchtbaren Jahres. Das Wetter in diesem Winter ist ungewöhnlich, auch der Regenfall. Schöne warme Tage wechseln mit starkem anhaltenden Regen, doch ohne viele Stürme, wie es sonst der Fall zu sein pflegt und ohne jedes Gewitter. Nach Neujahr regnete es beinahe eine Woche lang. Die Cisternen füllten sich und in den Thälern strömten mächtige Bäche. Der Jordan schwoll so an, daß sich die Waffer bis zu den alten Ufern ausdehnten, daß die Brücke mehrere Meter hoch überfluthet und die Bäume am gewöhnlichen Ufer bis an die Gipfel unter Wasser gesetzt wurden. Aller Verkehr war unterbrochen. Einige Personen, die von Jerusalem nach es-Salt gereist waren und die Jordanbrücke ohne jede Schwierigkeit hatten passiren können, fanden bei ihrer Rückkehr den Weg abgeschnitten. Sie mußten sich ungefähr eine Woche lang in einem Zelt,. das sie von den Beduinen geliehen bekamen, in der östlichen Ebene nicht weit vom Flusse aufhalten und warten, bis die Waffer so weit gefallen waren, daß die Brücke wieder frei war. Der Aufgang zur Brücke war zwar weggeriffen worden; doch konnten sie durch Bäume, die die Fluch entwurzelt hatte, eine Verbindung Herstellen, so daß sie selbst über die Brücke an das westliche Ufer gelangen konnten; die Pferde mußten hinüber schwimmen. Berlin. Der schon öfter in Ihrem geschätzten Blatte rühmlichft erwähnte Dr. Grünfeld dahier hat sich nun in seiner wahren Größe gezeigt. Derselbe zählt jetzt zu denjenigen Männern, in welchen nicht nur die Anordnungen der Weisen und die c-'vin der später» bedeutenden Gelehrten gleichgiltig erscheinen, die sich vielmehr getrost auch über klare Thora-Vorschriften hinwegsetzen, sobald sie nur hierdurch einen materiellen Nutzen erlangen können. Dies zeigt folgendes Ereigniß. Eine Frau in Schrimrn, welche nppT ist und durch Differenzen mit dem auswärtigen a-' nicht mrtn erlangt hatte, verlobte sich mit einem Manne, der von seiner ersten Frau wohl gerichtlich, nicht aber religionsgesetzlich geschieden ist. Da von dem Herrn Rabbiner in Schrimrn selbstverständlich die Vornahme derTrauung nicht zu erwarten war, so wandte sich das Brautpaar 68S an $,rrn Dr. Maybaum hierselbst. Aber welche Enttäuschung! Dr. Maybaum war von der Sachlage unterrichtet worden und lehnte die Vornahme der Tranung ab. Da erschien denn Dr. Grünfeld als Helfer in der Roth. Kommentar überflüssig. Die Kenntniß der Handlung genügt, um den Prediger Dr. Grünfeld in das richtige Licht zu stellen. Breslau, 4. Mai. (Die Einweihung der israelitischen Altersversorgungs anstall.) Dieser Tage fand in Kleinburg die Einweihung der vom Rittergutsbesitzer Julius Schottl ä n d e r errichteten und als „Julius und Anna Schottländersche Stiftung" bezeichneten israelitischen Altersversorgungs-Anstalt statt. Ein zahlreiches geladenes Publikum, unter welchem wir neben dem Stifter und seiner Familie die Spitzen des Vorstandes des Repräsentanten-Kollegiums, sowie eine Reihe von wohlthätigen Vereinen der hiesigen Synagogen-Gemeinde bemerkten, hatte sich dazu eingefunden. Im Namen des Vorstandes der israelitischen Kranken- Verpflegunsanstalt übernahm dessen derzeitiger Vorsitzender, Eduard Sachs, mit einer längeren Ansprache die neu errichtete Anstalt. Zugleich sprach er dem hochherzigen Stifter und seiner Gemahlin, welche bescheiden jede größere Einweihungsfeier abgelehnt hatten, für ihr menschenfreundliches Werk, sowie allen denen, welche zur Einrichtung und Ausschmückung der Anstalt beigetragen hatten, für ihre Thätigkeit den herzlichsten Dank aus. Redner erwähnte, daß die Anstalt zur Zeit von 36 Insassen belegt sei, daß sie aber Raum für die Aufnahme von 80 Personen biete. Er gedachte mit dankbaren Worten einer von Herrn Schottländer und dessen Familie noch besonders errichteten Stiftung, ferner einer Stiftung des Herrn Simon Pfeffer, unter dem Namen „Rosa Pfeffer-Stiftung", und schloß mit einem warmen Appell an alle Glaubensgenossen, durch Zuwendung von Geschenken und Stiftungen die knapp bemessenen Mittel der Anstalt zu erhöhen, um die Aufnahme weiterer Insassen zu ermöglichen. Nachdem auch Stadtrath Pringsheim namens des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde Herrn Schottländer und seiner Gemahlin gedankt hatte, nahm Rabbiner Dr. Rosenthal die Weihe des Hauses vor. In einer gedankenreichen Rede pries Rabbiner Dr. Guttmann die Macht der Liebe und des Glaubens. Mit Absingung des Psalms 150 schloß die erhebende Feier. Im Anschluß an dieselbe erfolgte unter Führung des Vorstandes ein Rundgang durch die Räume des Hauses, wobei den zweckmäßigen, allen hygienischen Anforderungen entsprechenden Einrichtungen der Anstalt allgemeine Anerkennung gezollt wurde. Posen, 4. Mai. Unser hochverehrter Herr Rabbiner Dr. Feilchenseld dahier wird am 15. Siwan d. I. unter göttlichem Beistände die siebzigste