Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 36 (6.5.1897)
- Date
- 1897-05-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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l. . V.' 670 da ich im Stande bin, mein Brod selbftthätig zu verdienen." „Bedenke aber, Manfred, mein herziger Junge, was die Welt sagen wird, wenn sie erfährt, daß der Neffe des reichen Cholikoff mit Entbehrungen kämpfen muß und noch dazu während seiner Studienzeit. O diese Schande wüst Du mir nicht anthun wollen! Nicht wahr, lieber Manfred?" „Die Well wird das weniger tragisch auffaffen, al» Du, lieber Oheim. Auch ist Armuth gar keine Schande, und durch Anstrengung sein Leben zu fristen, erst recht nicht. Nun lebet wohl, lieber Oheim, liebe Nelly! Auf baldiges Wiedersehen! Ich werde nicht verfehlen. Euch von Zeit zu Zeit zu besuchen, da ich für'S Erste gesonnen bin, die hiesige Universität zu besuchen. Lebet wohl!" Noch bevor sie Zeit gefunden, mich zurückzuhallen, hatte ich da- Znnmer verlaffen. Als ich die Thüre öffnete, fuhr Nepomuk zurück: der Elende hatte gelauscht. Ec faßte sich aber gleich und versetzte mit hämischem Lächeln: „Ach, der gnädige Herr wollen uns schon verlaffen? Wie Nepomuk das bedauert, Schmuel ben Rebb Jude!." Ich achtete de» Schurken nicht und schritt ruhig an ihm vorüber in das Zimmer der Tante. „Was ist geschehen, Manfred?" fragte sie bestürzt, als ich ihr meinen Entschluß mittheilte. „Wie erregt Du aussiehst!?" Sie strick mir das wirre Haar aus der Stirn. — „Warum willst Du uns verlaffen? Hat Dir mein Mann wieder einmal Vorwürfe gemacht, weil Du bei uns Nichts genießen willst? O, dieser Gottlose! In seinem verblendeten Verlangen, mit aristokratischen Kreisen intimer verkehren zu können, zwang er mich und uns Alle, ein unjüoisches Leben zu führen. Ach wie bewundere ich Deine Seelenstärke, Deine Festigkeit! So jung und doch so viel Willenskraft! Wie Peinigt mich mein Gewissen, daß ich zu schwach war, der Eitelkeit meines Mannes Trotz zu bieten. Sei gesegnet, mein Kind, daß Du so standhaft bist, und bete zum lieben Gott, daß er mir meine Schwächen und Sünden verzeihe." „Tante, liebe Tante, wie bedauere ich Dich und wie schmerzen mich Deine Gewiffensqualen. Aber ich glaube, die Dankbarkeit, die ich Deinem liebevollen Herzen schulde, nicht besser bethätigen zu können, als indem ich Dir erkläre, daß Du mit Selbstanklaqen, und seien sie noch so aufrichtig, niemals zum Ziele gelangst. Du mußt tapfer kämpfen, bis Du den Onkel zum Pfade der Pflicht zurückgeführt hast. Willst Du mir eine Bitte gewähren, Tante? Ich sehe es in Deinen Mienen, Du willst. Nun, dann suche es zu ermöglichen, daß ich Nelly ein- oder zweimal wöchentlich Religionsunterricht ertheile. Sie sprach selber den Wunsch aus, und Du wirst ihn gerne verwirklichen helfen. Ist dies der Fall, dann hoffe ich, daß Du an Nelly eine starke Stütze gewinnst und bald von der Last der Gewiffensqualen befreit bist." „Wie bin ich Dir dankbar für diesen Dienst, mein Kind!" rief die Tante und Thränen perlten aus ihren Augen. „Mit meinem Herzblut werde ich diesen Unterricht für Nelly zu erkaufen suchen!" Ich küßte innig ihre Hand. „Sei gesegnet, mein liebes Kind."- Die Morgenröthe schimmert durch das Fenster meines bescheidenen Zimmers, das Licht auf meinem Schreibtisch erblaßt. Ich bin müde und will die wenigen Stunden noch der Ruhe widmen. (Fortsetzung folgt.) Der -Israelis erscheint wöcheHtlich iwelmal, Montag» und Donneratag«, jedeSmal in mindesten« zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Per Buchhandel verkehrt durch T /.Pteluucker, Lripstg, Pvhplah l6. — Inserate 25 Pfennig die Ispaltige Petitzelle oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. öfterr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franeo einzusenden. Time »tldseuduug von an die Redaktion -ingesandten Manuscripten findet nicht statt, man Bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copte -urückzubehalterr. Inhalt (Hauptblatt) Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Leipzig. Frciburz. Oesterr-Ungar. Monarchie: Wien. Lemberg. — Vereinsnachrichtcn. — Vermischtes. — Feuilleton: Getreu bis in den Tod. Von Maurice Macon. (Fortsetzung.) Anhalt dev ersten Beilage r Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Franksuri a. M. Myslomitz. Aus W stfalen. Bayreuth Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Leniberg. Budapest. Frankreich: Paris. Palästina: Jetufalem. Jaffa. — Vermischtes. Pädagog Beilage Konferenz anhaltischer Religionslehrer. Extra Beilage r Spendenverzeichnisse.__ __ _ _ Verantwortliche Redaktion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«