Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 32-33 (27.4.1897)
- Date
- 1897-04-27
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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609 fitzungsproben. Tief in Kunst und Wissenschaft eingedrungen, legtc er seine Gedanken darüber in den beiden Hauptwerken „La Mente di Michelangelo" und „Chiordano Bruno" nieder. Er war allezeit ein unermüdlicher Vorkämpfer der jüdischen Rechtsansprüche, seine ganze Seele ist erfüllt von der jüdischen Vergangenheit. Mächtig bricht diese Ideenwelt beroor in seinem bedeutendsten poetischen Werke, dem Drama „Jl Profeta." Der Prophet ist Jeremia; auf dem Boden Palästinas spielt die Handlung und endet mit der Fortführung der Besten in die babylonische Gefangenschaft, klingt aber mit erhebenden Seherworten Jeremias aus. Diesem Drama ist der letzte Theil de« Buches gewidmet. Der erste gibt die Biographie, der zweite enthält die Proben lyrischer Gedichte. Wir können das Buch unseren Lesern warm empfehlen. — OmSK Syrragogengesänge für Cantor und Männerchor von Alvert Weill, Cantor in Eichstetlen. Verlag von A. I. Hofmann in Frankfurt a. M. Durch Zufall gerielhen mir vor einiger Zeit obige Gesänge in die Hand, und da ich nicht weiß, ob in der Oeffentlichkeit bereits auf ste hingewiesen ist und ich aus den ersten Blick sah, daß sie es im höchsten Grade verdienen, so sei hiermit auf sie aufmerksam gemacht. Die Sachen sind, wie ich selbst an dem meiner Leitung unterstellten Chore erprobt habe, sehr brauchbar und füllen bei dem bekannten Mangel an Compositionen für Männerchor eine fühlbare Lücke aus. Man merkt den Chören, wie den Soli sofort den gebildeten Musiker, den guten Sänger, aber auch den gewiffenhaften Vorbeter an. Die Gesänge sind bereits vor mehreren Jahren erschienen. Falls der Autor auch hcute noch Cantor in Eichstetlen, einem kleinen Dorfe bei Freiburg i. B. sein sollte, so wäre er ein treffendes Beispiel für den jüngst von mir gerügten Uebelstand, daß die guten Cantoren aus kleinen Orten wenig Aussicht haben, würdige, ihren Fähigkeiten entsprechende Stellen zu bekommen. Wer solche Gesänge schreiben kann, der verdient eine Stellung, wo man seinen Kenntnissen und Leistungen auch Verständniß entgegenbringt, und wo er Gelegenheit hat, sich immer weiter forlzubilden. W. Sack, Cbordirigent. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, im April. Am 11. d. M. um 4 Uhr Nachmittags beging die Wolf-Ez Chajim-Gemeinde die Einweihung ihres neuen Betlokales. Schon längst vor Beginn der festgesetzten Zeit hatte sich in der festlich dekorirten Synagoge eine stattliche Zahl von Mitgliedern und Gästen eingestellt, um der Einweihungsfeierlichkeit beizuwohnen, so daß der Raum bis auf den letzten Platz gefüllt war. Der Chor eröffnete die Feier mit dem ,.Ma tauwo-Gesang". Dann schritt Herr Rabbiner Dr. H. Grünfeld sr. zum Anzünden des „Ner Tomid" mit einigen einleitenden Worten. Den Glanzpunkt der Feier bildete die Festpredigt des Herrn Rabbiner Dr. I. Grünfeld jr., der als Rabbiner dieser Gemeinde fungiert. Der Redner schilderte in gut durchgedachter Rede die Gründung der Wolf-Synagoge vor sechs Jahrzehnten und die neuentstandene Synagoge, und hob besonders die hingebungsvollen und selbstlosen Verdienste des ersten Vorstehers, Herrn S. Margorinski, hervor, durch dessen aufopferungsvolleThätigkeit es allein mit einigen Freunden zu verdanken ist, daß die neue Betstelle errichtet wurde. Der Redner wies ferner auf die eigene Religionsschute dieser Gemeinde hin und versetzte alle Zuhörer in hohe Feststimmung durch seine begeisternden Worte. Nicht weniger trug zur Verschönerung der Feier der Gesangs-Chor bei. Der Psalm 150, außer den anderen Gesängen, wurde mit einer wahren Virtuosität zum Vortrag gebracht und gefiel allgemein. Der jugendliche Dirigent, Herr Josef Kohn, der bereits bei verschiedenen Anläffen sein Talent bewiesen hat, in musikalischen sowie in Privatkreisen hinlänglich bekannt, erntete auch hier reichen Beifall. „Olenu" und „Adon Olam" bildeten den Schluß der Feier. Jeder der Anwesenden verließ die Synagoge mit tiefem Eindruck. Wünschen wir, daß der Allgütige ferner dieser Gemeinde Gedeihen verleihen möge. Oe ste rr.-Ungar. Monarchie. Croat-Kreuz In einer Zeit, wo so viele katholische Geistlichen es als ein Gebot der Frömmigkeit halten, ihrem Volke Haß und Hader gegen das Judenthum zu predigen, ist es von umso größerer Bedeutung, an einen hohen katholischen Priester zu erinnern, der in Bethätigung der „christlichen Liebe" keinen Confessionsunterschied kennt. Vorige Woche fand unser geehrter Vorsteher, Herr Marko Breyer, im hiesigen städtischen Archiv eine Stiftungsurkunde vom Erzbischof zu Agram, Namens Juraj Hanlik, welche am 4. Mai 1861 ausgestellt wurde und wie folgt lautet: „Anläßlich meines Jubiläums spende ich der Stadt Varadin fl. 12,000, Kreuz fl. 8000, Kopreinitz fl. 8000, Karsstadt fl. 12,000, Pozega fl. 10,000, Belovar, Neu-Gradiska, Glina, Petrinje und Gjurgevac je fl. 6000. Zusammen fl. 80,000. Die Zinsen davon sollen alljährlich den sittsamen Armen ohne Unterschied der Confession vectheilt werden, da die christliche Liebe keinen Religionsunterschied kennt." Möchten diese Worte Eingang in die Gemüther so