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Der Israelit · 1897-05-06 · Heft 36 (6.5.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 36 (6.5.1897)
Date
1897-05-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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* ,7 ■,.«WB»^jrli^*j%< ^»^fyygaf^^ 'T 664 sonst ganz guten und geschäftsgewandten jungen Sohn statt seiner nach Leipzig zu senden. Er stattete ihn mit allem Röthigen aus, gab ihm die entsprechenden Summen für den Einkauf und bezeichnete ihm die Maaren, die er zu haben wünschte. Bei der Abreise legte der Vater seinem Sohne noch die Bitte an's Herz, sofort nach seiner Ankunft seinen alten Bruder, der in Leipzig wohne, aufzusuchen und ihm die Grüße des Vaters zu überbringen. Gehorsam erfüllte der Sohn die Bitte des Vaters, überbrachte dem alten Onkel dessen Grüße und begab sich in sein Gasthaus, um sich von den Strapazen der Reise ein wenig auszuruhen. Er war indeß kaum in seinem Hotel angelangt, als die Geschäftsfreunde des Vaters bei ihm erschienen und ihm die von ihm benöthigten Maaren anboten. In dem jungen Manne, obgleich sehr müde und angestrengt von der Reise, regte sich doch der angeborene Geschäftsgeist und er wollte die Freunde nicht wieder fortgehen lasten, ohne seine Geschäfte vollkommen zur Zufriedenheit seines Vaters erledigt zu haben. Er besorgte die Einkäufe mit großer Mühe und Gewissenhaftigkeit und als er dieselben beendet hatte, da fiel ihm erst ein, daß er sich eigentlich die Stadt noch nicht angesehen und sich noch gar nicht amüsirt habe. Ach, sprach er bedauernd, ich hatte mir meine Reise hierher so schön ausgemalt, ich wollte, bevor ich meine Einkäufe besorgte, mich ein wenig vergnügen, unterhalten und scherzen, wollte Theater und Circus, Cafö und Wirthshäuser besuchen, und nun habe ich kaum noch so viel Geld übrig, um damit nach Hause fahren zu können, ja nicht einmal ausruhen konnte ich mich hier. Da erschien der alte Onkel wieder und sprach zu dem 'Resten: Ich bin es gewesen, der die Geschäftsfreunde so schnell geschickt; hier ist nicht der Ort für Vergnügen, Unterhaltung und Scherz, auch dem Schlafe kannst Du Dich zu Hause bequemer hingeben; hier hattest Du nur die Aufträge Deines Vaters auszuführen und wer weiß, ob Du hierfür den entsprechenden Betrag übrig behalten hättest, wenn Du vorher Deinem Vergnügen nachgegangen wärest, und dann hättest Du Deinen Vater sehr erzürnt. Aehnlich wie diesem jungen Manne geht es Israel; auch es möchte die Welt genießen, möchte seinen Leidenschaften die Zügel schießen lassen und sich voll und ganz in die Arme des Vergnügens, der Unterhaltung und des Scherzes werfen, aber durch die Erfüllung seiner Religionsgefetze ist es gezwungen auf alle diese Genüsse zu verzichten und sich rein und keusch, kraftvoll und lebensfroh zu erhalten. Nur weil Gott sein Volk beglücken wollte, mehrte er ihm Thora und Mizwoth, mit diesen sollen wir uns so emsig beschäftigen, daß wir Vergnügen, Unterhaltung und Scherz nicht nur einschränken, sondern für dieselben aus treuer Pflichterfüllung gar keine Zeit übrig haben. Bethätigen wir in dieser Weise pintF! nrw n:en jnjjm wpo, dann wird die Thora unser unverlierbares Eigenthum. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 4. Mai. Fast sämmtliche Berliner Lokalblätter brachten diese Woche folgende Notiz: Als ein Gauner hat sich der angebliche Oberrabbiner Arwas von Jerusalem erwiesen, dem es sogar nach einer jüngst durch die Blätter gegangenen Meldung gelungen war, die Ermächtigung des Ministers, in allen preußischen Provinzen Sammlungen zu Gunsten der marokkanisch-jüdischen Gemeinde in Jerusalem vorzunehmen, zu erschleichen. Auf Grund dieser Erlaubniß brachte er an verschiedenen Orten, nicht zumindest in Berlin, wo er noch gegenwärtig weilen soll, erhebliche Summen zusammen. Das Benehmen des sehr sicher auftretenden Mannes, der sich auf feinen Visitenkarten als Cavaliere Giuseppe Arwas uno dei primi Rabbini Maggiori di Gerusalemme bezeichnete, erweckte bei einigen hervorragenden Mitgliedern der hiesigen jüdischen Gemeinde Verdacht, der sich als berechtigt erwies. Es wurden in Jerusalem an einwandsfreier Stelle Erkundigungen eingezogen, wobei es sich herausstellte, daß es dort nie einen Rabbiner dieses Namens gegeben und man es mit dem Haupt einer gefährlichen Schwindlerbande zu thun habe. Arwas hielt, mit gefälschten Papieren ausgestattet, seit drei Jahren einen förmlichen Raubzug durch Europa, während dessen er seine Spießgesellen in Palästina mit geringen Beträgen abspeiste und den Löwenantheil an der ergaunerten Beule in seine eigene Tasche steckte. Der Glücksritter verwendete einen Theil des gesammelten Geldes zum Ankauf von Liegenschaften, so daß es vielleicht noch gelingt, ihm wenigstens etwas von seiner Beute abzujagen. Arwas spricht nur italienisch und hebräisch und hatte deshalb stets einen Dolmetscher bei sich. Bezugnehmend auf diese von uns dem „Berl. Börs.-Cour." entnommenen Mittheilungen schreibt Herr Josef Arwas, „Einer der Oberrabbiner der marokkanischen Gemeinde in Jerusalem, zur Zeit in Berlin," daß die ihn verdächtigenden Angaben aus der „Jüdischen Presse" des Dr. Hirsch Hildesheimer stammen, gegen den er bereits Verleumdungsklage

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