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Der Israelit · 1897-04-27 · Heft 32-33 (27.4.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 32-33 (27.4.1897)
Date
1897-04-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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593 lige Religion sind, so saget wenigstens Euren Kindern, daß Ihr, wenn Ihr auch den irregeleiteten Bruder in Eurem Hause empfängt und seine geschäftlichen Kenntnisse oder sein gemeinnütziges Wirken schätzet, Ihr doch stets von tiefem Bedauern für ihn erfüllt seid, da es ihm in seiner Jugend versagt gewesen, die Segnungen unserer heiligen Lehre, die unendliche Liebe, die der Allgütige uns zugewandt, kennen zu lernen. Nur ein mannhaftes Auftreten Juden und Nichtjuden gegenüber verbunden mit Kenntniß unseres heiligen Gesetzes sind heute noch im Stande uns Rettung zu bringen. Wollen wir in diesem Sinne weiterkämpfen, dann war die Lebensarbeit jener großen Männer, zu denen auch der Begründer dieser Blätter gehörte und deffen Jahrzeitstag wir heute wehmuthsvoll begehen, nicht vergebens. ZeitungSrrachrichten und Correfpondenzen Deutschland. Mainz, Erew-Peßach. (DiedeutscheReichspost oben, unten und in der Mitte.) Bei der deutschen Reichspost finden wir die merkwürdige Erscheinung, daß ihre höchsten und niedrigsten Beamlen judenfreundlich, die Angestellten indeß der mittleren Rangstufen und das ist naturgemäß die große Mehrheit, antisemitischer Gesinnung sind. So ging dieser Tage folgende Notiz durch die Zeitungen: „Seit mehreren Wochen werden — ein merkwürdiges Seitenstück zu den antisemitischen Schmäh- und Drohbriefen — Postkarten mit in gröbster Weise verletzenden zeichnerischen Zuthaten verbreitet. Merkwürdigerweise hat die Post die Karlen bislang unbeanstandet befördert, obgleich sie zumeist nach „Neu-Jcrusalem" adressirt waren und die Post daher gar keinen zwingenden Anlaß gehabt hätte, die Karten in Frank'urk zu bestellen. Nun hat endlich ein israelitischer Bürger gegen die postalische Verbreitung der Karte Front gemacht, in einer Beschwerde bei der Oberpostdirektion. Der Bescheid lautet: „Wenn auch eine Prüfung der zur Post gelieferten Postkarten dahingehend, ob sich aus ihnen die Absicht der Beleidigung oder einer sonst strafbaren Handlung ergibt, bei den großen Massen der gleichzeitig zur Beförderung vorliegenden Velscndungsgegenstände nicht immer durchführbar ist, so ist im vorliegenden die beleidigende Absicht aus der Aufschrift der Postkarte ohne Weiteres zu erkennen. Es ist daher durchaus zu mißbilligen, und es wird durch das Postamt 1 (Zeil als Absendungspostanstalt) entsprechende Rüge finden, daß die Postkarte nicht von der Beförderung ausgeschlossen worden ist." Auch erfuhren wir erst jüngst gelegentlich des Ablebens des Staatssekretärs Dr. von Stephan von der innigen Freundschaft, die diesen mit dem jüdischen Profesior Daniel Sanders in Strelitz verband und wie es hauptsächlich dieser israelitische Gelehrte war, dem man die Ausmerzung alles Fremdländischen aus der Postsprache verdankt, trotz der angeblichen Generalpacht des Patriotismus von Seiten der Antisemiten. Der Grund für die oben erwähnte Thatsache, daß die Post oben und unten philo-, in der Mitte hingegen antisemitisch ist, mag wohl darin zu suchen sein, daß die Leiter unserer Verkehrsanstalten sich wohl bewußt sind, welches nützliche und speziell für die Post einträgliche Element die deutsche Judenschast bildet, bei den Subalternbeamten hingegen, die das ganze Jahr hindurch Briefe und Werthsendungen jüdischer und jüdisch klingender Firmen zu befördern haben, können die antisemitischen Hetzer mit der größten Leichtigkeit den Neid der doch immerhin nur über einen beschränkten Gesichtskreis verfügenden Leute erwecken. Eine solche Werthsendung übersteigt oft den kärglichen Jahresgehalt eines solchen Subalternbeamten um das Hundertfache und dabei erzählen ihm die Antisemiten Abends in den Versammlungen, daß die Juden 50 pCt. verdienen! Muß da nicht der Haß gegen diejenigen, die angeblich auf unsolide Weise ihr Geld verdienen, von selber kommen? Das scheint uns die Ursache für den Antisemitismus der mittlere» Postbeamten zu sein, der nach Ansicht der „A. Z. d. Jud." noch seiner sozialpsychologischen Erklärung harrt. Die untersten Beamten der Post, dagegen die Briefträger, Caffaboten, Packetfahrer rc. die mit dem jüdischen Publikum persönlich verkehren, haben einen richtigeren Blick für das praktische Leben, sie sehen, wie die jüdischen Geschäftsleute sich schwer plagen, schwerer wie mancher christliche und sorgenvoller wie der immerhin in sicherer Stellung sich befindliche Postbeamte. Sie sehen auch, wie der Jude immer ein Herz hat, und wenn er noch so schwer ringt, dem armen Postboten sein Trinkgeld nicht versagt. — Wir wissen nicht, wer der Nachfolger des Herrn o. Stephan werden wird, aber wer es auch sei, er würde eine Thal im Jnteresie der Post begehen, wenn er bei seinen Beamten sich den Antisemitismus in Zukunft energisch verbitten würde, denn ohne schwere Schädigung dieses hochentwickelten Instituts dürfte bei demselben diese Giftpflanze sich kaum dauernd einnisten können. Berlin, 22. April. (Preisausschreiben der Z u n z st i f t u n g.) Das Curatorium der Zunzftiftung hierselbft (Vorsitzender Dr. S. Neumann, Schriftführer Dr. Abraham) veröffentlicht folgendes Preisausschreiben: Ein Gönner der Wissenschaft des Judenthums hat für die beste Beantwortung der beiden nachstehenden Preisfragen entsprechende Preise bestimmt und uns mit der Ausschreibung der Preisfragen und mit der Ernennung der Preisrichter beauftragt: 1. Geschichte der Juden in Babylonien mit besonderer Berücksichtigung der Cultur- und Literaturgeschichte bis zum Abschluß des Talmuds. Von der Preisbewerbung sind Arbeiten, welche nur einen Abschnitt des bezeichneten Zeitraums behandeln, nicht ausgeschlossen. Neben den Anforderungen strenger Wissenschaftlichkeit wird auch gute Darstellung gewünscht. Der Preis beträgt 2500 Mk. 2. Die Lehre des Judenthums von der Versöhnung und

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