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Der Israelit · 1897-04-27 · Heft 32-33 (27.4.1897) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 32-33 (27.4.1897)
Date
1897-04-27
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXlTni, Jahrgang. Zweite Seil, ju M 32 & 3Wes Jsmtttf. ■"f Leitender Artikel Ale soziale MicksmKcit der jiliilslhea Kehrers ia Mer GemiaSe. lFortsetzung aus Nr. 29 des „Israelit".) Auch in seinem Verkehr mit der nichljirdischen Bevölkerung erwerbe sich derjüdische Lehrer durch gesetztes, bescheidenes Auftreten deren Achtung und Respekt. In der Anbahnung freundschaftlicher Verhältnisie sei er vorsichtig, im Wirthshause sei er wohl ein gern, aber nicht oft gesehener Gesellschafter, führe am Biertisch nicht das erste Wort und suche stets, durch würdige Repräsentation seiner Gemeinde Ehre zu machen. Gelegenheiten zu konfessionellen und religiösen Streitigkeiten meide der Lehrer grundsätzlich, setze jedoch höflich und entschieden Wissen und Charakter ein, wenn Unwahrheit und Verleumdung den Glauben, die Denkart und die Rechte des jüd. Volkes beschimpfen oder schmälern wollen. Allen gemeinnützigen Unternehmungen, allen bildenden und gesellig unparteiischen Vereinen sei der Lehrer ein wackerer Freund und Theilnehmer, bewahre jedoch auch hier eine gewisse feine Zurückhaltung. In bescheidener, ungesuchter Weise wirke er durch Vorträge belehrend und aufklärend, dadurch zugleich die Achtung vor seiner Persönlichkeit und seinem Wissen erhöhend, wie auch durch fördernde Theilnahme an allen feineren, geselligen Veranstaltungen seine Beliebtheit begründend. Auf diese Weise gelingt es dem Lehrer, durch sein bloßes Beispiel zur gesellschaftlichen Annäherung und zu ungetrübtem Zusammenwirken der Konfessionen beizutragen. Die ferneren Wege, um in positiver Weise sozial bessernd auf die Gemeinde einzuwirken, erstrecken sich sowohl auf das innere Leben der Gemeinde, auf den gegenseitigen Verkehr ihrer Mitglieder, sowie auf deren Verhältniß zu den Andersgläubigen. In crsterer Hinsicht ermahne der Lehrer stets zur Pflege wahrer Humanität, Nächstenliebe und Wohlthätigkeit und bahne deren praktische Ausübung an durch Gründung verschiedener, segensreicher Einrichtungen z. B. einer man p, eine« Brautau«ftattungsvereins, Frauenvereins, eines Ve reinS zurUnterst ü tz u n g und zum Krankenbesuch bedürftiger Gemeindemitglieder, eines Unterstützungsv ereins für durchreisende Arme und Verpflegung derselben an Samstag und Feiertagen. Die bereits bestehenden Vereine fördere er durch thatkräftige Betheiligung an ihren Aufgaben, sowie durch belehrende Vorträge in Versammlungen oder festgesetzten regelmäßigen Zusammenkünften. Bei vorkommenden Krankheitsfällen innerhalb der Gemeinde, oder bei Trauerfällen sei der Lehrer tröstend und aufrichtend stets am Platze. Sein Zuspruch wird den wohlthuenden Zweck nicht verfehlen, da man in ihm das geistliche Oberhaupt der Gemeinde anerkennt (wenigstens in den Landgemeinden), und sein Mitgefühl sichert ihm bei allen Familien jenen hervorragenden Einfluß und ein hingebendes Vertrauen, welche ihm in der sozialen Einwirkung als auch in seiner Stellung im allgemeinen (namentlich in der Schule) sehr zu statten kommen. Abgesehen davon, wirkt er aneifernd auf alle Gemeindemitglieder und vermag sich außerdem persönlich zu überzeugen, ob die finanzielle Lage der bedrängten Familie eine Unterstützung erfordert. In diesem Falle ist es seinem Mitgefühl ^und seinem Takt Vorbehalten, unter zarter Schonung des an und für sich belasteten Gemüthes der heimgesuchten Familie unterstützend und heilend zu wirken. Deßgleichen gebührt der Gründung'^und Erhaltung eines Vereins zur Unterstützung verschämter, ehrenhafter Familien am Orte selbst o)er in der nächsten Umgebung ein entschiedener Vorzug unter den gemeindlichen WohlthätigkeitSeinrichtungen. Hier gilt es, Mildthätigkeit in der idealsten Weise zu üben. Der Lehrer lege im Kreise seiner Gemeinde in eindringlichen Worten die erhabene Auffassung dar, wie sie unsere Religion von der Unterstützung Bedürftiger hegt und in dem Satze bekundet: ■joy 1'nt< ’ro n nprnrri jns “po*1 •o. Wenn Dein Bruder verarmt, so kräftige ihn, daß er leben und erhalten bleibe mit Dir!" Nicht warten, bis der Bedauernswerthe gesunken und dem öffentlichen Mitleid anheim gegeben ist, sondern, wenn seine Lage anscheinend^ noch haltbar und sicher, aber Bekannten und Vertrauten in ihrem wahrcn Wesen offenkundig ist, wenn Eoelmuth und Verschämtheit den Betreffenden hindern, dieselbe anderen zu entdecken, — heißt es für den Lehrer, sich als Vater, als Berather der Gemeinde zu erweisen, alle Hebel im geheimen inMewequng zu^setzen und unter strengster Wahrung der Ehre und des Rufes der bedrängten Familie derselben eine ^angemessene Unterstützung zu verschaffen, um ihr Gemüth zu festigen und ihr Gelegenheit zur Rettung^und Forterhaltung ihrer bisherigen Existenz zu geben. Vergesse der Lehrer hiebei nicht, daß die idealste Wohlthätigkeit

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