Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-05-06 · Heft 36 (6.5.1897) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 36 (6.5.1897)
Date
1897-05-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448739--43833-2492900
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

■ »; ft* *»m% W KV .-. f4 n; ._ji vi.n, 665 angestrengt habe. Herr Arwas schreibt: „Die beleidigenden Behauptungen, die Herr Dr. Hildesheimer und Andere nach ihm gegen nlich gerichtet haben, sind sämmtlich falsch. Meine Papiere sind in untadeliger Ordnung. Die von mir gesammelten Gelder sind stets unverkürzt nach Jerusalem gegangen. Jedes Mitglied der armen Gemeinde der marrokkanischen Juden dort hat seither monatlich 30 Piaster, jede Familie bis zu 100 Piaster erhalten." — Herr Arwas theilt ferner die Aeußerungen zweier in Jerusalem erscheinenden jüdischen Zeitungen mit, welche erklären, „daß Herr Rabbiner Arwas in jedem Betracht zuverlässig ist, daß alle üblen Nachreden auch nicht eine Spur von Berechtigung haben, sowie daß Jeder, der diesem Mann hülfreich zur Hand geht, ein wirklich gutes Werk vollbringt". Die „Jüd. Presse" ist nunmehr an der Reihe, die Zuverlässigkeit ihrer Nachrichten Nachweisen zu müssen. Berlin, 2. Mai. Im antisemitischen „Volt" erscheint soeben eine Serie von Artikeln über die Lage in der Provinz Posen. Darin heißt es über die Juden in Posen: „Auch die Juden der Provinz, die, wie zu ihrem Lobe gesagt werden muß, durchschnittlich bescheidener und zurückhaltender auftreten, wie sonst in Deutschland, sind in ihrer Gesammtheit dem deutschen Element zuzurechnen. Sie selbst zählen sich unbedingt dazu, und es kann auch kaum einem Zweifel unterliegen, daß dieselben, so lange ein feste» deutsches Regiment im Lande ist,, niemals mit den Polen gemeinsame Sache machen werden." Nun also! Leipzig, 2. Mai. Es ist erfreulich, über ein Wohlthätigkeitsinstitut berichten zu können, wie die hier seit über einem Jahr bestehende jüdische Speiseanstalt, die mit einem Kinderhort verbunden ist, und bei der in jeder Beziehung der alte Spruch: „Aschre maskil el dol“ in der feinsinnigen, edelmüthigen Art, wie der Armuth geholfen wird, zur Geltung gekommen ist. Kinderhort und Speiseanftalt befinden sich in dem Hause Nordstraße 15, das ein um eine große Anzahl jüdischer Institutionen hochverdienter Wohlthäter gekauft und dem die beiden Anstalten leitenden Komitee überwiesen hat. Das Komitee besteht aus Frau Dr. Porges, Frau Rabbiner Horowitz, Frau Anna Cohn, Frau Nelke, Frau B. Breslauer, Selma Frank, Bertha Levy, Frau Amalie Zander, Herr A. Jacob, Jacob Blumenfeld, A. Kraft. Im Kinderhort hat Frl. Jakobsohn, die Tochter des in weiten Kreisen bekannten Eantors Jakobsohn, die pädagogische Leitung übernommen, während Frl. Emilie Grünhut als Ehrenfräulein sich mit Aufopferung der Pflicht unterzieht, die im Hort befindlichen Kinder, z. Z. 36 an der Zahl, zu beaufsichtigen. Es sind zumeist Kinder armer Glaubensgenoffen, die durch ihre Beschäftigung von Hause fern gehalten werden, die hier ein Asyl gefunden haben. Im Hort sowohl wie in der Speiseanstalt wird alles Wohlthun in edelster Form geübt. Diesen Geist athmen auch die Inschriften mit hebräischem Text an den Wänden der Säle: „Kommt Kinder, höret auf mich, Furcht des Ewigen werde ich Euch lehren." — „Wenn Du Dich von Deiner Hände Arbeit ernährst, Heil Dir und wohl Dir." — „Es ist Dir gesagt worden, was der Herr von Dir verlangt." — Wer den Armen beisteht, der leiht dem Ewigen." — „Aller Weisheit Anfang ist Gottesfurcht." Im Eintrittsraum, in dem sich auch eine Jahrzeitstafel befindet, grüßt uns der schöne Spruch: „Der Edle räth nur Edles". Der Arme, der in der Speiseanstalt gespeist wird, sowohl wie Diejenigen, die das Essen nach Hause holen lassen, sollen nicht empfinden, daß ihnen ein Almosen gespendet wird, es wird ihnen alles im Geiste echt jüdischen Gemilus Chessed in freundlicher Weise gereicht. Am Freitag werden doppelte Portionen ausgetheilt, da am Sabbat Speisen hier nicht bereitet werden. Im Sitzungszimmer prangt das Bild des Leipziger Wohlthäters, der mit voller gütiger Hand den größten Theil der Mittel zur Errichtung und Erhaltung dieses segensreich wirkenden Institutes gespendet hat. Schreiber dieser Zeilen, der der Anstalt in Augenschein genommen, kann es jedem Glaubensgenossen, der nach Leipzig kommt, empfehlen, sich diese nachahmungswerthen Einrichtungen anzusehen. Das Komitee geht jetzt mit der Absicht um, schon in allernächster Zeit in den Räumen der Anstalt auch eine jüdische Lesehalle zu errichten. Freivurg, 2. Mai. Die „Badische Presse" schreibt: Eine Art Monstreprozeß, was das Beweismaterial anbelangt (es sind 94 Zeugen und noch ein Sachverständiger dazu geladen), nahm dieser Tage vor der Strafkammer seinen Beginn. Dem Umfang desselben entspricht indessen das .von ihm gebotene Interesse in keiner Weife; es handelt sich lediglich um verschiedene Betrügereien beim Viehhandel, wie sie wohl nicht allzu selten Vorkommen. Angeklagt sind {bie Handelsleute Jakob und Max Wertheimer von Altdorf wegen Wuchers, Betrugs und Erpressung. Nach dem verlesenen Verweisungsbeschluß sind die Angeklagten beschuldigt, daß 1. sie als Handelsleute ihren Schuldnern nicht die gesetzlich vorgeschriebenen schriftlichen Rechnungsauszüge beim Jahresabschlüsse übergeben haben, 2. sie gemeinschaftlich am 11. September v. Js. den I. Sch. von Furtwangen dortselbst bei einem Roßlausche betrogen haben, indem sie unter dem Vorgeben, das von ihnen zu liefernde Pferd sei erst 14 Jahre alt, dem Sch. ein bereits mehr als 20 Jahre altes Roß vertauschten, wofür Sch. noch 120 M. Aufgeld zahlen mußte;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.