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Der Israelit · 1897-04-15 · Heft 30-31 (15.4.1897) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 30-31 (15.4.1897)
Date
1897-04-15
Page
– (sequence 26)
Language
German
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584 Haltung zu, der junge Herr mußte von seinen Studien, seinem Dienstjahre als Einjährigfreiwilliger, das er gleichzeitig absolvirte rc. ic. erzählen; während der ältere Herr seiner Freude über den gewonnenen Gesellschafter Ausdruck verlieh und Pläne für dessen Zukunft entwarf. Des anderen Tages schon begleitete Dr. Stark seinen Freund auf die Werke um die Verhältnisse der Arbeiter kennen zu lernen und auf dem Rückwege fuhren sie bei einigen der angesehensten Familien vor, woselbst der junge Arzt als solcher, wie als Freund Friedmann's auf's zuvorkommenfte begrüßt wurde. Nach einigen Wochen schon war der jugendliche Arzt nicht nur von den Arbeitern in Anspruch genommen, sondern er hatte auch außer diesem Kreise, für welchen er ja angestellt war, eine bedeutende Praxis erworben. Die bisher innegehabte Wohnung im Hause seines väterlichen Freundes vertauschte er gegen eine ganz in der Nähe liegende Miethwohnung, damit nicht ferner die Nachtruhe des alten Herrn, wie es schon einigemal geschehen war, durch Herausklingeln des ArzteS, gestört würde; doch mußte Stark ihm versprechen sich seiner Equipage, welche er selbst höchst selten benützte, zu bedienen und stets bei ihm zu speisen. Das letztere war der junge Arzt eines Theils gezwungen anzunehmen, da sich unter den wenigen jüdischen Familien des Städtchens keine befand, welche rituelle Kost verabreichte. Dr. Stark war aber nicht nur von Haus aus streng religiös erzogen, sondern er hatte auch während seiner Studienzeit alle Gebote unsres heiligen Glaubens genau beobachtet und sich ein ungewöhnliches Maaß von Kenntnissen in unsrer heiligen Lehre erworben, er war ein begeisterter Anhänger des gesetzestreuen Judenthums. Wurde auch der Haushalt Friedmann's streng rituell geführt und beobachtete Friedmann selbst alle Gebote auf's genaueste, so ging ihm dennoch alles tiefere Wissen ab und er konnte sich für die, an Sabbat und Festtagen von dem jungen Arzt ihm vorgetragenen Gedanken nicht so recht erwärmen. Als Cultusvorstand der kleinen Gemeinde ließ er sich jedoch ganz von dem jungen Arzte leiten und es wurden auf dessen Anregunghin einige nothwendige religiöse Institutionen ins Leben gerufen. Auch auf die übrigen Glaubensgenossen machte das Vorgehen des hochgebildeten und von den Angehörigen anderer Konfessionen hochgeschätzten jungen Arztes den tiefsten Eindruck und das erschlaffte religiöse Leben begann auf's Neue kräftig zu pulfiren. Ein Jahr war so in schönster Harmonie dahingeschwunden und der junge Arzt war seinem alten Freunde unentbehrlich geworden, so daß er oft die Zeit nicht erwarten konnte, bis derselbe von seiner sich immer mehr erweiternden Praxis zurückkehrte und er oft stundenlang mit den Mahlzeiten auf ihn wartete. Der junge Arzt hatte ihn oft gebeten doch keine Rücksicht auf ihn zu nehmen und zur altgewohnten Stunde zu speisen; allein umsonst, Friedmann behauptete, daß es ihm gar nicht munden würde ohne seinen lieben Gesellschafter. Nicht nur als Freund und Gesellschafter stand Dr. Stark dem alten Herrn nahe, er war ihm Arzt und Pfleger zugleich, als einigemal ein altes asthmatisches Leiden sich einftellte. Nach einem wiederholt aufgetretenen Anfalle sprach Friedmann davon, seine Tochter, deren Pensionszeit ohnedies zu Ende wäre, zu sich nach Hause zu nehmen. Der junge Arzt theilte nach einigen Tagen, mit feinem Taktgefühl, dem Freunde mit, daß seine Praxis eine solche Ausdehnung gewonnen habe, daß er unmöglich mehr dessen Gastfreundschaft in Anspruch nehmen könne, daß er deßhalb eine Haushälterin engagirt und eigene Küche eingerichtet habe, was nur zur beiderseitigen Beqeumlichkeit dienen würde. Wohl merkte der alte Herr, daß dies nicht der einzige Grund sei, der den Arzt von seinem Tische ferne hielt; aber auch er schwieg taktvoll und bat nur, daß der junge Freund den alten nicht ganz vergessen möge und soviel von seiner freien Zeit, als ihm möglich sei zu opfern und bei ihm zuzubringen. Nach einigen Wochen kehrte Hedwig ins Vaterhaus zurück, das sie fast drei Jahre nicht betreten hatte; denn während der großen Ferien weilte Friedmann gewöhnlich in einem Bade, wohin er die Tochter kommen ließ. Am zweiten Abend nach ihrer Ankunft besuchte Dr. Stark wie gewöhnlich den alten Freund, der ihm voll Vaterstolz die blühende Tochter vorftellte und die Hoffnung dabei aussprach, sie würden gute Freunde werden. „Papa hat mir so viel von Ihnen geschrieben, daß ich Sie auch erkannt hätte, wenn Sie mir auf der Straße begegnet wären," sagte das schöne lebhafte Mädchen. Man sah es den Beiden an, daß sie gegenseitig Wohlgefallen an einander fanden und bis zur späten Abendstunde dehnte sich die muntere Unterhaltung der jungen Leute aus, während der alte Herr glücklich lächelnd den Zuhörer spielte. Fast jeden freien Abend brachte St. in diesem gemüthlichen kleinen Kreise zu, manchmal vorlesend oder auch musicirrend. Was der junge Arzt noch mehr als Schönheit und Bildung bewunderte, war Hedwig's Häuslichkeit, ihr Wissen in religiösen Dingen und deren genaue Beobachtung. Als er einst ihr unverhohlen seine Bewunderung aussprach über die bei jungen Damen unserer Zeit so seltene Eigenschaft, erwiederte sie ihm, sie könne es nicht begreifen, wie man glücklich sein könne ohne Ausübung der göttlichen Gebote. Dem mehr und mehr leidenden Vater war sie eine so aufopfernde Pflegerin, daß sie der Arzt oft ermahnen mußte, doch auch an die eigene Gesundheit zu denken und öfters frische Luft zu schöpfen. So traf alles zusammen, um die Bewunderung Doctor

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