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Der Israelit · 1897-04-27 · Heft 32-33 (27.4.1897) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 32-33 (27.4.1897)
Date
1897-04-27
Page
– (sequence 18)
Language
German
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A^a^^apÄ^pi^ps^-.. 608 darin besteht, daß Geber und Empfänger sich einander nicht kennen und nur geeint sind in dem Bewußtsein der uneigennützigsten Menschenliebe. Ebenso verfehle der Lehrer nicht, in diesen Vereinen darauf hinzuwirken, daß dieselben ihre Thätigkeit nicht nur in finanzieller Unterstützung verfolgen, sondern auchdurchVerabreichungvonLebensmitteln u. nothwenoigen H a ns h altungsmitt e ln b ethätigen, namentlich bei Krankheitsfällen oder anhaltender Kränklichkeit bedürftiger Personen. Behufs Versorgung armer Familien im Winter mit Heizmaterial veranlasse der Lehrer in diesen Vereinen die Gründung und reichliche Subventionirung eigener Kassen (sog. „Kohlenkassen.") Ferner ermahne der Lehrer sortwä rend zur Be- Ihätigung großer Sorgfalt im öffentlichen Verkehr, in Kleidunp, im Benehmen nnd namentlich in der Sprache. Das althergebrachte Sichgehenlassen, der familiäre Verzicht auf Takt und Anstand im Verkehr unter sich müssen aufhören, falls die Achtung vor der Gemeinde selbst in den Augen Fremder nicht schwinden soll. Namentlich aber biete der Lehrer seine ganze Kraft auf, um jedem Einzelnen das Häßliche, Unzeitgemäße und A bstoßende des sog. Jargons, wie er sich leider bi» in die heutige Zeit im Handel und Verkehr oft ohne Rücksicht auf die Anwesenheit Andersgläubiger breit macht, vor Augen zu führen. Derselbe bestärkt unsere Gegner in ihren Anklagen der Bildungsfeindlichkeit der Juden, untergräbt auch bei vorurihecksfreien Leuten die Achtung vor den Bekennern des Judenthums und erfüllt selbst die eigenen, treuesten Anhänger mit Abscheu und Mißbilligung. Reine, ordentliche Sprache im Hause, in der Schule und O e ffe ntli ch keit, in der Erziehung der Kinder und im geschäftlichen Verkehr sind das erste Ersorderniß, um den Vorwurf der Vernachlässigung moderner Bildung und des eigensinnigen Verharrenin alterthümlichen Verhältnissen wirksam abzuweifen. Deßhatb taffe es sich der Lehrer angelegen sein, durch Einrichtungen zur geistigenHebung und Bildung seiner Gemeinde diesem Uebelstande kräftigst entgegenzutreten. Zu diesen Eirnichtungen gehört in erster Linie die Gründung von Lese- und Literaturvereinen. Vor allem bilde sich der Lehrer au» den jungen, der Schule entwachsenen Leuten seiner Gemeinde einen Grundstock, welche bei richtiger Anleitung seinen Joeen die freudige Begeisterung und das Verständniß der Jugend entgegenbringen, dadurch auch das Interesse der älteren Leute wecken uno durch eifrige Propaganda Liebe und Empfänglichkeit zur Fortbildung in alle Kreise der Gemeinde tragen. So ist der Literatur verein geschaffen. Durch wöchentliche Versammlungen und Diskussionsabende werde den Mitgliedern in Form v on Vorträgen und anreg enden Debatten die interessantesten Themata aus der Geschichte, namentlich aus der jüd. Litteraturgeschichte vorgeführt, allgemeine wissenschaftliche Gegenstände erörtert, zeitgemäße Fragen besprochen und so bildend, belehrend und ermahnend auf alle Kreise gewirkt. Auch Andersgläubigen stehe der Zutritt zu diesen Vorträgen frei. Durch allmähliche Errichtung einer Bibliothek und Auflage von guten belletristischen und allgemeinbildenden Zeitschriften erwecke der Verein auch in den Familien den Sinn für Bildung und Wissen und ermuntere dadurch die jüngeren Elemente zur Mitwirkung bei Vorträgen und Vctheiligung an der Diskussion. Das erzielte Resultat in der geistigen Hebung seiner Gemeinde gebe dem Lehrer ferner Veranlassung, dieser die Erziehung der Kinder nach den Grundsätzen der Humanität und des gesellschaftlichen Anstandes dringend zu empfehlen, durch Beispiel und Gewöhnung den Kindern schon frühe die Nothwendigkeit von Religiosität im Verein mit Bildung und Wissen einzuprägen, um dieselben zu gleich guten Juden und Menschen zu erziehen. Namentlich schärfe man dem Kinde die vorurtheilslose Achtung unserer andersg l ä u b i g e n B r ü d e r ein, dulde kein despektierliches Besprechen ihrer Gebräuche und erwecke so schon im Kinde den Grundsatz reinster Nächstenliebe und Toleranz, welcher das Judenthum zu allen Zeiten, im Verkehr mit Freund und Feind auszeichnete. (Fortsetz, folgt.) Literarisches. S. G. Margultes, Dichter und Patriot. Eine Studie über das Leben und die Werke D. Levis. Trier. Verlag von Sigmund Mayer. 18%. 1% S. Das hübsch ausgestattete Buch schöpft das Material zu der Biographie aus den beioen Schriften D. Levis „Vita di Pensiero" und „Vita d'Azione", ferner aus den eigenen schriftlichen Mittheilungen des in Turin lebenden Dichters. In klarer und fesselnder Darstellung wird der innere und äußere Entwicklungsgang des Mannes erzählt, dessen ganzes Leben zwei Ideale erfüllen, die Begeisterung für das Judenthum und für fein Vaterland Italien. Unausges.tzt im politischen Leben thätig, gehörte er dem italienischen Parlamente an. Dichterisch reich begabt fand er für seine Empfindungen und Ideen schöne lyrische Formen. Das Buch gibt einige wohlgelungene Ueber-

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