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Der Israelit · 1897-04-27 · Heft 32-33 (27.4.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 32-33 (27.4.1897)
Date
1897-04-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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' ■. J» »'.»"i U11 iij \ 596 große Theilnahmc an dem schiveren Verlust für die Hinterbliebenen in allen Schichten der Bevölkerung ohne Unterschied.der Konfession zeige,: zur Genüge, welch hoher Achtung und großer Beliebtheit sich der Entschlafene zu erfreuen hatte. Und wahrlich nicht mit Unrecht! War der Verstorbene doch in vollem Sinne des Wortes ein „ganzer Eharakter ein Ehrenmann, der cs sich stets zur ersten Pflicht anrechnete. Anderen treu berathend und helfend zur Seite zu stehen. Wie vielen Wittwen und Waisen ist er eine treue Stütze gewesen, wie viele, die sich heute iu den besten Verhältnissen befinden, haben ihm de,u leider zu früh Entschlafenen, ihre Eristenz zu verdanken. Abgesehen von manigfachen Ehrungen, welche dein Verstorbenen als Bürger durch Ucbertragung von Ehrenämtern zu Thcil wurden, wußte auch unsere Syiiagogcngemeiiide die Verdienste dieses edlen und seltenen Mannes zu würdigen, berief mau ihn doch schon vor vielen Jahren als zweiten Kultusvorstcher, welches A,nt er zum Wähle unserer Gemeinde in seiner treuen Plichterfüllung bis zu seinem Tode inne hatte. Aufs trefflichste hob Herr Bezirksrabbiner Dr. Landau in seiner vorzüglichen und formvollendeten Grabrede die Verdienste des^nun zur ewigen Ruhe Heimgegangenen hervor: der Name „Lchamberg," so sagte etwa unter Anderem Herr Dr. Landau, sei mit vielen vorzüglichen Einrichtungen unserer Genieinde in der Kultus- und Armenpflege eng verbunden und niemals könnten die Verdienste des theuren Todtcu vergessen werden! Wahrhaft erschütternd wirkte cS auf die überaus zahlreich erschienene Trauer Versammlung und wohl kann: ein Auge blieb thränenlccr, als Herr Dr. Landau zum Schlüsse seiner Grabrede dem llljabrigen einzigen Söhnchcn des Verstorbenen an der offenen Gruft die Pflicht ans Herz legte, das Beispiel seines Vaters nachzueifern und den Ranren Schamberg weiterhin iu Ehren zu halten. Mögen die schwer heimgesuchte Gattin, die trauernden Kinder und Verwandte« des selig zur ewigen Ruhe Eingegangenen ihren Trost in dem Bewußtsein finden, daß der „gute Mann" und die vielen Verdienste des Verstorbenen bis in die spätesten Seiten erhalten bleiben werden, und möge auch unsere Lunagogciigcmeinde es sich zur Pflicht machen, das Beispiel ihres zweiten Vorstehers nachzuahmeu und durch einträchtiges Zusammenwirken das Andenken ihrer nun verlorenen Stütze zu ehren. Er ruhe in Frieden! Bensheim. 14. April. Eine ganze Gemeinde steht tief trauernd an der Bahre eines Mannes, der sie nahezu 25 Jahre iu unermüdlicher Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit auf den Bahnen deS wahren Judenthums geleitet hat. Heinrich Bend heim II. weilt nicht mehr unter den Lebenden. Sein Tod hat eine unersetzbare Lücke in unsere Genieinde gerissen und das orthodoxe Judenthum verliert in ihm einen seiner treuesten Anhänger. Von der Beliebtheit, deren er sich allenthalb>n erfreute und von dem Ai.s.hen, das er auch außerhalb seines engeren Wirkungskreises genoß, legte der seiner Leiche folgende, aus den verschiedenen Konfessionen zusammengesetzte Zug beredtes Zeugniß ab. Wir aber können das Andenken dieses Mannes nicht besser ehren, als indem wir, so ungefähr bemerkte Herr Rabbiner Dr. Mair nach dem besetze leben, das er so hoch gehalten hat. Groß Karbon. Ain 4. April feierte Herr Nathan Driels sein Löjähriges Dienstjubiläum als Vorbeter und Religionslehrer der israelitischen Gemeinde dahier. Dem Jubilar wurde als Anerkennung seiner Verdienste reichliche Geschenke von der Genieinde und Freunden überreicht. Mit dem Ehrendiplo n, welches dem Jubilar als Erinnerung dieses bedeutungsvollen Tages seitens des Vorstandes der Gemeinde mit einer Allsprache übergeben wurde, fand die Feier ihren Abschluß. Der Jubilar dankte in einer längeren Rede für die ihm zu Theil gewordene Ehre und drückte den Wunsch aus, daß es ihm vergönnt sein möge, mit der seit- (icv bestandene« Harmonie ferner Gemeinde auch sein 50jähr. Jttbilälini feiern zu können. