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Der Israelit · 1897-05-03 · Heft 35 (3.5.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 35 (3.5.1897)
Date
1897-05-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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mmm. Ml... Ä. - J. - * * JW >.' Durch zahlreiche, geheiligte Werke, welche das Judenthum seinen Kindern vorschreibt, läßt es in ihrem Leben keinen Raum weder für das Böse, noch für das Uebermaß. Durch die Erfüllung seiner Religionsgesetze ist Israel gezwungen, auf alle jene Genüsse zu verzichten, welche nichts Anderes sind, als die Gesandten des Todes. Die Sittenverderbniß kann es nicht erreichen, der Auflösung kann es nicht verfallen; denn es ist eingeschlossen in dem Heiligthume des Höchsten, an dessen Pforte die Schlange ohnmächtig ist: das ist das Geheimniß seiner langen Dauer inmitten der Gräber so vieler Nationen. Auch Mitglieder anderer Stationen sind mäßig, sittenrein und enthaltsam, aber die letzte Ursache dieser ihrer guten Eigenschaften ist oft in der Erlangung materieller Vortheile zu suchen. Sind diese erreicht, so verfallen sie oder ihre Nachkommen der Ungebundenheit und ihr Untergang ist beschlossen. Nicht um schließlich reich, mächtig oder angesehen zu werden, enthält sich der Jude jeglicher Ausschweifung. Der Grund für Israels Sittenreinheil ist die Aneignung der Thora, ein Grund, der vor Jahrtausenden bestand und nach Jahrtausenden noch bestehen wird und deßhalb ist Jsrael's Dauer eine ewige. Das Judenthum hat köstliche Vorschriften, wundervolle Lehren und Verordnungen, vorzügliche Rathschläge, um in der iSrael. Familie all die frommen Tugenden, all die edlen und heiligen Sitten, all die guten Werke und all die reinen Gefühle zu erhalten, welche das Leben des Menschen auf der Erde und seine Unsterblichkeit im Himmel bedingen, einer der besten dieser Rathschläge ist derjenige, über den unser heutiges Capitel handelt. Unsere Weisen sagen: „Ordne deinen Willen dem Willen Gottes unter (Sprüche d. Väter, 2. Bch., V. 4). Dieser göttliche Wille ist in unserem Gesetze offenbart; er findet auch einen mächtigen Wiederhall in unserem Gewissen, in unserer Vernunft, in allen reinen und edlen Gefühlen unserer Seele. Das Judenthum verlangt indessen von uns nicht ein ascetisches, einsames, finsteres und trauriges Leben, nicht Selbstqual oder gar vollkommenes Enthalten vom Erlaubten. „Welches ist der rechte Weg," sagen unsere Weisen, „den man wählen muß? Derjenige, welcher gut ist für den Menschen und ihm Ehre bringt bei seinen Mitmenschen," — ein Betragen, welches heilsam für uns und nützlich für Andere ist. Gott verlangt Nichts, was dem Menschen schädlich ist. Er will durch Seine heiligen Gebote erst unser wahrhaftes Leben begründen enr tu. Die Erhaltung der Gesundheit und des Lebens ist dem Juden eine heilige Pflicht (Joreh Deah Eap. 345, ß 1);, nur wenn es sich um Götzendienst, Mord und Blutschande handelt, ist der Mensch verpflichtet, eher 646 zu sterben, als in diese schweren Verbrechen zu willigen. Der Talmud enthält zahlreiche Vorschriften zur Erhaltung der Gesundheit, namentlich Ermahnungen zur Mäßigung, Nüchternheit und Sparsamkeit. Die Ausübung des Religionsgesetzes muß vor jeder gefährlichen Krankheit zurückweichen. Unsere Religion gebietet uns, unser Brod durch rechtschaffene, regelmäßige und versittlichende Arbeit zu gewinnen. Viele unserer großen Talmudlehrer betrieben ein Handwerk oder arbeiteten im Tagelohn. Rabba sprach zu seinen Schülern: „Kommet nicht zu mir im Frühjahr und im Herbst; denn das ist die Zeit der Feldarbeiten" (Berachot 35 d). „Ernährst du dich von deiner Hände Werk, Heil dir und wohl dir," heißt es im 128. Psalm. Rabbi Juda pflegte zu sagen: „Wer seinen Sohn kein Handwerk lehrt, erzieht ihn zu einem Räuber." (Kiduschin 30 1>.) Selbst die nothwcndigsten körperlichen Genüsse sollen nur dazu dienen, den Körper im Dienste Gottes zu kräftigen und in diesem Sinne sagen unsere Weisen: bw txh yvnm by und alle deine Werke seien Gott geweiht.' Man kann die israelitischen Vorschriften, welche die Sittlichkeit, die Strenge und Heiligkeit der 'Litten zu allen Zeiten, insgeheim und öffentlich, bei Tag und bei Nacht, in allen Lagen und Zuständen des Lebens, nach Tausenden zählen; dazu kommen die Rathschläge unserer Weisen, uns von der Versuchung und von der Sünde zu entfernen und uns zu begeistern für tugendhafte Werke und heilige Gedanken. Wie die zärtlichste Mutter wacht die Religion Israels über ihre Kinder, über jeden ihrer Schritte und jedes ihrer Worte, läßt sie nicht einen Augenblick aus den Augen, um sie zu bewahren vor jeder Gefahr, vor jedem Unglück, vor jeder Verirrung, vor Sturz und Tod. Vor allem ist die Keuschheit, die Beherrschung der Sinne, der Gegenstand der lebhaftesten Sorgfalt des Judenthums. Israel hat in dieser Beziehung Belehrungen und Ermahnungen, wie kein anderes Volk, empfangen. Das Bild der Verführung, welches Salomo gezeichnet hat (Mischte Cap. 7), ist unerreicht geblieben. Die Unreinheit der Sinne, die Verderbniß der Sitten ist die größte Schande in den Augen des Gottes unserer Väter, ein feiges Verlassen unserer göttlichen Fahne, ein schmachvolles Ablegen unserer Würde, das Unglück unseres Lebens, der Verlust des ewigen Heils, die Verdammniß unserer Nachkommen. Der Reinheit seiner Sitten verdankt Israel seine Erhebung, seine Widerstandskraft und seine Unsterblichkeit. Es ist, wie wenn Gott gesagt hätte: „Ich will ein dauerhaftes Volk bilden, welches nicht vernichtet werden kann durch die Nationen, welches vielmehr mächtig auf deren Erhaltung einwirkt. Gerade so, wie Ich inmitten dieses Volkes eine kostbare Bun-

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