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Der Israelit · 1897-04-15 · Heft 30-31 (15.4.1897) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 30-31 (15.4.1897)
Date
1897-04-15
Page
– (sequence 27)
Language
German
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585 Starks auf's Höchste zu steigern und das Einzige, was ihn zurückhielt sich dem geliebten Mädchen noch mehr zu nähern war Furcht, man könnte als kalte Berechnung das betrachten, was nur aufrichtige Liebe war. Ja, wäre sie arm gewesen, so hätte er keine Stunde gezögert ihr seine Liebe zu gestehen. So war abermals ein Jahr dahingegangen und da sich die Asthmabeschwerden Friedmann's in stärkerem Maße wiederholt hatten, mußte er im Mai des Jahres 1866 die heilkräftigen Quellen von Ems benützen. Dr. Stark begleitete ihn auf seinen ganz besonderen Wunsch dorthin und empfahl ihn einem der renommirtesten Aerzte; daß die liebende Tochter, den so sehr an sie gewöhnten Vater nicht verließ, war selbstverständlich. Dr. Stark kehrte sofort wieder zu seinen zahlreichen Patienten zurück, mußte aber schon nach einigen Wochen zu seinem Truppentheile stoßen, um den Feldzug gegen Süddeutschland als Militärarzt mitzumachen. Als er nach diesem wohl kurzen aber ereignißvollen Kriege von Gießen aus beurlaubt wurde, eilte er von dort nach dem nahen Ems, wo er von dem alten Freunde, wie auch von dessen Tochter, freudigst begrüßt wurde. Beide sprachen es dem jungen Freunde unumwunden aus, wie sehr sie ihn vermißt, wie sie sich um ihn geängstigt und nach jedem Gefechte der versprochenen Nachricht sehnlichst entgegengesehen hätten. Dr. Stark fand das Mädchen begehrenswerther als je und es berührte ihn fast schmerzlich, es von mehreren jungen Kurgästen umschwärmt zu sehen. Am zweiten Abend nach seiner Ankunft begleitete er sie voll einem Conzert nach Hause, wohin sie mit einer befreundeten Familie gegangen war, da ihrem Vater die kühle Abendluft nicht zuträglich und er es vorzog, mit einigen älteren Herrn ein Kartenspiel zu machen. Als sie in der prachtvollen Julinacht die herrlichen Anlagen des Bades durchschreitend ihrem Hotel zugingen, da löste sich der Bann, der auf Beider Herzen lag und es kam zu einer Aussprache, worin sie sich ihre längst gehegte Liebe gestanden. Im Hotel angekommen, eilte Hedwig auf ihr Zimmer, während der Doctor seinen alten Freund im Speisesaal aufsuchte und dort noch fand. Derselbe war im Begriffe aus sein Zimmer zu gehen, das neben dem des Arztes lag und ersuchte diesen, noch ein wenig bei ihm einzutreten. Zwar hatte Heinrich erst am nächsten Morgen, um seinen alten Freund nicht aufzuregen, um die Hand der Tochter anhalten wollen; als er sich aber jetzt so allein ihm gegenüber befand, ließ es ihn nicht mehr ruhen, er mußte sich Gewißheit verschaffen, wie seine Werbung von dem Vater ausgenommen würde. In schlichten Worten theilte er dem Greise mit, was sich an dem heutigen Abende zwischen ihm und Hedwig begeben; statt aller Antwort eilte derselbe aus ihn zu und schloß ihn wortlos vor Freude in die Arme. Erst nach längerer Pause vermochte der von Rührung übermannte Greis zu sprechen: „Ich kann mit unserem Erzvater Jakob sagen: „Omuso hapoam", ich will nun gerne sterben, nachdem mir mein Liebliegswunsch, auf den ich alle diese Jahre gehofft, in Erfüllung gegangen ist. Ich wüßte Niemand auf Erden, dem ich meine geliebte Tochter so gerne hingegeben hätte, als Dir mein theurer Sohn; ich kenne und ehre die Beweggründe, die Dich so lange zögern ließen und hätte heute noch mit Dir darüber gesprochen, wenn Du mir zu meiner unaussprechlichen Freude nicht zuvorgekommen wärest." Am anderen Morgen bei der Brunnenpromenade stellte der alte Herr seinen zahlreichen Bekannten das Brautpaar vor und sie nahmen von allen Seiten Glückwünsche entgegen. Nach einigen Tagen verließ der glückliche Bräutigam Ems, um seine lange unterbrochene Praxis wieder aufzunehmen und nach einigen Wochen kehrten auch Vater und Tochter nach Buchheim zurück. Rasch schwanden dem glücklichen Paare die Monate der Brautzeit dahin. Herr Friedmann hatte inzwischen die kaufmännische Leitung der Basaltwerke aufgegeben und sich überhaupt vom Geschäftsleben zurückgezogen. Die Parterreräume seines Hauses, welche bisher geschäftlichen Zwecken dienten, hatte er sich zu seiner eigenen Wohnung einrichten lasten, während der erste Stock für das junge Paar bestimmt wurde. Im November fand die Hochzeit im engsten Kreise statt, da die beiderseitige Verwandtschaft eine sehr kleine war. Kurz vor der Hochzeit gab es zwischen den Verlobten eine kleine Spannung, die sich jedoch schnell wieder löste. Hedwig wünschte nämlich, sofort von der Trauung aus eine Hochzeitsreise zu machen, wogegen der Bräutigam entschieden proteftirte. „Abgesehen davon, daß vom religiösen Standpunkt aus eine Hochzeitsreise bester zu Unterlasten sei, so finde ich es auch dem Gefühle entgegen, sein junges Glück in der weiten Welt zur Schau zu tragen. Wir werden mit größerem Genüsse reisen, wenn wir in unserem neuen Verhältnisse uns eingelebt und ich bin gerne bereit, später das Versäumte nachzuholen." Da auch der Vater auf der Seite Heinrichs stand und erklärte, es würde ihn unangenehm berühren, nach der Hochzeitsseier ein ödes Haus zu finden, so gab Hedwig endlich nach; ein kleiner Stachel blieb indessen doch zurück. Im Hause Friedmann's bezw. des jungen Paares schien nun das Glück im höchsten Maße zu walten, war doch alles vorhanden, was in den Augen der Menschen als Glück betrachtet zu werden pflegt: Jugend, Liebe, Reichthum und Ehre. Wer das junge Ehepaar, sei es im eigenem Heim, in Gesellschaften oder bei öffentlichen Vergnügungen traf, der mußte glauben, daß ungestörteste Seelenharmonie j sie verband, und doch war dem nicht so. Wohl hing

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