Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 30-31 (15.4.1897)
- Date
- 1897-04-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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561 kund thue, daß Ihm der Tag und auch die Nacht eigen ist: „Q Gott bestelle Wächter für Deine Stadt den ganzen Tag und die ganze Nacht, auf daß hell werde, wie Tageslicht die Finsterniß der Nacht." *) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Mainz, im Nissan. D.r ..Jahresbericht der Realschule der israel. Neligionsgesellschast in Frankfurt a. M. 1896—97 vom Direktor Dr. Mendel Hirsch liegt uns vor. Sein Inhalt ist nicht blos interessant, er ist auch erfreulich, ja erhebend. Gleich der erste Blick, der auf die Lehrverfassung fällt, zeigt durch die für das Hebräische am höchsten bemessene Stunden; rhl, auf welches unerschütterte und unerschütterliche Fundament die Realschule und die höhere Mädchenschule ihre Zöglinge stellt, die sie mit moderner Bildung ausrüstet. Die Frequenz der Schulen war wie immer eine sehr befriedigende, die Anzahl der Schüler betrug 832, der Schülerinnen 208. Die Reifeprüfung der 28 Abiturienten, bei der der Direktor ler Anstalt mit den Geschäften des Königlichen Kommissars betraut war, fiel günstig aus. Alle bestanden, und 16 waren von der mündlichen Prüfung befreit. Zu verschiedenen Malen wurde die Schule durch Besuche seitens des Königl. Prov.-Schulkollegiums geehrt. Besonders wohlthuend berührt die warme Begeisterung des weiten Kieises der Freunde dieser Schule, die sich in einer imposanten Reihe reicher Stiftungen und Spenden lebhaft äußert. Hier sei nur ein Betrag von M. 6000 hervorgehoben, een ein ungenannter hochherziger Gönner der Anstalt überwies. Auch die Bibliothek und das naturwissenschaftliche Kabinet wurden durch Geschenke bereichert. Der Chronik der Schule entnehmen wir, daß der verstorbene Herr Emanuel Schwarzschild zu den eifrigsten Förderern ihrer Interessen gehörte, und das Lehrerkollegium und Schule einen schmerzlichen Verlust durch den Tod des Herrn Moses Plaut, der 38 Jahre au der Anstalt wirkte, erlitten haben. Sehr lehrreich für die Erkenntniß des Geistes, in dem die Schule geleitet wird, sind die vom Direktor der Anstalt unter dem Eindruck dieses letzteren Ereignisses gesprochenen Worte, die hier zum Theil wiedergegeben sind. Sie gipfeln in dem Abfchiedsruf an die Abiturienten, den ewigen Grundsatz pn b? rrrcn -ratti nc' px immerdar hochzuhalten und immerdar richtig zu verstehen. Wir wünschen derSchule in ihrem prächtigen Gedeihen glücklich fortzufahren. *) Wir beschließen für dieses Jahr unsere Abhandlungen über die Hagadah schel Peßach, um sie im kommenden Jahre mit Gottes Hilfe fortzusetzen. Red. ’ Worms. Auch in diesem Jahre veranstaltete der Verein n .- x-::n ein Abendessen, um seine Mitglieder, die ihres Amtes bei so ernsten Veranlassungen walten, ein angenehmes Stündchen zu bereiten. Herr Rabbiner Dr. Stein sprach in geistreicher Weise über die Thätigkeit des Vereins, während Lehrer Rothschild seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß dem Vereine sich so viele jüngere Mitglieder angeschlossen haben. Für den Vortrag des w wurden M. 20, für den des Tischgebetes M. 10,) erlöst. — Der hier während der Faschingszeit tagende Verein „Narhalla" hat alljäbrlich einen Theil seines Ueberschusses dem Verein der kath. und evang. Krankenpflege zugewandt. In diesem Jahre hat er auch dem isr. Unterstützungsverein 50 Mark überwiesen. — Dieser Tage starb dahier Herr Moses Schwarz im Alter von 91 Jahren; wenige Tage nachher starb seine Frau im Alter von 89 Jahren. Wer denkt da nicht an die talmudischen Worte: ro rr>'u px x^x nnc ntrx px* untrxb x\x. Die Eheleute Schwarz hatten vor fünf Jahren ihre diamantene Hochzeit gefeiert und hätten, wenn es ihnen beschicken gewesen wäre, im kommenden August das seltene Fest ihrer eisernen (65jährige Ehe) Hochzeit gefeiert. Aus dem Grotzherzogthum Hessen. Es ist gelegentlich der Centeuarfeier außerordentlich aufgefallen, daß sowohl das evangel. Consistorium als auch das bischöfliche Domkapitel die Dekanate zur Abhaltung einer gottesdienstlichen Feier in ihren Dieeösen im Aufträge des Großh. Ministeriums des Innern aufgefordert haben, während weder die Rabbinen noch die Großh. Kreisämter eine gleiche Aufforderung für die jüdischen Gemeinden des Landes erhalten haben. Umsomehr ist es anzuerkennen, daß auch nicht eine israelitische Gemeinde es unterlassen hat, diesen Tag durch eine gottesdienstliche Feier würdig zu begehen. Buttenhausen, 1i. April. Durch das Hinscheiden des Gemeinoeraths Josef Tannhauser wurde die hiesige Gemeinde in tiefste Trauer versetzt. Er war noch einer von den wenigen hier, die dem echten Judenthum treu geblieben sind, was auch Herr Lehrer Forchheimer in seiner Leichenrede besonders hervorhob. Gottergebenheit. Frömmigkeit, strengstes Rechtlichkeitsgefühl, ein offenes Herz und eine offene Hand für jeden Bedürftigen, das waren die Leitfäden, die sich durch sein gutes Thun und Handeln in allen privaten und geschäftlichen Angelegenheiten zogen. Der Verblichene wurde sowohl von der christlichen, als auch von der jüdischen Gemeinde zu den höchsten Ehrenämtern ernannt und vertrat er dieselben auf das Gewissenhafteste. Es mar daher