Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 34 (29.4.1897)
- Date
- 1897-04-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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mTffl, Jahrgang. Erste Skilage;u M 34 des Jfemtit“. Leitender Artikel Die Wale prtrftfamttflt des Mischt» Lehrers in seiner Genicinde. Von I. Lebermann—Darmstadt. (Schluß aus dem Hauptblatt.) Deßhalb appellire er lebhaft an den jüd. Gemeinsinn, die höhnischen, gehässigen Einwände der Judens.inde, als ob dem jüdischen Volke Sinn und Fähigkeit für das Handwerk fehlen, durch zahlreiche, ernste Pflege desselben zu nichte zu machen. Insbesondere unterstütze der Lehrer eifrigst die B e st r e b u n g e n solcher Vereine, welche die Verbreitung des Handwerksunter den Juden bezwecken und und mache Propaganda für dieselben durch Anwerbung neuer Mitglieder in seiner Gemeinde oder durch Gründung von Zweigvereinen. Des Weiteren veranlasse der Lehrer die Eltern durch vernünftige Vorstellung, ihre Kinder irgend einern zweckmäßigen Handwerk zuzuführen und unterstütze dieselben in diesem Vorhaben durch Unterbringung und E m p f e h l u tt g der betr. Lehrlinge bei t ü ch t i g e n , g ewissenhaften Meistern. Aber auch später interessire er sich für die jungen Handwerksbeflissenen, indem er denselben in weiteren Kreisen, namentlich in den begüterten Klassen in und außerhalb seiner Gemeinde Gönner und Förderer verschaffe und durch Zu Wendung von Stipendien aus den betr. Vereinen z u ihrer weiteren g l ü cklichen Carriüre behilflich sei. Diese Gesinnung bethätige der Lehrer außerdem praktisch, falls sich jüd. Handwerker in seiner Gemeinde befinden, durch Unterstützung und eifrige Empfehlung derselben in allen Kreisen zur Fernhaltung aller materiellen Sorgen. Das lebendige Beispiel, die fleißige Thätigkeit, sowie das unverminderte Ansehen der betr. Handwerker werden sicher auf andere Familien anregend und nachahmend wirken und die Achtung vor der jüd. Bevölkerung nur erhöhen. Dies wären die Mittel und Wege, welche dem jüdischen Lehrer bei seiner sozialen Wirksamkeit maßgebend sein muffen. Doch wäre es verfehlt, auf Grund derselben nun auch eine gedeihliche Thätigkeit in dieser Richtung garantieren zu wollen. Viele der angeführten Wege sind moralischer Natur, bestehen mehr in der ideellen Einwirkung des Lehrers auf seine Gemeinde, resp. die einzelnen Familien, als in greifbaren praktischen Maßnahmen. Daher ist der Erfolg derselben in erster Linie von der Macht und dem Ansehen seiner Persönlichkeit und seiner beruflichenTüchtigkeit bedingt, nicht minder aber auch von der Grundlage einer staatlich geordneten und geschützten, von der Gemeinde völlig unabhängigen Stellung des Lehrers. Nur auf diesem Untergrund kann sich die Idee einer durch den Lehrer wirksam zu fördernden gesellschaftlichen und intellektuellen Reorganisation seiner Gemeinde erheben. Insbesondere bedarf der jüdische Religionslehrer der vollen staatlichen Unterstützung, welche seinem Amt den Charakter einer öffentlichen Stellung verleiht und ihn von der Willkür und Laune der Gemeindevorstände, sowie der Parteien unabhängig macht. Ich spreche hier nur vom Standpunkt einer gedeihlichen sozialen Wirksamkeit, ohne die Frage zu untersuchen, ob üben Haupt alle diese Leute befähigt sind, über geistig und gesellschaftlich höher stehende Beamte ein Urtheil von weitgehendster Konsequenz zu fällen. Der jüdische Lehrer darf in seiner beruflichen Wirksamkeit und seinem privaten Verhalten niemand anders verantwortlich sein als der Vorgesetzten staatlichen und geistlichen Behörde, soll seine soziale Thätigkeit eine gänzlich unbefangene sein! Freilich muß die Forderung, daß nur in religiösem und p ro fa n e m W i sse n g enügend vorgebildete und geprüfte Kandidaten für diese Stellen zugelassen werden dürfen, streng durchgeführt werden. Denn bilden kann nur, wer selbst gebildet ist, und die Grundlage für eine erfolgreiche soziale Wirksamkeit ist und bleibt der Respekt der Gemeinde vor dem Charakter und dem Wissen des Lehrers. Eine einheitliche, vom Staate geregelte Bezahlung muß dem Lehrer ein einigermaßen ausreichendes Einkommen garantieren, damit derselbe nicht zur Jagd nach Nebenverdiensten veranlaßt und dadurch zu nothwenwendiger Rücksichtnahme in der Beseitigung mangelhafter Zustände und der persönlichen Einwirkung auf die Familie gezwungen wird. Frei von materiellen Sorgen und ohne Rücksicht auf die Launen mancher Leute muß der Lehrer in der Lage sein, den klar erkannten Weg zur sozialen Hebung seiner Gemeinde zu verfolgen, unbekümmert um den Trotz oder die