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Der Israelit · 1897-04-08 · Heft 28 (8.4.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 28 (8.4.1897)
Date
1897-04-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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528 religiöse Duldsamkeit nIS ihre Herrscherpsticht betrachteten. Solche Aeußerungeu bilden die beste Antwort auf die verleumderischen Angriffe eines Liebermann von Sonncnberg. der fast in derselben Stunde im deutschen Reichstage eine wüste Judendebattc in Scene setzen wollte. Zürich. In unseren Tagen des Jndisferentismus verdient eine Thatsache erwähnt zu werde», die wie ein Lichtstrahl fällt in die sonst, in religiöser Beziehung gewöhnlich etwas dunklen Verhältnisse, die man gelegentlich größerer Festlichkeiten bei jüdischen Anlässen hier leider häufig beobachten kann. Der Verein R«union, dessen Namen in Ihrem g-sch. Blatte schon mehrfach erwähnt wurde, feierte am 20. März das Purimfeft in den Räumen des Hotel National. Es sei gestattet hier beizufügen, daß dieser Verein trotz seiner erst dreijährigen Existenz jetzt nahezu 200 Mitglieder aus der Elite der Züricher Juden zählt. Das Vergnügungskomitö beschloß nun, daß bei diesem Anlässe nicht nur jenen Herren, welchen auch „sogenanntes" Kaschruth genügt, sondern auch denjenigen, welche sich nur auf wirklich einlassen, Rechnung getragen werden müsse. Die mit Ueberwachung der Küche betrauten Mitglieder: Herren Isidor Kohn und Eugene Lang, unterstützt von drei sehr vertrauenswürdigen Personen, erfüllten ihr Amt mit solch gewissenhaftem Ernste, daß ein in der Schweiz als orthodoxe Autorität geltender Rabbiner erklärte: auch er hätte m i t e s s e n können. Ich halte daher diese Wahrnehmung infolge der großen TheUnehmerzahl (220) und der enormen Kosten für Neuanschaffungen für sehr günstig und ist dieses Vorkommniß ein Ausfluß des sich hier G. s. D. immer mehr geltend machenden Bedürfnisses nach ächt jüdischen Zuständen. J. E. Feuilleton. Getreu bis in den Tod. 14) Von Maurice Ma^orr Alfred fühlte sich gekräftigt und wie neu belebt, als er aus seinem Schlafe erwachte. Er sah Pua mit einem dankbaren Lächeln an und wollte mit if/r ein Gespräch anknüpfen; kaum merkte diese rndeß sein Vorhaben, als sie schleunigst das Zimmer verließ. Alfred nahm das Tagebuch seines Pflegevaters, welches er unter dem Kopfkiffen aufbewahrt hatte, zur Hand und begann zu lesen. Im Monat Ellul 56 . . „Nur heran, Ihr treuen Genossen meiner einsamen Jugend! Tretet näher! Wir wollen im Fluge die verflossenen Zeiten durcheilen; Ihr sollt nicht mehr an den engen Raum meines Herzens gefesselt sein; nicht mehr wie ein Chaos in meinem Gehirn leben, sondern Form und Gestalt annehmen! Ich will Euch mit schwarzer Tinte auf weißes Papier zeichnen. „Die Sonne sendet ihren letzten Scheidegruß zur Erde. Der kühle Abendwind fährt zwischen die Zweige der Linde, welche die Fenster meines Zimmers beschattet, und streichelt liebkosend die Wangen der gelben, welken Blätter, welche der scheidende Sonnenstrahl mit Purpurröthe überstuthet. In der Ferne hört man den Hellen Glockenklang des heimkehrenden Viehes. „Auch in meinem Herzen vernahm ich einen Klang, der schmerzlich darin hallt und wimmert. Ist es die Einsamkeit, die die Saiten meines Herzens zu einem solchen Trauerliede stimmt? Oder sind es die schmerzlichen Erinnerungen, das frühe Sterben meiner unvergeßlichen Eltern, die meinem Herzen diesen elegischen Klang entlocken? Ich weiß es nicht. „Es wird allmählich dunkel in meinem Zimmer, die Nacht bricht heran. Es ist dieselbe Nacht, in welcher ich vor neunzehn Jähren das Licht der Welt erblickte. Feierliche Stille herrscht draußen auf der Gasse, auch die Linde an meinem Fenster ist regungslos. Durch die nächtliche Stille dringt der Posaunenruf zu mir, bald schmerzlich, gebrochen, verendend; bald schmetternd und jubelnd. Das Fest der Erinnerung ist vor der Thüre, und sein Mahn- und Weckruf hallt fort und fort in der jüdischen Brust. Auf, Volk Gottes, der Tag der Erinnerung ist da! Dein Erzvater hat aus Liebe zu seinem Schöpfer, aus unerschütterlichem Vertrauen zu Seiner Weisheit das Höchste und das Edelste, was er besaß, auf Seinem Altar opfern wollen. Zum Lohne seiner Treue und uneigennützigen Liebe verlieh mir Gott diesen Klang und diese Gewalt über Dein Gemüth. Mein Ruf war es, der Dich vor den flammenden Sinai-Berg rief, um Dir die Perle der Schöpfung, die heilige Lehre, als Eigenthum zu geben. Mit meinem Klange zogest Du in den Kampf, errangst Du den Sieg, und der Lorbeerkranz des Helden schmückte Dein Haupt. Mein Klang soll Dir auch jetzt den Sieg über Deine Eitelkeit und Thorheit verleihen und Dich zu der Lehre Deines Gottes zurückführen. „Während dieser Ton in meinem Herzen jene Gedanken wachrust, muß ich meines Vaters gedenken, dessen höchster Wunsch es gewesen, mich zu einem Talmudgelehrten zu erziehen. Er war ein schlichter, bescheidener Mann. Den ganzen Tag ging er seinem Geschäfte nach, das sehr beschwerlicher Art war; den Abend brachte er am liebsten im Lehrhause beim Studium des Gottesgesetzes zu. Meine Mutter war, soweit mein Gedächniß zurückreicht, leidend, von einem schrecklichen Krampfhusten gequält. Diese Krankheit jedoch hinderte sie nicht, ihre Pflichten als Frau und Mutter ganz und voll zu erfüllen. Ich war das einzige Kind meiner Eltern, und ihr Herz hing mit der zärtlichsten Liebe an mir. „Mein Sohn," so pflegte die Mutter zu sagen, „soll ein gediegener Lamden*) werden, damit auch nach meinem Tode meine Neschome**) noch Freude an ihm habe." •) Talmudkenner. **) Seele.

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