Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 35 (3.5.1897)
- Date
- 1897-05-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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652 ein Rabbiner, Emil G. Hirsch, übrigens derselbe Vertreter der Reform in Chicago, der kürzlich eine Frau in seiner Synagoge predigen ließ, neuerdings im „Times Herold" erklärt, die Beobachtung des jüdischen Sabbat sei unvereinbar mit amerikanischem Patriotismus. Sollte der gute Mann vielleicht mit Ahlwardt Freundschaft geschloffen haben? Indien. Bombay Im Kampfe mit der Pest erlag ein junger Arzt, Dr. Abraham Hyams, der Sohn von Mr. Chaim Samuel, dem bekannten Leiter der Schule der Anglo Jewisch Affociotion in unserer Stadt. Sein Tod hat in der jüdischen Gemeinde tiefe Trauer erregt, denn er hatte nicht nur als Arzt einen großen Ruf, sondern ganz besonders wegen seiner Liebenswürdigkeit gegen Arme und Reiche. Er lehrte auch in der Schule Geschichte und Geographie, ohne eine Entschädigung anzunehmen. Sein Begräbniß fand unter ungeheurer Betheiligung statt und zeigte so die große Liebe und Achtung, die er bei all feinen Glaubensgenoffen fand. — Am 14. März hielt die ganze Gemeinde Bne Israel in Soona einen feierlichen Gottesdienst und Fasttag ab, um die göttliche Hilfe gegen die dort stark wüthende Pest anzurufen. Mr. Joseph Ezechiel, ein Student der Bombayer Universität, hatte ein besonderes Gebet für diesen Zweck versaßt und in drei Sprachen, hebräisch, englisch und marattisch, übersetzt. Er hielt auch eine sehr eindrucksvolle Predigt, zu deren Text er Exodus XXXII. U—14 wählte. Afrika. Kimberley. Abermals hat der Aufstand im Betschuanaland Opfer gefordert, und unter den Freiwilligen, welche den Feldzug gegen die Kaffern mitmachten und ihr Blut für die Kolonie opferten, befand sich auch ein jüdischer Offizier der freiwilligen Schützen, Lieutenant Marte Harris, der Sohn des Direktors der jüdischen Schule in Manchester. Unter dem Kommando des Oberst Oelgetty nahm das Schützenregiment an einer Reihe von Gefechten theil, in deren letzten bei Mamssepe Lieutenant Harris tödlich verwundet wurde. Der junge Offizier, der erst im 28. Jahre stand, genoß bei seinen Kameraden und Untergebenen die größte Achtung. Literarisches. Landau E. Dr., Die gegenstnnigen Wörter im Alt- und Neuhebräifchen, sprachvergleichend dargestellt. Berlin. O. Calvary u. Co. 1896. Wir haben das Buch bereits vor einigen Monaten kurz angezeigt. Wie der Titel sagt, will der Verfasser die gegensinnigen Wörter des Hebräischen behandeln. Bekanntlich versteht man unter Gegensinn der Wörter die Wahrnehmung, daß ein und dasselbe Wort häufig einander entgegengesetzte Bedeutungen in sich trägt. Man hat geglaubt, daß schon der Stamm eines solchen Wortes die beiden Kontrastworte in sich berge. Das ist aber ein Jrcthum. In diesem Verstände giebt es keinen Gegensinn. Die Lautgruppe an sich, ist für den Sprechenden jeweils eindeutig. Erst die Vergleichung, die Reflexion schafft den Gegensinn, der also streng genommen nicht im Objecte liegt, sondern das Resultat der subjectiven Betrachtungsweise ist. Auf diesem richtigen Standpunkte steht der Verfaffer, der in den ersten Kapiteln Belege für die Erscheinung des Gegensinns beibringt und ihre verschiedenen Erklärungsversuche bespricht, um dann recht umsichtsvoll in 9 Punkten die Prinzipien des Gegensinns festzulegen. Nachdem der Verfasser dann einen historischen Ueberblick über die Stellung der jüdischen Wissenschaft zu der beregten Frage seit den Zeiten des Talmud kurz skizzirt hat, geht er zu dem Haupttheil seines Buches über. Darin giebt er sein mit großem Fleiß und Eifer zusammengetragenes Material der gegensinnigen Wörter und bemüht sich den Entwickelungsgang der Bedeutungen aufzuweisen. Er hat die reiche Fülle des Stoffes in 10 Kategorien untergebracht. Diese Sammelarbeit ist sehr dankenswerth und wohl nutzbar. Ueberhaupt wird das populär gehaltene Buch vielen einen Einblick in sonst abliegende Gebiete gestatten und den Freund des Hebräischen belehren und aufklüren. Wir dürfen aber nicht verhehlen, daß die Ergebnisse des Buches, soweit sie die vorhandenen Erscheinungen erklären wollen, in zahlreichen Fällen unzuverlässig und irrig sind. Es fehlt da bedauerlicher Weise an der richtigen wissenschaftlichen Grundlage. Im Titel heißt es: „sprachvergleichend dargestellt". Die erste Voraussetzung aller Sprachvergleichung ist jedoch dem Buche nicht eigen, die richtige Kenntniß der semitischen Lautgesetze (vergl. z.B. über das 2 und Gegebene, S. 41, 45, 47, 49; 18T S. 65, xtsn S. 74 u. s. W.) Starke Mißgriffe weisen auch die Etymologieen auf, vergl. z. B. nbi- S. 53 und das Druckfehlerverzeichniß könnte noch um manches Stück vermehrt werden. S. 121 muß natürlich das syr. pw mit r und nicht mit L gelesen werden und hoffentlich ist es doch nur ein Druckfehler, wenn S. 42 yen, Jes. 6, 10 als imp. bezeichnet und „er blendete" übersetzt wird. Ein wissenschaftlicher Werth kann daher dem Buche beim besten Willen nicht zugesprochen werden, wohl aber bietet es dem mit der Materie Unbekannten, wie schon gesagt. Neues, und ist die Stellensammlung nutzbar. Jedenfalls ist äußerste Vorsicht beim Gebrauche geboten.