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Der Israelit · 1897-04-12 · Heft 29 (12.4.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 29 (12.4.1897)
Date
1897-04-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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sowieder lautersten Biederkeit in Handel und Verkehr dringend zu betonen und namentlich auf die Solidarität der jüdischen Gesammtheit und der gegenseitigen Verantwortlichkeit hinzuweisen. Weil im feindlichen Lager bei jedem Vergehen auf jüdischer Seite generalisiert wird, muß der Einzelne um so mehr bestrebt sein, im Leben, Handel und Wandel die Rücksicht auf die Gesammtheit in hervorragendem Maße zu erwägen. Ebenso sollen diese Vorträge stets die BelehrungderGemeindeüberdenreligiösen und sittlich idealen Kern aller rituellen Pflichten und K u l t u s g e b r ä u ch e verfolgen, um dem Lippendienst rmd gedankenlosen Mechanismus vorzubeugen, hauptsächlich aber, um alle Glieder der Gemeinde mit einem Wissensfond auszurüsten, um in heutiger Zeit des Unglaubens und der religiösen Anfechtung gefeit zu sein und in vorkommenden Debatten Rede zu stehen gegen die Verdrehungen religiöser Zweifler und eine glaubensstarke Gesinmlng stets hoch zu halten. An nationalen Gedenktagen, sowie politischen Feiertagen bewirke der Lehrer die Abhaltung von F e ft g o t t e s d i e n st e n. Zu diesen sollen Einladungen an alle Behörden des Ortes ergehen, wie auch ein vollzähliges würdevolles Erscheinen der Gemeinde die aufrichtige nationale Gesinnung bekunden muß. Außerhalb seines Berufes ist vorzugsweise das gute Beispiel des jüd. Lehrers ein wichtiges und erfolgreiches Mittel, sozial bessernd auf seine Gemeinde einzuwirken. Wie der größte Feldherr Tapferkeit und Manneszucht mehr durch sein gutes Beispiel, als durch sein Kommando und seine Erlasse unter seinem Heere verbreitet, so wirkt der Lehrer in jeder Hinsicht nicht durch das, was er sagt, soudern noch mehr durch das, was er ist. „Sei selbst Mensch, um Menschen zu erziehen," war der Wahlspruch des Pädagogen Sailer, und Dicsterweg führt treffend aus: „Wie keiner einem andern etwas geben kann, was er nicht selbst hat, so kann keiner entwickeln, erziehen, bilden, der nicht selbst entwickelt, erzogen und gebildet ist!" Diese Gedanken müsien den Lehrer auch in seiner sozialen Wirksamkeit beherrschen. Darum sei er in seinem ganzen Auftreten, in Kleidung, Haltung, Sprache und Verkehr das würdige Vorbild eines gesellschaftlich feinen, taktvollen und charakterfesten Mannes. Strengste Wahrheit und Lauterkeit in der Rede und in seinem Handeln machen ihn zum Vorbild der Wahrheit. Durch Gerechtigkeit und freundliches Wohlwollen gegen alle Gemeindemitglieder verschafft er sich den ungetheilten Respekt seiner Gemeinde und den für eine gedeihliche soziale Wirksamkeit nothwendigen Einfluß. Durch peinlichste Neutralität stehe er über den Parteien und kleinlichen Jnteressenstreitigkeiten, sich dadurch auch das beste Mittel zur Versöhnung der Gegensätze und Erhaltung des Friedens in der Gemeinde sichernd. Niemals vergebe er seiner Würde und dem Ansehen seiner Stellung durch ausgesuchte Intimität oder größere Freundschaft mit mancher Familie, wodurch er oft unwillkürlich in das Parteigezänke oder das öffentliche Gerede gezogen werden könnte, dulde ferner keinen Angriff auf seinen Ruf oder seine Ehre als Mensch und Beamter, zeige sich jedoch auch nicht zu empfindlich, wenn Beschränktheit oder Größenwahn ihn einmal in unbedachtsamer Weise behelligt haben. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen Deutschland. Berlin, 8. April. (Antisemitische Humanität.) Eine ungewöhnliche Rohheit eines Arztes lag der Anklage zu Grunde, wegen deren der bekannte Antisemitenführer und eifrige AhlwardtianerVr. meä. Schramm aus Leipzig, früher in Loslau (Oberschlesien) ansässig, sowie der Kämmerer a. D. Nowak aus Loslau kürzlich vor der Strafkammer in Ratibor sich zu verantworten hatten. Zur Zeit seiner Praxis in Loslau hatte Dr. Schramm den Bergmann Smucz wegen rückständigen Honorars für die ärztliche Behandlung verklagt. Bei der notorischen Armuth des Bergmanns blieb das Verfahren jedoch resultatlos. Da stießen eines Abends die beiden Angeklagten, aus einem Bierhause kommend, auf Smucz. Dr. Schramm hielt ihm zunächst, angeblich um ihn in der Dunkelheit zu erkennen, eine brennende Cigarre derartig vor vas Gesicht, daß er ihm eine Brandwunde beibrachte. Darauf stieß er den wehrlosen Bergmann zu Boden und bearbeitete ihn mit den Stiefeln. Der Kämmerer Nowak betheiligte sich an diesen Brutalitäten. Später fand man den Mißhandelten in einem bejammernswerthen Zustand. Sein Gesicht war von Hautabschürfungen entstellt und über dem linken Auge klaffte eine offene tiefe Wunde, die anscheinend mit einem stumpfen Instrument beigebracht worden war. Die Augen waren blutunterlaufen und so angeschwollen, daß der Augapfel förmlich verschwand. Bald nach diesem Vorfall siedelte Dr. Schramm von Loslau nach Leipzig über und wurde dort, als er eine Vergnügungsreise nach Frankreich antreten wollte, wegen Fluchtverdachts verhaftet. Der Gerichtshof erkannte gegen Schramm auf 1020 M. und gegen Nowak

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