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Der Israelit · 1897-04-27 · Heft 32-33 (27.4.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 32-33 (27.4.1897)
Date
1897-04-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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594 deren Bedingungen soll aus der Bibel und aus der talmudisch-midraschischen Literatur quellenmäßig ermittelt und mit Rücksicht auf das Prinzip der sittlichen Selbstthätigkeit systematisch untersucht werden. Um die Continuität in dieser Glaubenslehre zu beleuchten, sollen auch die vorzüglichsten Autoren der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters herangezogen werden. Die Darstellung soll sich wissenschaftlicher Popularität befleißigen. Der Preis beträgt 1000 Mk. Die in deutscher Sprache abzufassenden Preisarbeiten müssen bis zu dem 1. Juli 1899 bei dem Curatorium der Zunzstiftung eingereicht sein. Der Verfasser darf sich in der lediglich mit einem Motto zu versehenden Arbeit nicht nennen, sondern hat seinen Namen in einem versiegelten Couvert anzugeben, welches jenes Motto als Aufschrift trägt. GeÜichhausen bei Göttingen, im April. Herr I. Löwen st ein erhielt anläßlich des Todes seiner Gattin von dem lutherischen Pastor Herrn F. F. von Rosenstern das folgende Condolenzschreiben: Gellichhausen, 9. März. Geehrter Herr Löwenstein! Diese Tage will ich nicht verstreichen lassen, ohne Ihnen schriftlich meine herzliche Theilnahme bei dem schweren Verlust, der Sie betroffen, auszusprechen. Ich weiß, es ist ein schwerer Verlust für Sie und für Ihre Kinder, denen bei ihrem jugendlichen Alter die Mutter noch gar sehr fehlen wird. Aber der Ihnen den Schlag gesendet, ist der Herr, Ihr Gott, unser Gott und auch Ihnen ruft der Prophet Hofea es zu (Kap. 6, V. 1): Kommt, wir wollen wieder zum Herrn, denn Er hat uns zerrissen. Er wird uns auch heilen; Er hat uns geschlagen, Er wird uns auch verbinden. Der Gott Ihrer Väter sei Ihr T>ost. Das ist der aufrichtige Wunsch Ihres :c. Mancher antisemitische Pastor könnte bei Herrn von Rosenstern noch etwas lernen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Das österreichische Herrenhaus besitzt drei Pairs jüdischer Konfession, und zwar den Herrn Präsidenten v. Gomperz aus Brünn, Herrn Baron Oppenheimer und den Herrn Hofrath Professor Grünhut ans Wien. Das Abgeordnetenhaus zählt dermalen 10 Mitglieder jüdischer Confession und zwar: Dr. Emil Byk (Brody-Stadt), Dr. Heinrich Kolischer (Przemysl-Stadt), Jacob Piepes (Lemberger Handelskammer), Dr. Arnold Rapoport v. Porada (Krakauer Handelskammer), Dr. Moritz Rosenstock (Brodyer Handelskammer), Dr. Max Trachtenberg (Kolomea- Stadt), ferner Dr. Benno Straucher (Czernowitz- Stadt), Hofrath Joseph Kareis (Wien-Leopoldstadt), Rudolf Auspitz (Brünner Handelskammer) und Dr. Leo Verkauf (Eger, V. Curie). 8. Tachau, 5. April. Die Reichsrathswahlen in Oesterreich haben, wie voranszusehen war, mit dem Siege der Reaktion geendet und Klerikale, Christlich-Soziale, Deutsche Volkspartei und Deutsch- Volkliche rc., wie die Anhänger des Rückschritts alle heißen, sind haufenweise in das Parlament eingezogen; daß eine solche Wahlbewegung gar sonderliche Früchte zeitigt, ist dann nicht zu verwundern und so sind vielleicht folgende Mittheilungcn für weitere Kreise von Interesse. Seit dem Jahre 1885 vertrat den Landgemeindewahlbezirk Blan-Tachan rc., der hiesige Bürgermeister Heinrich Swoboda, der sich um seine Wählerschaft große Verdienste erwarb — so erreichte er noch in der letzten Zeit seiner parlamentarischen Thätigkeit bei einer Concurrenz von 126 Städten für Tachau die Errichtung einer ärarischen Tabakfabrik — und sich als ein wahrhaft freisinniger Mann erwies. Bei den jüngsten Neilwahlen wurde als sein Gegenkandidat Carl Jro, ein abgewirthschafteter Zuckerbäcker und an und für sich eine recht unbedeutende Persönlichkeit, aber durch Gunst und Sold des bekannten Schönerer dessen Leibjournalist aufgestellt, der auch durch alle denkbare schmutzige Mittel unterstützt, das Mandat errang. Zu dieser Candidatur war Jro von einer hiesigen Clique veranlaßt worden, die sich aus ehemaligen Anhängern Swobodas zusammensetzt, welche, da er ihre egoistischen Zwecke nicht verwirklichen half, nunmehr seine Feinde geworden sind. Häupter dieser Sippe sind die Inhaber der Holzbearbeitungsfirma Ant. Lugner Söhne in Tachau, die sich dabei als Erzverfechter des Antisemitismus gefallen und moralisch und materiell ein in der ganzen Gegend die blinden Leidenschaften gegen die Juden aufwühlendes Organ, genannt „Egener Nachrichten", fördern. Erscheillt es da nicht als Ironie, daß der größere Theil der Abnehmer der von dieser Firma erzeugten Artikel Juden sind? — Den genannten Herren wird dies weiter kein Scrupel machen, denn sie handeln eben nach dem variirten Spruche, der noch vielen Anderen gefällt: „Den Juden liebe ich nicht, doch sein Geld nehme ich gerne", aber doch lasse ich dahin gestellt, ob dies ihren jüdischen Committenten gleichgiltig ist, und daß dieselben etwas Näheres über ihre Lieferanten erfahren, soll der Zweck dieser Zeilen sein. Aus Drohobyez schreibt man: Der Großindustrielle Herr Moses Gartenberg hat beschlossen, zur Feier des fünfzigjährigen Negierungs-Jubiläums des Kaisers in Drohobycz ein nach allen Anforderungen der Hygiene eingerichtetes Spital auf seine Kosten zu erbauen und es der Cultusgemeinde ins Eigenthum zu übergeben. Mit dem Baue wird noch heuer begonnen werden. Es ist dies eine Jubiläumsgabe, die vollständig den Anschauungen, die der Monarch selbst über die Feier seines Jubiläums geäußert hat, entspricht. Herr Gartenberg hat im Jahre 1888 anläßlich des vierzigjährigen Kaiser-

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