Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 30-31 (15.4.1897)
- Date
- 1897-04-15
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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587 - ***** yap '»?**.**';■rTg?*-:'.** sie dieses Wort, kaum gesprochen, wieder zurückgenommen, allein zu spät. Todtenblaß, doch ruhig entgegnete ihr Heinrich: „Du thatest wohl daran, mich zu erinnern, daß alles Dir gehört, ich will Dir auch die Verfügung allein überlassen." Dann ging er in sein Arbeitszimmer, ohne sich wie gewöhnlich zum Abendessen einzusinden. Als er auch des morgens zum Frühstücke nicht erschien, ging Hedwig selbst in das Arbeitszimmer, weil sie glaubte, ihr Mann, der oft spät in der Nacht arbeitete, hätte das daselbst befindliche Ruhebett benutzt, fand dasselbe aber unberührt und auf dem Schreibtisch einen an sie gerichteten Brief, den sie voll banger Ahnung össnete. Er enthielt die Miltheilung, „daß er eine Frau verlassen müsse, die seine religiösen Gefühle nicht verstehen wolle und seine Manneswürde unter Berufung auf ihren Geldsack erniedrige. Wolle sie eine Scheidungsklage eini reichen, so möge sie sich an seinen Studienfreund RechtSanwaltR. in Berlin wenden". Mit dem nächsten Zuge fuhr Hedwig nach Berlin und suchte das Bureau des Rechtsanwaltes auf, in der Hoffnung, dort den Aufenthalt ihres Mannes zu erfahren. Der Advokat war nicht zu sprechen, da er auswärt» eine Vertretung in einer wichtigen Streitsache zu führen hatte. Sie ließ im Bureau ihre Karte zurück mit der Bitte, der Rechtsanwalt möge sie bei feiner Rückkehr in ihrem Hotel besuchen. Dann irrte sie ruhelos in der großen Stadt umher, in der Erwartung, möglicherweise ihrem Gatten zu begegnen, besuchte zur Speisestunde mehrere israelitische Restaurationen; jedoch ohne jeden Erfolg. Todmüde kehrte sie in ihr Hotel zurück und verbrachte eine schlaflose Nacht. Am anderen Morgen ließ sich Rechtsanwalt R. bei ihr melden und sie empfing ihn in der sicheren Erwartung, Nachricht über den Aufenthalt ihres Mannes zu erhalten; aber auch hierin sollte sie sich täuschen. Der Rechtsanwalt konnte ihr nur mittheilen, daß Heinrich ihn durch Depesche an den Hauptbahnhof beschieden, ihm dort kurz seine Verhältnisse mitgetheilt und ihn ersucht, eine etwaige Scheidungsklage seiner Frau entgegenzunehmen. Durch eine Annonce iu der „Times" sollte er ihn hiervon verständigen und nur in diesem Falle würde er dann „Au»z«g au» Egypten." Nach dem Holzschnitt des Hans Holbein des Jüngeren. seinen Aufenthalt erfahren. Heinrich sei dann mit dem Hamburger Schnellzug weitergereist und werde sich wahrscheinlich nach England oder Amerika gewendet haben. Hedwig ersuchte den Rechtsanwalt weder Mühe noch Kosten zu sparen, um den Aufenthalt ihre» Mannes ausfindig zu machen, sie beschönigte ihr Verhalten gegen den dennoch geliebten Mann nicht und maß sich alle Schuld bei. Der Rechtsanwalt suchte die fast Verzweifelnde zu beruhigen, bat sie nach Hause zurückzukehren und versprach ihr alle Schritte zu thun, die zur Auffindung ihre» Gatten führen könnten. Mit tiefem Weh im Herzen fuhr sie der Heimath zu und als sie ihre so trauliche Wohnung betrat, kam ihr dieselbe so verödet vor, daß sie ruhelos von einem Zimmer ins andere eilte. Stundenlang verweilte sie im Arbeitszimmer des Verschwundenen und bei jedem Geräusche glaubte sie seinen elastischenSchritt zu vernehmen, glaubte, jetzt müsse die Thttre sich öffnen und die ihr so liebe Gestalt erscheinen. All sein Reden und Handeln rief sie sich ins Gedächtniß und kam zu der Ueberzeugung, daß sie ihn dazu gezwungen, so und nicht ander» zu handeln. Ihr ganze» Denken concentrirte sich auf einen Punkt, wenn er zurückkehrte, wie wollte sie ihn fußfällig um Verzeihung bitten und sich für die ganze Zukunft seiner bewährten Führung unterstellen. In dem Städtchen hatte das Verschwinden des allgemein beliebten und hochgeachteten ManneS kein geringes Aussehen erregt. Da Niemand einZerwürfniß zwischen beiden Gatten auch nur ahnte, so wurde allgemein angenommen, daß der Verschwundene einem Unglücksfalle oder Verbrechen zum Opfer gefallen sei. Tage und Wochen vergingen, ohne daß von Heinrich eine Spur entdeckt wurde. Der Berliner Rechtsanwalt hatte alles aufgeboten, um denselben ausfindig zu machen, er schien wie vom Erdboden verschwunden. In dieser ganzen Zeit empfing Hedwig keine Besuche, noch ging sie aus, um allen lästigen Fragen und den noch schmerzlicheren Beileidsbezeugungen zu entgehen. Als nach Verlauf von fast drei Atonalen nicht der geringste Anhaltspunkt über den Aufenthalt Heinrichs gefunden war, löste sie ihren Haushalt auf, vermietete ihr Vaterhaus und siedelte in ein kleines, am Rhein gelegenes Städtchen über, in welchem ihre