Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 30-31 (15.4.1897)
- Date
- 1897-04-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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562 auch nicht zu bewundern, wenn die aus diesen Eigenschaften hervorgehenden Consequenzen allgemeinste Beliebtheit, Werthschätzung und Hochachtung bei dem am letzten Freitag stattgehabten Leichenbegängniß in einer geradezu erhebenden Anlheilnahme zum Ausdruck kam. Möge Gott feine Gattin und seine Kinder trösten, sein edles Beispiel ihnen und allen, die ihn kannten vorbildlich werden lassen. R. Oest err.-Ungar. Monarchie. Wien, 8. April. Der jüngst verstorbene königlich-württembergische Hofrath Joseph Max Ritter von Pfeiffer war 20 Jahre Mitglied des Cultusvorstandes, aus dem er in Folge seiner Krankheit im vergangenen Jahre schied; er war im Jahre 1889 Obmann und vom Jahre 1890 bis zum 20. Dezember 1896 Obmann-Stellvertreter der Finanz-Section, ferner auch Vorstand der „Alliance israelite", der Baron Hirsch-Schulstiftung und des israelitischen Waisenvereines, wie auch Curator der M. L. Biedermann'schen Waisenstiftung und hatte sich durch sein humanitäres und gemeinnütziges Wirken, sowie sein bescheidenes Wesen die Werthschätzung und Anerkennung der weitesten Kreise erworben. Prag, 11. April. In der ersten Beilage der Nr. 26 Ihres hochgesch. Blattes brachten Sie unter der Ueberschrift „Juden als Soldaten" einen diesbezüglichen Bericht über die öfterr.-ungarifche Armee, welcher sich auf eine Zeitperiode bezieht, welche länger als ein Vierteljahrhundert hinter uns liegt. Ich erlaube mir zur Ergänzung ein Bild der neueren Zeit vorzuführen, wobei ich bemerken muß, daß ich bei der großen Arbeitslast, die auf mir wuchtet, nicht eine akten- und ziffermäßige Darstellung liefern kann, aber Thatsachen berichte, die, wie ich hoffe, befriedigen werden. Der oberste Kriegsherr in Oesterreich-Ungarn Kaiser Franz Joseph, einer der edelsten Monarchen, die je einen Thron geschmückt, spricht es bei jeder Gelegenheit aus, daß er in seinem Staate keinen Unterschied der Confessionen kennt und hat in jüngster Zeit seinen hohen Gerechtigkeitssinn von Neuem dadurch bewiesen, daß er einen Staatsbürger mosaischen Glaubens zum Herrenhausmitglied, mehrere andere zu Oberfinanz-Landesgerichts- und Finanzräthen ernannt, anderen den hohen Titel eines Hofraths verlieh. Es bildet somit auch in der Armee die Religion kein Hinderniß zum Avancement und so ist auch einer der vier Generalstabsärzte, welche den höchsten Rang in der Sanitätsbranche bekleiden (Generalsrang) Generalstabsarzt Dr. Waldstein, ein Jude. AuchG eneralstabsarzt Bernstein war, als er diesen hohen Rang erlangte, noch Jude, und trat erst später zum Christenthum über. Der vor einigen Jahren verstorbene Oberst Beer nahm eine hohe verantwortungsschwere Vertrauungsftelle ein, er war nämlich Kommandant eines Artillerie- Regimentes, wobei hervorgehoben werden soll, daß es in der österreichischen Armee 102 Infanterie-, 44 Kavallerie-, aber nur 14 Artillerie-Regimenter gibt. Der vor zwei Jahren in Pension getretene Oberst Eis war Kommandant des 14. Landwehr-Regimentes. Auch in der Marine nehmen viele Juden Stabs- Offiziers-Rang ein. Was die Zahl der Offiziere jüdischen Glaubens betrifft, kann ich dieselbe nicht genau beziffern, und nur erklären, daß sie die in dem letzten Berichte angegebene, bei Weitem übersteigt Mir selbst sind und zwar im Kreise meiner nächsten Verwandten und Bekannten in meiner Vaterstadt jüdische Familien bekannt, die zwei, drei, auch vier Söhne besitzen, von denen alle als Offiziere dienen. Was über den gegenwärtigen Hauptmann Theodor Ritter von Salemsfeld berichtet wurde, beruht zum Theil auf einem Jrrthum : Schon dessen Vater Leopold Jerusalem wurde mit dem Prädikate Edler von Salemsfeld in den Adelstand erhoben, dessen Sohn Theodor erhielt für seine vor dem Feinde bewiesene Tapferkeit den Orden der eisernen Krone und wurde in den Ritterstand erhoben. S. K. Jassy, 8. April. Am 13. v. M. fand die glänzende Jubiläumsfeier des Herrn Dr. Lippe statt. Herr Rabbiner Dr. Niemurower hielt eine Festrede über „Der Arzt und das Judenthum", die im Druck erscheinen wird. Es sprachen ferner die DDr. Burstin, Dalberger, Salomowicz, Nack u. A. Der Jubilar selbst hielt einen für den Druck bestimmten, gehaltreichen Vortrag, der mit großem Beifall ausgenommen wurde. Tief bewegt gab Dr. Lippe seiner Freude Ausdruck, daß fern Freund und Schüler Rabbiner Dr. Niemurower seine Lebensarbeit in Jaffy fortsetzen werde. Der Jubilar erhielt viele Ehrengeschenke, Adreffen u. s. w. T ü r k e i. Constantinopel, 6. April. (Vom goldenen Horn.) Trotz oder vielmehr wegen der schlechten Verhältniffe, die in der Hauptstadt der Türkei in Folge der anhaltenden Krisis in der Orientpolitik herrschen, haben sich die hiesigen Juden wiederholt in ihren Anstrengungen und Bemühungen überboten, um Gutes zu wirken. So gab der Verein Ahabath-Cheffed ein Concert, der Verein der israelitischen Damen von Pera eine Matinee, der Talmud - Thora - Verein ein Bankett und der Israelitische Turnverein einen Unterhaltungsabend. Alle diese Festlichkeiten folgten einander in den denkbar kürzesten Zwischenräumen, und es wäre in so mißlicher Zeit eigentlich des Angenehmen zuviel, wenn nicht das Nützliche,