Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-04-15 · Heft 30-31 (15.4.1897) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 30-31 (15.4.1897)
Date
1897-04-15
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448735--43741-2492804
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

577 für die Westendsynagogc erwähnen wir mit besonderem Dank eine Thora-Rolle, gespendet von einer Anzahl Damen, meist Besucherinnen der Wcstendsynagoge, und eine goldene Thorakronc, gewidmet von verschiedenen Damen und Herren. Thoramäntel und Deckchen erhielten wir von den Damen Roßbach, Mosbacher, Bauer, Lehmann, Löwenthal und Carlebach und Herrn Lasar Joseph Seligmann. Wenn auch in Folge des Aufrufs, den wir im vorjährigen Berichte abdruckten, imb durch persönliche Bemühungen die Jahresbeiträge sich erfreulich gehoben haben so bitten wir doch unsere Glaubensbrüder, die sich an unserm Erziehungswerke noch nicht bethciligen, recht dringend, auch ihrerseits zur Aufrechthaltung der Religionsschule beizutragen, der durch die Zweitheilung des städtischen Gymnasiums vermehrte Lasten erwachsen sind. Auch die ungünstigen Zeitverhältnissc üben ihre Wirkung, indem die Zahl der Zöglinge, die kein Schulgeld zu zahlen im Stande sind, im Zunehmen begriffen ist. Möchten doch unsere von Gott mit Glücksgütern gesegneten Glaubensgcnossen die Anstalt unterstützen durch Stiftung für Frciplätzen oder durch größere Gaben zu dem Zweck, die auf den Schulgebäuden ruhende Schulden- und Zinsenlast zu vermindern! Die Spender würden sich mit die religiös-sittliche Erziehung der hiesigen jüdischen Jugend ein unvergängliches Verdienst erwerben. Aus dem Elsaß. Gestatten Sie, wenn ich Ihrem gesch. Leserkreise einige Miltheilungen über die Zustände in dem israelitischen Krankenhause zu Straßburg i. E. mache. Seit Gründung dieser Anstalt wurden zur Pflege der Kranken jüdische Pflegerinnen angestellt, die mit bewunderungswürdiger Opferwilligkeit und Hingebung ihres Amtes walteten. Gar mancher Kranke entschloß sich, sich der Pflege in dem Spital zu unterziehen, da allgemein in ganz Elsaß bekannt war, wie gut die Besorgung in demselben war. — Wie sehr muß es uns daher befremden, wenn wir erfahren, daß ganz plötzlich die jüdischen Krankenpflegerinnen entlasten und an ihre Stelle christliche Pflegerinnen gesetzt wurden. — Der Sachverhalt ist ungefähr folgender: Die neue Verwaltungsbehörde wollte, da die Anstalt materiell schlecht gestellt ist, Maßregeln treffen, die den Pflegerinnen eine sorgsame Wartung der Kranken unmöglich gemacht hätten. Da ihren Vorstellungen kein Gehör geschenkt wurde, sahen sich die Pflegerinnen genölhigt, ihre Entlastung zum nächsten Monat zu verlangen. Man wartete jedoch nicht lange, sondern entließ sie plötzlich und verbot ihnen, das Krankenhaus noch einmal zu betreten. — Ein krankes Waisenkind verlangte inständig die eine Wärterin, namens Lisette. Seine Bitte wurde ihm nicht gewährt, es verschied noch in derselben Nacht und rief noch beim letzten Athemzuge die Wärterin Lisette. — Diese Wärterin war seit Gründung des Spitals im Dienste und bei allen, die in dem Spitale behandelt wurden, sehr beliebt. — Unter diesen Umständen entschlossen sich die behandelnden Aerzte, darunter die Professoren Boeckel, Bayer, Stilling, Dr. Levy, Präsident des israelitischen Consistorillms und Mitbegründer des Spitals, eine Behandlung von Kranken in dieser Anstalt nicht mehr zu übernehmen. Sie haben auch erkannt, daß die Verwaltung nicht die richtigen Maßnahmen getroffen hat. Sie hat nur an die Besserung der pecuniären Lage der Anstalt gedacht und nicht dabei erwogen, daß die Leitung eines Krankenhauses nur dann gut sein kann, wenn die Mitglieder der Verwaltung, von echter Wohlthäligkeit angespornt, der leidenden Menschheit zu Hilfe kommen wollen. Will denn die Verwaltung nichts davon wissen, daß seit der Aenderung eine ganze Anzahl von Kranken aus der Anstalt ausgetreten ist? Wie stellt sich denn der Herr Oberrabbiner, der doch mit zur Verwaltung gehört, zu dieser Angelegenheit, und welche Schritte hat er gethan, um eine solche unhaltbare Situation zu verhüten? Soll denn dieser Beschluß der Verwaltung nicht wieder geändert werden? Wir hoffen mit Zuversicht, daß diese peinliche Lage in diesem Spital recht bald beseitigt sein wird, damit nicht eine jener guten Institutionen Straßburgs durch den Muthwillen einiger Leute zerstört wird und die kranken Israeliten nicht gezwungen sind, in einer christlichen Anstalt sich pflegen zu lassen, wo sie nur mit den größten Schwierigkeiten die religiösen Speisegebote beobachten können. Denn, welcher '-irr wird sich in einem solchen jüdischen Svital behandeln lassen? Wir müssen annehmen, daß nian keine thut, wenn man eine solche Anstalt unterstützt. Wir sprechen daher nochmals den Wunsch aus, daß die Ruhe und die alte Zufriedenheit recht bald wieder etnziehe in den Räumen des israelitischen Krankenhauses, so daß wir bald Gelegenheit haben werden. Ihnen von der Einigkeit der Straßburger Geineinde zu berichten. — Oesterr.-Ungar. Mo na rchie. o) Budapest, 10. April. In der verflossenen stacht ist hier der Rabbinats-Präsidents Rabbiner Samuel Löw Brill im 83. Lebensjahre gestorben. Der Dahingeschiedene vereinigte in sich eine seltene Kenntniß der talmudischen und der neueren jüdischen Wissenschaft mit einer geradezu stupenden Belesenheit in der weltlichen Literatur, die all Diejenigen in Erstaunen setzte, welche mit ihm in Verkehr traten. Hervorgegangen aus der alten Schule war Brill ein Anhänger der Neuerungen. In die Oeffentlichkeit ist Brill Zeit seines Lebens nie herausgetreten, er war ein Stubengelehrter im strengsten Sinne des Wortes, dem die Fähigkeit der Wiedergabe nahezu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.