Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 34 (29.4.1897)
- Date
- 1897-04-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Gemeinde oder der jüdischen Vereine jedes öffentliche Aufsehen streng vermieden werde. Insbesondere muß das bei gewiffen Anlässen bisher in den Tagesblättern erfolgte geschmacklose Ankündigen von „Israelitischen Festbällen" entschieden unterbleiben. Hört man etwa von öffentlicher Einladung zu „Katholischen" oder „Protestantischen" Festlichkeiten? Lieber bringe man etwas größere finanzielle Opfer und lasse auf privaten, weniger Anstoß erregendem Wege die Einladungen ergehen. Ueberhaupt suche der Lehrer dem allgemeinen Vorurtheil kräftigst entgeg enzutreten, als "b rechtgläubiges Juventhum und Anhänglichkeit an die überlieferten Satzungen unvereitlbar wären mit den Anforderungen der Gesellschaft und den Bestrebungen moderner Bildung und Wissenschaft. Er verfehle nicht, in seinen Vorträgen und Belehrungen auf die G l a n z- Periode in der Geschichte der Juden Spaniens hinzuweisen, wo glaubenstreue und gesinnungstüchtige Männer die höchsten Staatsämter bekleideten, wo Dichter und Forscher die Wissenschaft und Literatur mit den herrlichsten Schätzen bereicherten und dennoch ihrer Religion und deren Satzungen unverbrüchliche Liebe bewahrten. Er führe die bahnbrechende Verdienste eines MosesMendelssohn vor, welcher in einem Zeitalter, wo die Ju^en mit dem Banne allgemeiner Verachtung belastet waren, denselben zeigte, wie man als strenggläubiger Jude sich in den Born allgemeiner Bildung vertiefen könne, und daß gerade diese Thcilnahme an den geistigen Bestrebungen vorzüglich geeignet sei, sich Achtung und Anerkennung zu erwerben. Ebenso lenke der Lehrer die Blicke seiner Gemeinde auf die jüngste Vergangenheit, z. B. auf ne v e r d i e n st v o l l e W i r k s a inkeit und die Schöpfungen eines, Samson Raphael Hirsch hin, welcher trotz der vielseitigen, gesteigerten Anforoerungen der Gegenwart an die Kraft des Einzelnen e» verstanden hat, in seiner Gemeinde Bildung, Wissenschaft und ehrliche Rechtgläubigkeit zu begründen und durch Musterinstitutionen zu befestigen. Andererseits genügt aber ein Hinweis auf die Zeit der sog. Aufklärung unter den Juden nach demHinscheiden Mendel ss o h n s, auf die Bestrebungen eines Friedländer, auf die Geschichte der damaligen jüdischen Kreise und des Lebens in den Salons von Bankier Meyer, Henriette Herz und Rahel Levin, um die alte und doch ewig neue Thatsache zu erhärten, daß dünkelhaftes Hinwegsetzen über die Gebote des Judenthums, die Sucht nach öffentlicher Geltung und unverständige Aufdringlichkeit der jüdischen Gesa m m t h e i t nur s ch a o e u und wie damals die g e s e l l s ch a f t l i ch e r r u n g e n e n Vortheile nach kurzer Zeit wieder vernichten. Ein weiterer, heutzutage oft erwähnter Faktor zur sozialen Hebung des Judenthums ist die Beiheiligung desselben an den verschiedenen Zweigen des Handwerks. In diesem Sinne geeignete Schritte zur vernünftigen Einwirkung auf seine Gemeinde zu unternehmen, betrachte der Lehrer als wesentliche Aufgabe seiner sozialen Wirksamkeit. Dies geschehe durch Vorträge und wiederholte Ermahnung in Schule, Vereinen und Familien über den Werth und den Nutzen des Handwerks. Namentlich weise er auf den Unterschied der Zeiten hin — zwischen der Gegenwart mit dem Besitze bürgerlicher und gewerblicher Freiheit und der mittelalterlichen Zeit de» Drucke», wo man die Juden von den Gebieten der Bildung und Wissenschaft, des Gewerbes und der Industrie ausgeschlossen und dieselben zur wohlverstandenen Befriedigung der Habsucht der Großen einzig und allein zum Handel gezwungen hatte. (Fortsetz, folgt in der ersten Beilage.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzerr Deutschland. Köln, 26. April. Der soeben veröffentlichte 54. Jahresbericht des „Westdeutschen Missionsvereins für Israel" pro 1896 glaubt in der Einleitung behaupten zu dürfen, daß trotz der Erbauung neuer Synagogen da und dort, trotz des Versuchs der Wiedergeltendmachung einer mehr oder weniger strengen Orthodoxie die religiöse Zersetzung des modernen Judenthums immer weitere Fortschritte mache. Diese Erscheinung lehre, daß der Verein nicht «blassen dürfe von „liebreicher Bezeugung des Evangeliums und von kräftiger Betreibung der Mission an diesem so wichtigen Volke, um Israels Bedürfniß entgegen zu kommen." — Nach diesen Ausführungen sollte man der Meinung sein, der Missionsverein brauche nur seine liebreichen Netze auszuspannen, um mit einem Zuge tausende solcher liebebedürftiger Seelen aus Israel zu fischen. Allein, der nun folgende Bericht widerspricht den Behauptungen auf's schlagendste. In Köln waren es sechs Personen, drei männliche und drei weibliche, in Frankfurt fünf Söhne und Töchter Israels, die die Taufe erhielten. Außerdem wurde den Winter hindurch ein Jüngling von dem Bercinsagenten unterrichtet, desgleichen erhielt eine Tochter Israels Unterweisung, ohne daß sie getauft