Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 36 (6.5.1897)
- Date
- 1897-05-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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!I»*IWV 666 Berlin, 3. Mai. Dieser Tage fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Vereins „Freunde der Taubstummen" statt. Dein vom Leiter der Taubstummenanstalt in Weißensee, Herrn Direktor Reich, erstatteten Jahresbericht, entnehmen wir Folgendes: „Der Verein „Freunde der Taubstummen — Jedide Jlmim" hat sich während der Zeit seines dreizehnjährigen Bestehens als so that- und lebensfähig erwiesen, daß er, über ganz Deutschlatid verbreitet, immer mehr an Wirksamkeit gewiilnt. Derselbe wurde auch im ucrftoffcitcu Jahre durch die wohlwollende Unterstützung der Vereinsmitglieder in den Stand gesetzt, einer großen Anzahl von Zöglingen aus den verschiedensten Ländern und Provinzen Deutschlands in der Anstalt zu Weißensee Verpflegung, Unterricht und Erziehung zu gewähren. Die Zahl der Zöglinge betrug im abgelausenen Jahre 37 (24 Knaben und 13 Mädchen), wovon für 10 die volle Pension, für 12 die halbe Pension bezahlt wurde, während 15 im Genüsse von Freistellen waren. Hiervon sind aus Berlin 3, Proviitz Brandenburg 4, Schlesien 3, Posen 6, Ost- und Westpreußen 5, Sachsen 1, Pommern 3, Schleswig 2, Hannover 1, Königreich Baiern 2, Königreich Sachsen 1, Württemberg 1, Großherzogthum Baden I, Elsaß-Lothringen 1, Hessen 3. Die Zöglinge wurden von 4 Lehrern und 1 Erzieherin in getrennten Klaffen nach einem vom Kgl. Provinzial-Schul-Kollegium genehmigten Lektionsplan unterrichtet. Im engen Zusammenhang mit der allgemeinen Ausbildung steht der Religions- und der hebräische Unterricht. Auch dem Handfertigkeits- Unterricht wird die genügende Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet. Der Gesundheitszustand der Zöglinge war ein überaus günstiger, da kein ernster Krankheitsfall im Verlaufe des Jahres vorgekommen ist. Die gesunden Räunre, der schöne, schattige Park, in welchem die Kinder mehrere Stunden des Tages sich an fröhlichen Spielen erfreuen können, haben dazu beigetragen, die Kinder gesund an Leib und Seele zu erhalten. Wie in früheren Jahren, so hatte die Anstalt auch in dem vergangenen Jahre sich mancher Zuwendungen zu erfreuen." Der Redner spricht all den hochherzigen Gebern den Dank des Vorstandes für die den Zöglingen erwiesenen Wohlthaten aus und schließt mit den Worten: „Laffet uns arbeiten, wirken und schaffen für die Unglücklichsten der Unglücklichen, so lange dem Arme die Kraft, dem Herzen die Wärme und dem Geiste das Licht nicht mangelt!" vermischtes. Gleiwitz. Dem Fräulein Elise Troplowitz ist kürzlich die Rettungsmedaille verliehen worden. Die neunzehnjährige Dame bat mit eigener Lebensgefahr eine ältere Dame aus den Fluthen gerettet — In einem Prozesse, welchen ein jüdischer Kaufmann gegen einen Geschäftskollegen christlicher Religion angestrengt hatte, sprach sich hier der Erste Staatsanwalt Muhlcin in beherzigcnswerther Weise gegen die jetzt so vielfach vorkommenden Beleidigungen von Israeliten um ihres Glaubens willen nuS. Er führte nach dem Neuen „Gleiw Jntell.-Blatt" u. A. aus. daß leider immer noch verschiedene Klassen der Bevölkerung in den Juden eine mindermerthigc Rasse von nicht gleichberechtigten Mitbürgern sehe. Dieser Meinung müsse man ganz energisch entgegentreten Lemberg. Zur Ehrung des Dircctors der galizischcu Hypothekenbank Herrn Moritz Lazarus, welcher in wahrhaft fürstlicher Munificenz aus eigene Kosten ein Spital für 80 Betten zu erbauen siäi erbot, fand dieser Tage im festlich geschmückten Rathssaale eine feierliche Versammlung statt, zu welcher der Eultusratb das Rabbinat, die Vo. sicher des Spitales und der Snnagogen, sowie sämmtlicbc Lehrer und Beamte eiugeladen hatte. Der Präsident des Cultusrathes, Herr Samuel Edler v. Horowitz, die Rabbiner Ehrwürden Schmelkes, Dr. Caro und Halpern, feierten in warm empfundenen Worten die hervorragenden Herzens und Charaktereigenschaften, die rastlose Energie nnd Tüchtigkeit, die echt jüdische Gesinnung des hochherzigen Spenders. Hierauf begrüßte namens des Svitalsrathes Herr Emil Edler v. Mises den edlen Stifter unter Ueberreichung einer prachtvoll gebundenen Adresse, die er zur Verlesung b achte und welche vornehmlich auf das glänzende Beispiel hinwies, wie ein Mann von Her;, der in seinem Leben viel gekämpft und viel errungen, in einer Zeit so tiefgehender socialer Gegensätze und Zerklüftung, die Pflichten des Besitzes auffaßt. Herr- Lazarus sprach tief gerührt seinen herzlichsten Dank für diese Ovation aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sein Beginnen Nachahmung finden werde. Die hiesige Waisenhauskapelle hatte das Erscheinen des Stifters mit ihren Klängen begrüßt und schloß auch in gleicher Weise die erhebende Feier. Acrriüetott. Getreu bis in den Tod. 10) Von Maurice Ma?orr „Bravo, bravo lieber Manfred! Das war eine Zurechtweisung, an die inein Väterchen sein Lebenlang denken wird. Und wie entzückend Du in Deiner Begeisterung aussiehst! Schade, Du solltest eigentlich Staatsmann werden; Deiner feurigen Rede würde Niemand widerstehen können. Habe ich nicht Recht, Väterchen?" Relly war während meiner Erwiederung, ohne daß ich es im Eifer des Gespräches gemerkt hatte, in's Zimmer getreten. „Ja, ja, lieb Väterchen", fuhr sie mit schalkhafiem Lächeln fort, „bei Manfred scheinst Du mit Deiner Weisheit nicht gut angekommen, er ist eben gegen jeden Angriff gemappiet und gerüstet! Spare also Deme Mühe! Du dürftest in diesem Augenblick um so weniger auf Erfolg rechnen, als er auch mich durch die Gewalt seiner Rede halb und halb für seine Ueberzeugung gewonnen bat!" Das plötzliche Eingreifen Nellys schien den Zorn meines Oheims nur noch gesteigert zu haben. Ein finsterer Blick traf mich, während er in ein hohnvolles Lachen ausbrach. „Wie? Auch Du? Auch Du