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß der Gesangverein Teutonia, geleitet durch seinen Dirigenten Herrn Lehrer Schmidt, dem Jubilar ein Ständchen darbrachte. Möge uns der Jubilar weiter gesund erhalten bleiben, damit er fernerhin mit der Fülle seiner Kraft und seines Wissens segensreich wirke. Kopenhagen. 13. April. Unsere Gemeinde hat in dieser Woche einen herben Verlust erlitten. Ein Mann ist aus un erer Mitte hinweggerifsen worden, auf den wir sowohl als Menschen als auch Juden im wahrsten Sinne des Wortes, mit Recht stolz waren — ein Mann, dessen ganzes Leben und Sinnen von den edelsten u. herrlichsten Grundsätzen geprägt war — Herr Nathan Frankel, dessen Name auch bei Ihnen bekannt sein dürfte — ist plötzlich am Montag im Alter von 58 Jahren verschieden, Noch am Morgen jenes veihällgilißvollen Tages hatte er dem Gottesdienste in der Synagoge wie jeden anderen Morgen beigewohnt. Es sind wohl in unserer Gemeinde nur wenige Leute, die ihn nicht gekaiint, geliebt und verehrt haben. Hier geboren, gehörte er einer der ältesten und frommsten Familien an, — der Letzten Einer, der mit ganzem Leib und Herzen dem gesetzestreuen Judenthilme sich voll und ganz gewidmet, und aus tiefster Seele und Uebcrzeugung dessen Interessen wahrnahm. Noch vor ganz Kurzem wurde er zum Repräsentanten der Gemeinde erwählt, und mit aufrichtiger Freude und berechtigter Hoffnung sahen wir ihn dieses Amt bekleiden und allgemein war der Wunsch, daß er viele viele Jahre dasselbe zum Wähle und zurZufriedenheit Aller ausfüllen sollte. Vereinten sich doch in ihm alle Eigenschaften und Bedingungenhierzui« schönsterHarmonie. Ausgerüstet mit fclteixen Geistesgaben war er auf zahlreichen Gebieten der Gelehrsamkeitu.Beleseiiheit von srühesterJugeud Zll Hause, studirle fortwährend in den Werken der Commentatoren u. theilte von seinem reichen Wissen Anderen mit. Gesegnet mit irdischen Gütern, betrachtete er dieselben bloß als ein Mittel, um seinen Mitmenschen Freude und Glück bereiten Zil können, und hat Wohlthätigkeit geübt, wie wohl Wenige es thilii Das werden die Armen und Dürftigen bestätigen, die iii unnennbarer Fülle Gutes von ihul genossen — sie werden den treuen, unermüdlicheii Helfer beweinen; das werden die unzähligen Freunde bewahrheiten, die in ihm einen treuen Berather fanden. Lein Angedenken soll gesegnet sein, .n'3's'yn > Vermischtes. (§) Athen Der nationale Klub hier, dem die vornehmsten und reichsten Bürger unserer Stadt angehören und der jetzt am Vorabend des griechisch-türkischen Krieges eine große patriotische Thütigkeit entfaltet, hat den Vorsteher unserer kleinen Cultusgemeinde, Heren Carl Rothschild, in feinen leitenden Ausschuß gewählt. Herr Rothschild ist zwar ein eigewanderter Deutscher, der sich aber schon längst präcisirt hat und nun hier in der Bevölkerung eine geachtete Stelle eiunimmt. Ueberhaupt leben die Juden hier im besten Einvernehmen mit ihren christlichen Mitbürgern. Sidrrey Der Hon. I. A. Jsaacs, Attorney-General (Staatssyndikus,! von Victoria ist zu einem Repräsentanten der Kolonie bei der großen Jubelfeier in London gewählt worden. Bekanntlich vereinigen sich bei dieser Feier aus allen Kolonien die hervorragendsten Persönlichkeiten, um das 60jährige Jubiläum der Thronbesteigung der Königin Victoria festlich zu begehen.

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