Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 30-31 (15.4.1897)
- Date
- 1897-04-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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564 Krankenhause eine schöne Summe Geldes als Aushilfe zugefloffen. Was würde Richard Wagner dazu gesagt haben? Indien. Bombay. Auch die Juden Indiens rüsten sich, um da« 60jährige Regierungsjubiläum der Kaiserin- Königin Victoria durch humanitäre und patriotische Stifungen würdig zu begehen, da sich während dieser verflossenen sechs Jahrzehnte auch die sozialen und religiösen Verhältnisse dieses großen Reiches bedeutend zum Bessern geändert haben. Als die Königin Victoria 1837, als junges Mädchen den Thron bestieg, da war das große indische Reich, das freilich damals noch nicht seinen heutigen Umfang hatte, nur eine englische Handelskolonie, denn dasselbe wurde von den vierundzwanzig Direktoren der ostindischen Compagnie, die in London ihren Sitz hatte, regiert. Die Compagnie zeigte sich zwar wohlwollend den Juden gegenüber, doch als eminente Handelsgesellschaft dachte sie vor Allem an ihren materiellen Interessen und dann erst an die Pflichten der religiösen Toleranz. Als aber 1857 das englische Parlement die ostindische Compagnie für aufgelöst erklärte und Königin Victoria selbst die Regierung dieser Colonie übernahm, da wurden auch die Juden Indiens völlig gleichgestellt mit den übrigen Bewohnern des Landes und alle indischen Städte standen nun den Söhnen Jakobs offen. Sie konnten sich nun in allen Theilen des ungeheuer großen indischen Reiches niederlassen, hier Gemeinden gründen. Schulen und Synagogen erbauen und Geschästsläden öffnen. Ihre Anzahl ist aber seit damals auch bedeutend gestiegen. Vermischtes. Berlin Gegen die Wiedereinführung der konfessionellen Eidesformel hat der „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" in seiner gestrigen Versammlung Stellung genommen. Trotz aller Verwahrung der an dein diesbezüglichen Beschlüsse des Reichstages betheiligten Parteien, wurde erklärt, se' die antisemitische Tendenz des Antrages unverkennbar. Wohl hätten bis 1878 jüdische Richter den christlichen Eid abgenommen, ohne daß es je zu Konflikten gekommen wäre. Bei der Verschärfung der antisemitischen Strömung sei jedoch zu befürchten, daß die Wiedereinführung des konfessionellen Eides absichtlich zur Herbeiführung solcher Konflikte ausgenützt würde, um dadurch einen Borwand zur Beschränkung der jüdischen Richter zu gewinnen. Der Vorstand wird mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dahin wirken, daß die Wiederaufnahme der konfessionellen Eidesformel in die neue Prozeßordnung unterbleibe. _ Setlitt. Für rituelle Speisung von jüdischen tLtrafgefangenen in Plötzensee hat die hiesige jüdische Gemeinde für das laufende Jabr die Summe von 1200 M. bewilligt. Es ist dies eine Erhöhung von über 200 M. gegen das Borjahr. L. Hannover Unter großer Betheiligung fand das Jubiläum von Frl, Eonstance Leon, Inhaberin des Pensionates Leverson Hierselbst statt. Zahlreiche Blumenspenden und Depeschen von 'Rah unb Fern zeugten von der Beliebt heit, deren sich die Jubilarin erfreut. Der Festabend im „Reuen Hanse" war zahlreich besucht; eingeleitet wurde derselbe durch einen schwungvollen Prolog. Die ferneren Darbietungen der Schülerinneir des Pensionates: Ein Festspiel, sowie die Märchendichtung „Frau Sage" für Soli und Chor mit Klavierbegleitung, ferner ein Lustsviel erregten den lebhaftesten ungetheilten Beifall aller zum Feste Erschienenen. Das darauf folgende Bankett hielt dieselben bis zuin frühen Nkorgen in animirtester Stimmung zusammen. Wie«. L>eine Majestät der Kaiser hat allergnädigst geruht, dei^Ralhsekretär Dr. Ferdinand Unger der Kreisgerichte zu -rabor, znnr Landesgcrichtsrath an diesern Gerichte zu ernennen. _ Feuilleton. Getreu bis in den (Loö. i >) Von Mauriee Ma?orr Heiße Thränen quollen aus meinen Augen. „Warum weinst Du, lieber Vetter? Hat Dich der böse 'Nepomuk beleidigt? Oder hat er Dich gargeschlagen? — Ich heiße 'Nelly, bin Deine Cousine und wie nennt man Dich?" Repomuk war wieder ganz der demüthige Diener. „Nicht doch gnädiges Fräulein!" versetzte er mit tiefer Verbeugung. „Ich habe den gnädigen Herrn nicht beleidigt — aber der gnädige Herr war ganz entrüstet, daß ich es wagte, ihn, statt Schmuel den Reb Jndel, Manfred zu nennen, Nicht war, gnädiger Herr Manfred?" Wuth und Verzweiflung über diese schamlosen Lügen schnürten mir die Kehle zusanunen. Nelly brach in ein schallendes Gelächter aus und klatschte in die Hände, „r'est amüsante, ma foi!" lachte sie. „Aber Manfred ist doch ein viel schönerer 'Name, als Schmuel, und ein langer Kaftan ist doch nicht so hübsch wie eni Pariser Habit! Nicht wahr, Nepomuk?" „Es ist aber gar nicht wahr!" rang es sich verzweiflungsvoll über meine Lippen, während ein neuer Strom von Thränen mir aus den Augen quoll. Mit diesem „nicht wahr" wollte ich Nepomuk's Lügen bestreiten, Nelly aber glaubte daß ich damit ihre Ansicht über meine Toillette bekämpfen möchte. Sie kräuselte verächtlich die Lippen und schwieg. Diesen günstigen Augenblick benutzte der schlaue Nepomuk zu seinem Vortheile. „Jetzt haben Eure Gnaden selbst die Ueberzeugung gewonnen, wie tief Ihr Cousin noch indem polnischen Schlamm steckt. Ja, ja! Nepomuk wird große Mühe haben, bis er ihn zu einem modernen Menschen herangebildet hat!" . . . D:e Sonne schwindet vom Himmel, bald ist der Fafttag Gedalja vorüber, ich muß in das Gotteshaus zum Abendgebet eilen und lege daher die Feder aus der Hand." — — — — — — — „Am 9. Tischri ftti. .