Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 32-33 (27.4.1897)
- Date
- 1897-04-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Jubiläums ein Siechenhaus mit einem Koftenaufwande von 100,000 fl. gegründet. Rußland. Petersburg. Die Zeitung „Nowostji", welche stets für die jüdische Sache in Rußland nach Möglichkeit gewirkt hat und deshalb auch über Vorgänge im jüdischen Kulturleben stets gut unterrichtet gewesen ist, hat die Nachricht gebracht, daß ein französischer Senator demnächst nach Petersburg kommen werde, um dem Ministerium der Volksaufklärung im Aufträge der verwittweten Baronin Klara Hirsch eine sehr bedeutende Summe zur Gründung einer höherentechnischenLehranstaltfürAngehörige mosaischer Konfession zur Verfügung zu stellen. Daß das Entstehen einer solchen Lehranstalt von der jüdischen Intelligenz Rußlands mit der größten Freude begrüßt werden würde, ergiebt sich schon daraus, daß in allen russischen Lehranstalten der zulässige Prozentsatz von Lernenden mosaischer Konfession ein sehr beschränkter ist. Die „Nowoje Wremjä", welche bekanntlich immer sehr stark in Antisemitismus macht, begnügt sich aber nicht uur damit, gegen die allerdings sehr unglücklich ausgefallene Wahl des betreffenden Senators als Vermittler in dieser Angelegenheit zu protestiren, sondern sie nimmt auch gegen das ganze Projekt in sehr scharfer Weise Stellung. So schreibt das Blatt u. a. an hervorragender Stelle: „Erstlich dürfte es doch ein bischen kitzlich sein, sich mit einem solchen „berühmten Ausländer" über höhere Bildung zu unterhalten, und Frau Hirsch könnte uns ganz gut einen Vertreter von befferer Qualität schicken. Zweitens aber haben wir noch so wenig russische technische Institute, daß man mit hebräischen noch warten kann. Jedem ist doch klar, daß wir andererseits unsere technischen und industriellen Unternehmungen mit jüdischen Technikern überschwemmen würden." Demgegenüber läßt sich wohl doch nur die Frage aufwerfen: Haben die Juden Rußlands wirklich kein Recht auf höhere Bildung, selbst wenn sie, die gleich anderen Unterthanen ihre Steuern zahlen, die Kosten hierfür ganz allein aus der eigenen Tasche bestreiten? England. London. Unter dem Vorsitz Sr. kgl. Hoheit, des Herzogs von Vork (Sohnes des englischen Kronprinzen) fand in London zu Gunsten der Gesellschaft für den mündlichen Unterricht von jüd. Taubstummen ein Bankett statt, an welchem nebst dem erlauchten Vorsitzenden, mit dem Herzog von Fife, dem Präsidenten der Gesellschaft zur Seite, die Gesandten von Holland, Belgien und Schweden und die leitenden Männer dieses humanitären Vereines theilnahmen. Der Herzog von Pork bemerkte in seiner erstens Ansprache, daß gerade vor 20 Jahren sein Vater Xder Prinz von Wales) einem Bankett zu Gunsten dieses vortrefflichen Unternehmens präsidiert habe, und brachte die Thatsache in Erinnerung, daß vor 30 Jahren die Gründung dieser Gesellschaft durch Baronin Mayer von Rothschild erfolgt sei. Er habe erst vor wenigen Tagen die auf Fritzroy Square gelegene Schule der Gesellschaft besichtigt und sei wirklich erfreut gewesen von allem, was er da gesehen und gehört. Die Schnelligkeit, mit der die Schüler nicht blos die Fragen der Lehrer, sondern auch seine (des Prinzen) und anderer Gäste beantworteten, sei ein Beweis von der unzweifelhaften Wirksamkeit dieses mündlichen Systems. Die großen Erfolge seien übrigens in nicht geringem Maße zu verdanken der Geduld, Energie und Beharrlichkeit des gegenwärtigen Directors, Mr. Van Praagh, und er müsse auch hervorheben, daß die Gesellschaft geschulte Lehrer in die Kolonien und nach Indien gesandt habe. Zum Schlüsse sprach Se. kgl. Hoheit die Hoffnung aus, daß die im Laufe des Abends zur Verlesung bestimmten Subscriptionsbeiträge diese wunderbare Wohlthätigkeitsanstalt finanziell heben und ihren ersprießlichen Wirkungskreis erweitern werden. Auf diesen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Trinkspruch erwiederte der Herzog von Fife, worauf der Secretär Mr. Affur H. Moses das Ergebniß der Subscription 3300 Pfund Sterling (also ca. 66 000 Mk.) verkündete. Nachdem vom Vorsitzenden auf die Armen ausgebrachten Toast erhob sich Capitän H. M. Jeffel, der jüdische Sohn eines der höchstgestellten englischen Richter und einer Zierde des Judenthums, des sel. Sir George Jessel, Nastor of the Rolls (Vorsitzender des Appellationsgerichts beim obersten Gerichtshof), um von der Tapferkeit britischer Soldaten zu sprechen, wie sie neuerdings bei den Dongola- und Benin- Expeditionen zu Tage getreten sei. Die ihm erwiesene Ehre, als Gast anwesend zu sein, schrieb er nur dem Umstande zu, daß die Schule der Gesellschaft in einem Bezirke liegt, den er als Mitglied des Parlaments vertritt. Der Director Mr. Van Praagh gab der Zuversicht Ausdruck, die Zeit sei nicht allzufern, wo die Tauben hören und die Stummen sprechen würden. Der Bericht über den Verlauf dieses Abends darf einen charakteristischen Zug nicht verschweigen : Das bei dieser Gelegenheit servierte Diner ist in streng-ritueller Weise von den ersten jüdischen Köchen der City besorgt worden. Iersonatteri Weilburg, 8. April. Am Freitag, den 2. dss Mts. verschied unerwartet und plötzlich in Folge von Herzlähmung nach nur 1*/, tägigem Krankenlager Herr Gerson Schamberg, der zweite Vorsteher unserer israelitischen Kultusgemeinde im Alter von 63 Jahren. Die allgemeine Trauer um den Verstorbenen und die