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Der Israelit · 1897-04-29 · Heft 34 (29.4.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 34 (29.4.1897)
Date
1897-04-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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628 Juden nach New-Aork zu warnen. Die heute in New-Dork wohnenden 350,000 Israeliten würden sich in einer Generation später selbst erhalten können und den günstigsten Einfluß auf die in Rußland zurückgebliebenen Glaubensgenossen ausüben. Wenn indeß die Einwanderung aus Rußland, wie bisher fortdauern, das heißt 25,000 Juden in jedem Jahr einwandern würden, so sei eine Katastrophe unausbleiblich, trotzdem die amerikanischen Juven ihr Bestes zu Gunsten ihrer unglücklichen Brüder thäten. Türkei. 0) Smyrna, 14. April. Von den vielen aus Kreta hieher geflüchteten Juden haben sich mehrere schon entschlossen, nach dieser Insel gar nicht mehr zurückzukehren, sondern sich hier oder in einigen Binnenstädten Anatoliens dauernd anzusiedeln. Wohlhabende hiesige Glaubensgenossen haben ihnen ihre Unterstützung bei diesem Vorhaben zugesagt, und auch die „Alliance Jsraelite" und die „Anglo-Jewish- Association" dürften diesen Unglücklichen eine pecuniäre Unterstützung gewähren. Hier will ich zugleich auf einen Jrrthum aufmerksam machen, der sich in einige europäische Tagesblätter und sogar auch in jüd. Blätter eingeschlichen hat. Dieselben halten nämlich die auf Kreta lebenden Juden für die Abkömmlinge jener Israeliten, die schon zur Zeit des zweiten Tempels hier existirt haben. Dies ist aber grundfalsch. Die Abkömmlinge jener alten Israeliten haben sich bald nach der Zerstörung des byzantinischen Reiches durch die Kreuzfahrer theils nach Alexandrien, theils nach Syrien und rer Insel Rhodus geflüchtet, während die heute auf Kreta lebenden Juden durchwegs von den aus Spanien vertriebenen (-heb nmaa) herftammcn, die sich erst im 16. oder 17. Jahrhundert daselbst angesiedelt haben. Ihr Ritus ist daher der sephardische und auch ihre Umgangssprache ist das sogenannte Spaniolische. Des Griechischen, besonders der griechischen Schriftsprache, sind nur wenige dieser Juden mächtig. Palästina. Rischon-l Zion, 2. Nissan. Seit etwa vier Wochen ist ein neuer Bau vollendet, in dem etwa 70 jüdische Arbeiter ein einfaches, aber sauberes und wie man zuversichtlich hofft, auch gesunde» Heim gefunden haben. Außerdem geht ein Gebäude seiner völligen Vollendung entgegen, das bestimmt ist, im geistigen Leben der Ansiedelung eine bedeutende Rolle zu sp^;n. Es ist dies eine Art von Gemeindehaus mit cutv.m großen Versammlungssaale, die Kolonisten auf eigene Kosten ohne jede fremde Hilfe erbaut haben. Da» Comits, das den größeren Theil der ersten Ausgaben verauslagt hat, erhält von jedem Gemeindemitgliede jährlich 20 Francs, bis die Schuld völlig amortisirt ist. In dem Saale des Gemeinde Hauses werden die Vereine, z. B. das Kolonistenorchester ein vollkommenes Heim finden, und ebenso können dort jetzt regelmäßig fachmännische Belehrungen für die Kolonisten stattfinden, welche bisher nur in Privatwohnungen einen Ort fanden. Vor dem Hause ist zum schattigen Grün des Wassergartens zugewandt, eine erhabene und geräumige Rampe erbaut, wo das Orchester seine Concerte geben wird. Ferner ist ein neues Wasserbassin von acht Meter Höhe, ein Bad, um auch von dem zweiten Brunnen aus Wasser in die Wellenanlagen führen zu können. Für die Ausstellung, die in Hamburg in diesem Jahre stattfinden soll, hat man eine Anzahl von Bäumen zum Transport in Vorbereitung z. B. Palmen, ferner je einen Ethrog-, Orangen-, Citronen- und Mandarinenbaum. Auch dürfte man Geraniumeffenz hinsenden, da man in Caen für das Kilo 58 Fr. gegenüber dem gewöhnlichen Preise von 48 Fr. erzielte. Auch sind zwei vollständige Bienenstöcke zur Darlegung der Bienenzucht von Herrn M. Meierowitz vorbereitet. Vermischtes Tangermünde. Bei Gelegenheit des Todes eines allgemein geackteteu jüdischen Kaufmanns wurde der der christlichen Gemeinde gehörige Leichenwagen seitens der Geistlichkeit, mit Ausnahme des Superintendenten, verweigert. Aus der Nachbarstadt Stendal mußte ein Leichenwagen beschafft werden, der auch bereitwilligst gesandt wurde. Die Angelegenheit hat hier gegen die Geistlichen eine große Erbitterung hervorgerufen. Der Magistrat soll sich jetzt an die Kirchen gewendet haben, um jie zu veranlassen, den Wagen an "Uc Koufessionsbekenner zu verleihen, everrtucll würde die Gemeinde einen solchen beschaffen. Es haben sich auch schon Privatpersonen dazu bereit erklärt. Petersburg (Subsidirung jüdischer landwir thschaftlicher Schulen.) Wie die ,,Now -Wr." erfährt, beabsichtigt der Minister der Landwirtbschaft den jüdischen Kolonisten im Gouv Jekaterinosslaw bei der Errichtung einer landwirthschastlichen Schule behilflich zu sein. Eine ähnliche Schule ist bereits mit Unterstützung des Ministeriums im Gouvern. Eherson errichtet worden. Feuilleton. Getreu bis in den Tod. 17) Von Maurice Ma?ou „Sei willkommen, Vetter Manfred, und nimm meine herzlichsten Glückwünsche zu Deinem glänzenden Examen! Wie hübsch Du geworden bist." Die letzten Worte schienen unüberlegt ihrem Munde entschlüpft zu sein, denn eine Purpurröthe überflutbete Plötzlich ihr Gesicht. Mit sprachlosem Staunen betrachtete ich die kötligliche, schlanke Gestalt meiner Cousine. Ist das die kleine Nelly? „Na, Junge!" lachte mein Oheim, „Du scheinst

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