Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 34 (29.4.1897)
- Date
- 1897-04-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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mm 632 ® r ofyunqen unzufriedener Element e auf Entziehung von Nebenverdiensten. Der Schächterdien st, welcher mit dem Stande und der Aufgabe des Lehrers eigentlich unvereinbar ist, jedoch wegen der geringen Leistungsfähigkeit vieler Gemeinden und religiöser Bedenken nicht immer getrennt werden kann, muß wenigstens derart gestaltet werden, daß die Erträgnisse deSselbenin allen Gemeinden firirt, durch die Gemeinde einkassiert und als st ipuliertes Einkommen demLehrer überwiesen werden, um diesen unabhängiger zu machen und vielen Unannehmlichkeiten im nothwendigen Verkehr mit den Metzgern vorzubeugen. Der Religionsunterricht muß, wie schon erwähnt, den Charakter einer obligatorischen Disziplin wie der Elementarunterricht erhalten und als solcher der behördlichen Fürsorge durch Einführung regelmäßiger Schulprüfungen, Besuch derselben durch Rabbiner, Schulinspektor und Vorstand, sowie Eintrag der Censüren in das allgemeine Schulze ngn i ß unterstellt sein. Bei Berathung aller auf die Schule, Synagoge und den Unterricht bezüglicher Gegenstände muß der Lehrer Sitz u n d S t i m m e i m V o r st a n d erhalten. Ferner schließe sich der Lehrer größeren Lehrervereinen an, welche durch gemeinsames Vorgehen bei den Behörden für die Erreichung der erwähnten, als nothwendig erkannten Forderungen wirken und auch gegenüber den Uebergriffen mancher Gemeindevorstände hinreichende Deckung gewähren. Je zahlreicher und einmüthiger die Vereinigung der Lehrer, je anregender und begeisterter die Mitwirkung eines jeden Einzelnen ist, desto mächtiger wird der Eindruck auf die Regierungen und die Oeffentlichkeit fein. Daher sind die Versuche, einen Zusammenschluß aller isolirten Lehrervereine Deutschlands zu einem Gesammtverband auf sorgfältig vorbereiteter, jedoch völlig unabhängiger Grundlage herbeizuführen, sehr zu begrüßen. Es handelt sich bei Durchführung der erwähnten Forderungen nicht um einen Kampf gegen die Macht der Gemeindevorstände, nicht um ein herrschsüchtiges Vorgehen der jüdischen Lehrer, nicht um egoistische Bevorzugung unseres Standes, sondern um die unerläßliche Grundbedingung für eine erfolgreiche berufliche und soziale Wirksamkeit des jüd. Lehrers. Für diesen Preis setzen wir unsere Kraft ein, und dieser berechtigten Forderung kann sich keine Behörde verschließen, wenn es ihr ernst ist mit der Pflicht nachhaltiger Fürsorge für die Erziehung des Volkes. Deshalb habe ich von der Aufstellung bestimmter Thesen abgesehen, weil es jedem Lehrer nach Lage der lokalen Verhältnisse, nach persönlicher Veranlagung und nach der Eigenart seiner Stellung unbenommen sein soll, von den erwähnten Mitteln und Wegen in seiner sozialen Thätigkeit die möglichen und passendsten anzuwendeu, und der vernünftige Lehrer, wie auf jedem Gebiete, so auch hier, langsam und allmählich, jedoch zielbewußt vorgehen wird. Wenn meine Ausführungen jedoch nur den Erfolg haben, daß jeder von uns über die besprochenen Gedanken mit sich zu Rathe geht, die Nolhwendigkeit und Möglichkeit einer sozialen Wirksamkeit in seiner Gemeinde klar erkannt hat und zur weiteren Untersuchung der Mittel und Wege angeregt wird, so fühle ich mich reichlich belohnt. Ein bedeutender, yochgefeierter Staatsmann hat einmal die Lehrer die berufenen Mitarbeiter an den Fortschritten der Kultur genannt, und ich glaube, der israel., mit Wissen und gesellschaftlichem Takt ausgerüstete Lehrer, welcher von wahrer Religiosität, idealer Berufsfreude und klarer Erkenntniß der nothwendigen Ziele für das Wohlergehen seines Volkes durchdrungen ist, wird durch sein Beispiel, durch Belehrung und Aufklärung, durch Gerechtigkeit u u b O p f e r f r e u d i g k e i t tu seiner G e - m e i n d e Bildung und Humanität verbreiten, d i e öffentliche Stellung derselben he b e n , die gesellschaftlichen und konfessionellen Gegensätze versöhnen und auf d i e s e W e i s e e i n P i o - n i e r der Wahrheit und Menschlichkeit, ein wackererStreiter in denKämpfen der Gegenwart für R e l i g i o n und Sitte, für Wahrheit und Toleranz werden. Möchte jeder jüdische Lehrer diese erhabene Aufgabe voll erfassen, dieselbe imnter mehr ausbauen und im Bewußtsein seines erzielten Erfolges den verdienten Lohn seiner idealen Bestrebungen finden! Zeitungsuachrichteu und Correfporrdenzen Deutschland. Leipzig. (Aus dem modernen Mittelalter). Zwei grauenvolle Lustmorde haben in den letzten Tagen fast zu gleicher Zeit in Sachsen stattgesunden, in Blumenberg bei Ostritz und im Zeisigwald bei Chemnitz. Die „Deutsche Wacht" fügt der Meldung über das an der dreizehnjährigen Emma Schmidt in Blumenberg verübte Verbrechen die Worte bei: „Das Passahfest naht!" Diese wenigen