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Der Israelit · 1897-05-03 · Heft 35 (3.5.1897) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 35 (3.5.1897)
Date
1897-05-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Hause zu bleiben und daß ich nur widerstrebend Deiner Einladung Folge geleistet und Dein Haus betreten habe." Jähe Röthe schoß in das Gesicht des Oheims; er schien sein Unrecht eingesehen zu haben und seine Heftigkeit zu bedauern. „Run, nun, so war es doch nicht gemeint," entgegnete er verlegen und kleinlaut. „Und im Grunde hast Du auch nicht so ganz Unrecht. Auch dem Freiherrn von Botikoff hast Du eine sehr taktvolle Antwort gegeben. Jndeß wird es so nicht fortgehen können! Du mußt diese Dummheiten ein für alle Mal aufgeben . . . Wozu sollen sie führen?" fuhr er mit erwachender Heftigkeit fort. „Wie willst Du in der Gesellschaft verkehren? Hast Du daran schon gedacht, mein Junge? Was für einen polnischen Bachur paßt, das ist für einen preisgekrönten Studenten lange nicht mehr geeignet. Gib' die veralteten Gebräuche auf; sie paffen in die Rumpelkammer, aber nicht in unser philosophisches Jahrhundert hinein, und sei mein guter, lieber Junge! Sieh', Du bist der einzige Verwandte, den ich noch besitze; warum soll ein thörichter Wahn das verwandtschaftliche Band lösen?" „Es thut mir sehr leid, theurer Oheim, Deinem Wunsche nicht entsprechen zu können; aber selbst wenn mein Vater eine solche Forderung an mich stellte, ich würde ohne Bedenken der höheren Pflicht folgen und seinen Wunsch unerfüllt lassen, auf die Gefahr hin, seine väterliche Liebe einzubüßen. Jene Gebräuche, die Du veraltet und unzeitgemäß nennst, sind mir nach meiner innigen Ueberzeugung von ewig jugendlichem Glanze, erhaben an Raum und Zeit, denn sie sind Gebote Gottes — und so wenig Gott selbst jemals altert, ebensowenig werden es jemals seine Worte werden. Aber selbst wenn die Gesetze alt wären, würde dadurch ihr Werth vermindert? Ist der Werth alter goldener Gefäße, alter Diamanten geringer, als solcher, die erst gestern die Werkstätte des Meisters verließen? Umgekehrt, je höher ihr Alter, desto größer ihr Werth. Warum sollte die Religion, die meine Ahnen mit ihrem Blute vertheidigten, viele Jahrtausende hindurch getragen haben, plötzlich den ursprünglichen Werth verloren haben? Sollte nicht das Unzeitgemäße und Zwecklose, das Du an ihnen wahrzunehmen glaubst, mit der Unbequemlichkeit zusammenfallen, die vielleicht ihre Erfüllung bereitet? Nun, theurer Oheim, mir sind jene ehrwürdigen Gesetze und Gebräuche nicht unbequem; denn sie sind die kostbarsten Schätze meines Volkes, welche es mit seinem edlen Blute erkauft und erkämpft hat! Sie müssen daher jedem Juden werthvoller sein, als alle irdischen Reichthümer! Du bist ferner im Jrrthum, wenn Du glaubst, daß ich dem Freiherrn von Botikoff deshalb in jener Weise geantwortet habe, weil ich mich schämte einzugestehen, daß ich ein gefetzestreuer Jude bin. Nein, wahrlich nicht! Ich bin stolz darauf, Bekenner dieser erhabenen Religion zu sein; ein Ring aus der Kette jenes Volksstammes zu bilden, welcher vom Höchsten zum Wächter seiner ewigen Wahrheiten erkoren wurde! Aber ich wollte Dich nicht verletzen, weil ich Deine Anschauung leider, leider kannte, und nur deshalb gab ich jene ausweichende Antwort!" (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 7. Mai, 5. Jjar. Sabbat-Anfang in Mainz 7 Uhr 25 Min. Samstag, 8. Mai, 0. Jjar, '2 p35 3"raö D’BHp. Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt a. M. 8 Uhr 40 Min. — Berlin 8 Uhr 80 Min. — München 8 Uhr 20 Min. — Hannover 8 Uhr 47 Min. - Stuttgart 8 Uhr 80 Min. — Prag 8 Uhr 10 Min. - Straßburg 8 Uhr 45 Min. Montag, 10. Mai, 8. Jjar, up myn. Der .givatUt* erscheint wöchentlich sw eimal, Montags und Donnerstags, jedesmal tn mindestens -wer Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Polt 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonntrt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der stkchhnntel verkehrt kvrch 6. f. -trtvacker, Lrtpstg, Moßptatz 1«. — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltige Petilzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr.. für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Cia# MMfta»aai »ots arr die Redaktion eingesandten Manuseripten findet nicht statt, man kittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Eopie rnrückrnbehalten. aalt (Hauptblatt). Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Mainz. Kempen. Straßburg. Oesterr-Ungar. Monarchie: Lemberg. Neutra. Rußland: Odessa. Bulgarien: Sophia. England: London. Amerika: Nem-2)ork. Indien: Bombay. Afrika: Kimberley. — Literarisches — Feuilleton: Getreu bis in den Tod. Von Maurice Macon. (Fortsetzung.) Inhalt ber Beilage r Literarisches. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hochfelden i. Cr. Saarburg i. E. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Lemberg.— Vermischtes.__ Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraßc Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierz« eine Beilage

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