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Der Israelit · 1897-05-06 · Heft 36 (6.5.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 36 (6.5.1897)
Date
1897-05-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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-j, p»j- ,H|W.^.y-.i W 669 willst mir trotzen?" Und zu mir gewendet, fuhr er mit zuckenden Lippen fort. „Manfred, Manfred" bedenke, was Du redest! Du weisest Deinen Onkel, Deine einzige Stütze von Dir. Ist Dankbarkeit nicht ebenfalls ein Gebot jener Lehre, zu deren Vertheidiger Du Dich aufwirfst? Warum willst Du nun gegen Deinen Oheim, der Dir Alles bietet, undankbar fein?" „Du schmerzt mich tief, Oheim," erwiederte ich, „daß Du glaubst, ich sei Dir für die mir erwiesenen Wohlthaten nicht dankbar; aber ich kann und darf diesen Schein von Dankbarkeit nicht durch eine Undankbarkeit gegen Gott meinen Schöpfer erkaufen!" „Du mußt mich schon entschuldigen, lieber Papa!" fiel ^celly rasch in's Gespräch. „Aber ich finde in Manfred's Benehmen durchaus keine Undankbarkeit; als charakterfester Mann kann er eben nicht anders handeln! Sein Auftreten verdient eher unsere Hochachtung als solche — Du verzeihst den Ausdruck — unverzeihlichen Vorwürfe!" Mein Auge richtet sich voll dankbarer Bewunderung auf das junge Mädchen. Purpurröthe stieg ihr in» Angesicht und sie senkte den Blick. „Schweig' Kind, schweig! Geh' auf Dein Zimmer und mische Dich nicht in ernste Gespräche, für die Du kein Verständniß hast." „Doch, doch Papa," erwiederte Nelly eigensinnig und gereizt. „Ich verstehe gerade so viel, um beurtheilen zu können, daß Du kein Recht hast, Manfred seiner Ueberzeuqung wegen zu verletzen!" Ein Bitz entfesselter Leidenschaft stammte in den Augen des Oheims auf, sein Gesicht verzerrte sich, Schaum trat ihm aus die Lippen und seine Fäuste ballten sich. „Auch das noch?" schrie er mit bebender Stimme. — „Auch das noch? Auch Du nimmst Partei gegen mich? Es fehlt nur noch, daß Deine Mutter hier erschiene, damit das edle Trifolium voll ist. Bube!" schrie er mit Heftigkeit und hob drohend seine Hand. „Das ist Dein Werk! Alles verschwört sich gegen mich. Auch mein häusliches Glück wirst Du noch durch Deinen Eigensinn zertrümmern.' Jetzt aber höre, was ich Dir auf Deine verrosteten Pflichten zu erwidern habe — auch ich kann eigensinnig sein, wenn es sein muß? Also höre: Wenn Du bi« morgen jenen Wahnsinn nicht aufgegeben hast, so hast Du von Deinem Onkel nichts mehr zu erwarten — hörst Du? — Nichts, gar nichts, nicht einen Pfennig wirst Du von mir bekommen. Sieh' zu, wie Du mit Deinen Grundsätzen weiter kommst und woher Du Geld für Dein kostspieliges Studium nimmst!" „Vater! Bedenke was Du redest!" schrie Nelly entsetzt auf und Thränen traten ihr in die Augen. „Du bist meiner Bitte zuvorgekommen, Oheim," erwiderte ich, mich gewaltig beherrschend. „Ich wollte Dich soeben bitten, Deine Wohlthaten fürder ablehnen zu dürfen. Es ist eines Mannes, der etwa» gelernt hat und die Kraft besitzt zu arbeiten, unwürdig, auf die Güte Anderer angewiesen zu sein. Ich fühle mich Mannes genug, um für mein bescheidenes Leben selber sorgen zu können!" Mein Onkel lachte grell und hohnvoll auf. „Und wie willst Du für Dein Leben sorgen, verblendeter Thor! Meinst Du, mit Deiner Gymnasialbildung schon ein fertiger Mann zu fein, der nur seine Hand auszuftrecken braucht, um die gebratenen Tauben zu fangen? Nein, nein Junge! Ohne die Unterstützung Deines Oheims wirst Du nicht ein einziges Semester Stand halten! Das Leben ist ernst, die Bedürfniffe sind groß!" „Genug, genug, Oheim! Wie ich für mein Leben sorge, das laste meine Sache fein. Du bist am allerwenigsten berechtigt mich danach zu fragen und mich deswegen zu verhöhnen! Mein Streben ist ein redliches, der allgütige Gott wird mir seinen Segen nicht entziehen, und selbst wenn Du mich fußfällig bitten würdest, ein Geschenk von Dir anzunehmen, ich wäre ehrlos, wenn ich es nicht zurückweisen würde." ES waren harte Worte, die über meine Lippen flössen, aber ich fühlte mich durch diese Rohheit in meinem heiligsten Empfinden so tief verletzt, daß die Antwort nicht anders lauten konnte. Nelly schluchzte laut auf und blickte den Vater bittend an. Ich trat einige Schritte näher. „Adieu, lieber Oheim! Verzeihe meine Worte, ich konnte nicht anders! Sei überzeugt, daß ich Deiner Wohlthaten in unwandelbarer Dankbarkeit gedenken werde!" Als ich ihm die Hand reichte, schlang er plötzlich die Arme um meinen Hals und rief mit heiserer Stimme: „Nein, nein! So darfst Du nicht von Deinem Oheim scheiden. O, ich sehe es jetzt ein, ich hatte Unrecht! Willst Du mir verzeihen und meine Worte vergessen?" Er küßte mich auf die Stirn und sah mich flehend an. „Von Herzen gern, lieber Oheim," versetzte ich, gerührt durch diese plötzliche Reue. „Dann wirst Du auch bei un» bleiben, mein guter Junge? Nicht wahr? Du wirft Deinem Onkel ein solches Herzeleid nicht zufügen wollen?" Nelly trat zu mir und ergriff meine Hand mit zärtlichem Drucke. „Auch ich bitte Dich, lieber Manfred, das Geschehene zu vergessen und den Wunsch meine» Vaters zu erfüllen." „Erhöht nicht die Qualen, die in meinem Herzen wühlen!' stieß ich mit beinahe rauher Stimme hervor, denn Nelly's Bitte verwirrte mich, und ich fürchtete, in meinem Vorhaben wankend zu werden. „Mein Entschluß ist unerschütterlich, ich würde mich schämen, jetzt noch Wohltaten von Dir zu empfangen,

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