Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 35 (3.5.1897)
- Date
- 1897-05-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXYIII. Jahrgang. Mage M M 35 -es „Israelit". Literarisches. Offenbach a. M., 30. Avril. Nr. 23 dieses geschätzten Blattes bringt eine Besprechung meines Txp „das Gebetübersetzen als Gebetunterricht." Der Rezensent, der in der Einleitung mein „Streben nach Belebung de« vielfach leider vernachlässigten Religionsunterricht" als „höchst rühmlich" anerkannt, wird es gewiß selbst für wünschenswerth halten, wenn ich mich sachlich gegen ihn vertheidige. Mit einem Gedankenstrich deutet er einen Vorwurf gegen die Quantität meine- Büchlein« an. *) Da es ein absolut neuer Versuch ist, so gebietet schon das imwi bz eine gewisse ökonomische Sparsamkeit. Zudem reicht dieses erste Heft für die weitaus meisten Schulen für ein Jahr aus. Der Rezensent fragt: „ob es überhaupt wünfchen-werth erscheint, die Konservation-methode zur Erlernung der hebräischen Sprache anzuwenden, die ja doch die Sprache des täglichen Lebens in Deutschland weder werden soll noch will?" Ich antworte darauf: nein! Es ist nicht wünschenswerth, die hebräische Sprache?) nach der Konversationsmethode zu lernen, u. z aus dem Grunde des Herrn Rezensenten. Aber ist denn mein „Kozir berino" ein 1) Herr Dr. G. ist hier — allerdings optima ride — "nm — Tie verehrt, fftebaction wird gerne bereit sein, nach meinem Manuskripte zu bestätigen, daß der Gedankenstrich gar nicht böse gemeint war. Als gewissenhafter Rezensent wollte ich auch den Umfang des besprochenen Buches angeben und schrieb anstatt der Klammer als Parenthesezeichen zwei Gedankenstriche, deren zweiter (nach „starken" stehende) vom Druckfehlerteufel in einen Bindestrich (-) verwandelt wurde. Ich bedauere, daß dadurch Herr Dr. G. veranlaßt wurde, in meinen Worten einen Vorwurf zu finden, der mir fern liegt. — Daß ich mit dem Druckfehlerteufel überhaupt auf gespanntem Fuße stehe, und daß er mir gerne ein Schnippchen schlägt, beweist der Schlußsatz meiner in Nr. 24, Leite 477, enthaltenen Korrespondenz, wo durch ein Druckversehen das Wort „beseitigen" (nach: „Druckfehler") beseitigt wurde und dadurch den Druckfehlern, die ich ausmerzen wollte, die gleiche Vervollkommnung wie den Rödelheimer Verlagswcrken gewünscht wird. 2) „Erlernung der hebräischen Sprache" war nicht mit Betonung des Wortes „Sprache" zu lesen, mithin nicht in der Bedeutung von: „Erlernung der hebräischen Sprachlehre", sondern gleich „Erlernung des hebräischen Sprachschatzes (oder, wenn jedem Mißverständniß vorgebeugt werden soll, des „Sprachschatzes d e r G e b e t e") zu verstehen; und auch die Frage, „ob es wünschenswerth erscheint, dafür die Konversationsmethode azuwenden, sollte", so schrieb ich, „fetzt nicht erörtert werden", sondern „die Praxis soll s. Z. ihr Urtheil sprechen", das allerdings nach meinem unmaßgeblichen Dafürhalten nicht die Erwartungen des Herrn Verf. rechtfertigen wird. Lehrbuch der hebräischen Sprache? Es ist ein Leitfaden für den Gebet-Unterricht, und nicht« mehr. Zur vollständigen Kenntniß und Beherrschung der hebräischen Sprache kann unsre Religionsschule den Schüler nicht bringen; dagegen erstrebe ich eine vollständige Kenntniß und Beherrschung de« Gebetbuches sowohl sprachlich, als inhaltlich, und halte ich die» Ziel auf dem von mir angelegten Wege erreichbar.1 2 3) Der Schüler soll die Gebete nicht bloß in der gegebenen Wortfolge übersetzen können, sondern auch in abgeänderter Wortfolge die Sätze des Gebete» verstehen, er soll innerhalb de» Sprachschatzes unsere» Gebete» eine gkwiffe Gewandtheit, eine gewisse, durch Selbstthätigkeit zu gewinnende Freiheit und Herrschaft erlangen, und ebenso soll das Kind den Inhalt, die Gedanken, den Lehrstoff der Gebete mit voller Klarheit und mit lebendigem Interesse in sich aufnehmen. Da» ist allerdings nicht nur wünschenswerth, sondern geradezu erforderlich, wenn da» Hebräische die Gebet- Sprache derSynagoge bleiben soll. Denn die Sprache der Synagoge hat ein ungeheuer rasche» Tempo, die Synagoge setzt eine Geläufigkeit in den Gebeten voraus, die keine lebende Sprache der Welt verlangt, ja auch nur zuläßt. Und zur Erlangung dieser synagogalen Geläufigkeit halte ich die Konversations-Methode, wie der Herr Rezensent es nach der äußerlichen Form nennt, nicht nur für wünschenswerth, sondern geradezu für unentbehrlich. Da ich in diesen Zeilen nur die Fachmänner im Auge habe, so genügen diese kurzen Darlegungen. Aus diesem Gesichtspunkte, daß es sich in unserer Religionsschule nicht um die Sprache, sondern die Gebete handelt, erledigen sich auch einige Einwürfe des Herrn Rezensenten bezüglich der Orthographie. Wenn ich in nv das Patach Anfang» auch vor Kehllauten laste, so geschieht e», um das Kind nicht zu verwirren. Da mir die Erlernung der Gebet» Stelle und nicht die Grammatik die Hauptsache ist, so hat da- Pädagogische für mich eben schweres Gewicht. — Ebenso wenn ich auf da» klare Verständniß des so schwierigen 'nv hinsteuere, so behalte ich da« Dagesch auch bei bei, um nicht in die Lage zu Wenn, wie Herr Dr. G. oben schreibt, „dieses erste Heft für ein Jahr ausreicht", wie viele Jahre brauchte man dann (selbst, wenn man natürlich in den höheren Klassen eine schnellere Behandlung eintreten läßt), um „die vollständige Kenntniß und Beherrschung des Gebetbuches" und die synagogale Geläufigkeit zu erlangen? Da dürfte denn doch die Erreichbarkeit des erstrebten Zieles sehr berechtigten Zweifeln unterliegen-